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Sieg bei den Asienspielen: Im südkoreanischen Incheon sicherte sich Ehsan  Hadadi die Goldmedaille.  XHEMAJ
Sieg bei den Asienspielen: Im südkoreanischen Incheon sicherte sich Ehsan Hadadi die Goldmedaille. XHEMAJ
In Niefern fühlt sich Diskus-Ass Ehsan Hadadi bei seinem Arzt Dimitri Jontschew in besten Händen.  Kohler
In Niefern fühlt sich Diskus-Ass Ehsan Hadadi bei seinem Arzt Dimitri Jontschew in besten Händen. Kohler
14.07.2016

Von Niefern nach Rio: Iranischer Diskuswerfer Ehsan Hadadi will bei Olympia Medaille

Während Diskuswurf-Olympiasieger Robert Harting die lauten Töne liebt, hört man vom Zweiten der Sommerspiele 2012 eher wenig. Ehsan Hadadi ist ein ruhiger Zeitgenosse, der an einem „ruhigen Ort“ trainiert. Da er sich wie schon vor vier Jahren im Stadion der TSG Niefern auf Olympia vorbereitet, wird ihm beim Start in Rio de Janeiro im August auch der eine oder andere Leichtathletik-Freund aus der Region die Daumen drücken.

In Niefern-Öschelbronn ist sein Arzt und väterlicher Freund Dimitri Jontschew zu Hause, der die Reise nach Rio schon fest gebucht hat: Außer um den 31-jährigen Hadadi kümmert sich der frühere Zehnkämpfer in Brasilien um Israels Leichtathletik-Team.

Sein Schützling Hadadi war der erste Leichtathlet seines Landes, der eine Olympia-Medaille gewann, doch ein Star ist das 1,93 Meter große Kraftpaket in dem 75-Millionen-Einwohner-Land nicht. Seinem über 80 Jahre alten russischen Trainer Kim Bukhonstew ist es ganz recht, dass Hadadis Kontakt zu den Medien minimal ist. „Er mag keine Journalisten“, sagt Hadadi grinsend. Genau wie sein Trainer versucht er sich auf den Sport zu fokussieren. Doch er gibt zu, dass es nicht leicht ist, nur ans Diskuswerfen zu denken. In Niefern feilt Hadadi morgens im Diskusring an seiner Wurftechnik. Nachmittags begibt er sich von der „Krone“ aus in den Kraftraum. Dass er trotz des Sieges bei den Asienspielen 2014 in Südkorea immer mal wieder gesundheitliche Probleme hatte, kaum Wettkämpfe bestritt und Erfolgserlebnisse somit rar waren, bedeutete eine zusätzliche mentale Herausforderung.

Zuletzt hat der Iraner in Karlsbad 64,65 Meter geworfen. Und bei einem Meeting in Madrid wurde Hadadi mit 63,10 Metern Dritter. Zum Vergleich: Harting gewann im Juni in Kassel mit 68,06 Metern den DM-Titel. Dennoch sagt Jontschew mit fester Stimme, es gehe dieses Mal um Gold. Ein Sieg in Rio könne die Motivation sein, noch vier Jahre weiterzumachen. „Ich glaube an mich“, sagt Hadadi: „Wenn ich den Willen habe, kann ich es schaffen.“ Bei großen Wettkämpfen sei in jedem Fall für alle Fairness Trumpf. Auch Robert Harting sei zwar Konkurrent, sagt Hadadi, ein Problem habe er mit dem Berliner aber nicht („Er ist ein guter Kerl“). Ohnehin schaut der Iraner nicht groß auf die anderen, sondern auf sich. Dafür zeigt Jontschew, dass ihn Hartings Star-Gehabe und seine Sprüche nerven.

Über seinen Schützling sagt der Arzt: „Er ist ein offener Mensch, aber im Vergleich zu anderen hat er es schwer.“ Hadadi ist ein Einzelkämpfer, der sich um Dinge wie seine Ausrüstung und die Wettkampfplanung alleine kümmern muss. „Es geht gar nicht so sehr ums Geld“, sagt er: „Aber du tust dich leichter, wenn du Unterstützung hast.“ Und dann sagt der sanfte Riese (Bestleistung 69,32 Meter) in ganz ruhigem Ton: „Wenn ich Sponsoren hätte wie Harting oder Piotr Malachowski, dann würde ich 75 Meter werfen.“ Das wäre Weltrekord.