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Wende oder Trennung - VFB-Trainer Christian Gross (Foto) steht unter großem Druck bei der Partie gegen Schalke 04.  
Christian Gross © dpa
08.10.2010

VfB-Stuttgart Coach Christian Gross unter Druck

STUTTGART. Für Trainer Gross dürfte die Partie bei Schalke 04 über seine Zukunft beim VfB Stuttgart entscheiden. Wende oder Trennung - das ist die Frage vor dem „Krisen-Gipfel“. Derweil scheint ein alter Bekannter der Schwaben schon in der Warteschleife zu sein.

Trainer Christian Gross droht beim Bundesliga-Schlusslicht VfB Stuttgart das Aus. Doch zunächst erhält der Schweizer noch eine Chance, den Weg aus der Fußball-Krise zu finden. „Wir haben keine Trainerdiskussion. Aber natürlich müssen wir uns Gedanken machen, was geschieht, wenn der Misserfolg anhält“, sagte der mächtige VfB-Aufsichtsratschef Dieter Hundt den „Stuttgarter Nachrichten“ (Freitag). Auf die Frage, ob es bei ausbleibendem Erfolg zu einer Rückkehr von Christoph Daum käme, sagte der Arbeitgeberpräsident: „Dies entscheidet die Vereinsführung. Natürlich würde sich der Aufsichtsrat bei dieser Frage einbringen.“

Für Gross könnte der „Krisen-Gipfel“ beim Vorletzten Schalke 04 am 16. Oktober zum Schicksalsspiel werden. Sollten die Schwaben in Gelsenkirchen verlieren und damit auch das siebte von acht Bundesliga-Spielen in den Sand setzen, droht ihm das Aus. Bei einer Nachfolgeregelung könnte zudem eine Rolle spielen, dass der zurzeit vereinslose Daum neben Hundts Wertschätzung auch die des neuen VfB- Hauptsponsors Eduardo Garcia genießt und für dessen Produkte wirbt. Mit Daum waren die Stuttgarter 1992 deutscher Meister geworden.

Hundt wendet sich vehement gegen Kritik aus dem Umfeld, die Ursache für die VfB-Krise liege in der Sparpolitik des Vereins und erhöhe den Druck auf Trainer und Mannschaft. „Der Aufsichtsrat hat es doch nicht zu vertreten, dass teuer eingekaufte Spieler nicht zum Zug kommen oder völlig ungenügende Leistungen abliefern“, sagte er der „Stuttgarter Zeitung“ (Freitag). „Der Aufsichtsrat hat es auch nicht zu vertreten, wenn hoch bezahlte Spieler beste Torchancen fahrlässig vergeben.“ Und schließlich sei er nicht schuld daran, dass die Abstimmung zwischen den Mannschaftsteilen nicht funktioniere.
Von zu großer finanzieller Zurückhaltung auf dem Transfermarkt angesichts namhafter Abgänge wie Sami Khedira, Jens Lehmann oder Alexander Hleb will der 72-Jährige nichts wissen. Der Club habe vor dieser Saison mehr als 12,5 Millionen Euro für Neuzugänge ausgegeben und liege damit unter den ersten fünf in der Bundesliga. Es sei nicht so, „dass wir den Club in die zweite Liga sparen“.
Gross hat derweil mehrfach eigene Fehler eingeräumt, will beim Europa-League-Teilnehmer aber weiter kämpfen. Vor dem Schalke-Spiel werde es eine Aussprache mit der Mannschaft geben, kündigte er in mehreren Interviews an. Bis zur Winterpause werde der VfB den Anschluss ans Tabellen-Mittelfeld erreicht haben.

Zugleich sieht der 56-Jährige die Konzentration des VfB auf den Stadionumbau, der etliche Millionen Euro verschlingt, kritisch. „Der Verein hat sein Ziel auf die Fertigstellung des Stadions ausgerichtet, und er möchte eine starke Mannschaft für das Stadion haben“, erklärte er der „Bild“-Zeitung (Freitag). „Aber wann stelle ich die Mannschaft für eine so tragende Rolle zusammen? Wann sind die Hände finanziell nicht mehr gebunden?“ dpa