760_0900_15944_.jpg Vor Spitzenspiel: PZ-Interview mit TGS-Abteilungsleiter Taafel über Ziele des Vereins
Der Macher der TGS, Wolfgang Taafel (links), und sein wohl größter Transfercoup, Weltmeister Andrej Klimovets.  Foto: Privat 

Vor Spitzenspiel: PZ-Interview mit TGS-Abteilungsleiter Taafel über Ziele des Vereins

Die TGS Pforzheim dominiert die Handball-Oberliga Baden-Württemberg, wie nie eine Mannschaft zuvor. Der Aufstieg in die 3. Liga ist so gut wie sicher, vielleicht sogar mit blütenweißer Weste. Am Samstag steigt das Topspiel gegen den Tabellenzweiten VfL Pfullingen. Die PZ sprach im Vorfeld der Spitzenpartie mit dem Handball-Abteilungsleiter der TGS, Wolfgang Taafel, über die Ziele des Vereines und die Perspektiven in der 3. Liga.

PZ: Die TGS führt die Tabelle der Handball-Oberliga Baden-Württemberg fast so souverän an, wie der FC Bayern die Fußball-Bundesliga. Seid ihr der FC Bayern der BW-Oberliga?

Wolfgang Taafel: Vom Punkteabstand her könnte man das vielleicht sagen. Aber sonst passt außer den Vereinsfarben rot-weiß da aber rein gar nichts zusammen.

PZ: Gleichwohl wird der Aufstieg in die 3. Liga kaum zu vermeiden sein. Was denken Sie, wann es soweit ist? Ist die Aufstiegsfeier schon geplant?

Wolfgang Taafel: Erst einmal wollen wir so lange wie möglich unsere weiße Weste behalten (die TGS führt die Tabelle mit 38:0 Punkten an, die Red.), wenn möglich sogar bis zum Saisonende, auch wenn das natürlich etwas vermessen klingt. Primäres Ziel ist aber die Meisterschaft in der BW-Oberliga. Das hat noch niemand in Pforzheim geschafft. Das wäre für uns eine Riesensache.

PZ: Was ist mit der Meisterfeier?

Wolfgang Taafel: Eine Meisterfeier ist noch nicht geplant. Das wäre wohl auch etwas respektlos den anderen Mannschaften gegenüber. Wir haben jetzt ein paar schwere Spiele vor der Brust. Da kann man auch leicht mal auf den Bauch fallen. Wenn es soweit sein sollte, vielleicht Ende März, dann werden die Spieler sicher selber spontan etwas unternehmen. Vom Verein aus ist nichts pompöses geplant, wir werden unser Geld zusammen halten.

PZ: Stichwort Geld: Sie sagten vor der Saison, für den sportlichen Erfolg müsse man auch mal wirtschaftlich ins Risiko gehen. Man hat einige namhafte und nicht gerade billige Spieler geholt. Wie sieht es aus, schließt man die Saison mit einem Minus ab?

Wolfgang Taafel: Natürlich nicht. Wir haben keine Darlehen aufgenommen, stehen nirgendwo im Minus. Meine Planung ist immer so, dass am Ende des Jahres die Bilanz ausgeglichen ist oder sogar ein kleines Plus besteht. Das wird diese Saison wieder so sein. Mit Risiko meinte ich eher, dass es eben nicht einfach ist, die Finanzen einer neuen, höheren Liga anzupassen. Dieses Risiko werden wir jetzt auch in der 3. Liga haben.

PZ: Das heißt also, dass es kein finanzielles Risiko für die TGS ist, Spieler wie Weltmeister Andrej Klimovets oder Nils Brandt, die sicher nicht schlecht verdienen, im Kader zu haben?

Wolfgang Taafel: Natürlich war das Geld für diese Spieler im August vergangenen Jahres nicht auf dem Konto. Aber wir waren uns sicher, dass das, was fehlt, erwirtschaftbar ist im Laufe der Saison. Und das ist uns gelungen. Das ist im Prinzip jedes Jahr das Gleiche, nur eben auf einem anderen Level.

PZ: Welchen Etat hat eigentlich die Oberliga-Mannschaft der TGS?

Wolfgang Taafel: Über Zahlen möchte ich öffentlich nicht sprechen. Wir investieren sicher für ein, zwei Spieler relativ viel, aber ich glaube, das wird von der Mannschaft akzeptiert. Insgesamt gesehen liegt unser Etat aber sicherlich eher im Durchschnitt der Oberliga.

PZ: Um wieviel Prozent muss sich der Etat in der 3. Liga erhöhen?

Wolfgang Taafel: Es gibt mit Sicherheit höhere Kosten für Zeitnehmer, Schiedsrichter und Reisekosten. Das werden so 15000 bis 20000 Euro mehr sein. Bei den Personalkosten für die Spieler wird sich nur unwesentlich etwas verändern, denke ich.

PZ: Sie spielen ja in der kommenden Saison in der größeren Fritz-Erler-Sporthalle. Allein durch die höheren Zuschauereinnahmen könnten ja die Zusatzkosten gedeckt werden.

Wolfgang Taafel: Ja, das ist denkbar. Allerdings muss dann das Interesse bei den Zuschauern auch geweckt werden. Das wiederum ist das Ergebnis harter Arbeit.

PZ: Wie sieht die personelle Planung für 3. Liga aus? Gibt es schon Neuzugänge?

Wolfgang Taafel: Wir haben bereits interessante Gespräche geführt. Da ist aber noch nichts fix. In erster Linie geht es darum, die jetzige Mannschaft zusammenzuhalten. Ich bin sehr zuversichtlich, dass uns das gelingt. Bei Andrej Klimovets müssen wir sehen. Er selber würde gerne bleiben. Und wir werden uns auch darum bemühen, dass wir ihn halten können.

PZ: Ist es in Pforzheim schwierig, Sponsoren zu finden?

Wolfgang Taafel: Ja es ist schwierig. Wir haben gerade eine neue Werbebroschüre erstellt, mit der wir losziehen. Wir sind mit ein paar interessanten Firmen im Gespräch, es ist aber noch nichts fix. Ich hoffe natürlich, dass die 3. Liga mit ihrer größeren Präsenz in der Öffentlichkeit doch noch die eine oder andere Tür öffnet.

PZ: Sie haben nach dem jüngsten Heimsieg gegen Wangen gesagt, man könne in Pforzheim mittelfristig auch über Zweitliga-Handball nachdenken.

Wolfgang Taafel: Nun ja, solche Gedanken hat man schon mal. In den vergangenen zehn Jahren war es ja so, dass wir immer im dritten Jahr in einer neuen Liga erneut aufgestiegen sind – von der Landesliga bis in die BW-Oberliga und jetzt – höchstwahrscheinlich – in die 3. Liga. Das Thema 2. Liga liegt aber nur noch bedingt in der Hand der TGS. Wir würden den Weg mitgehen. Aber da gehört mehr dazu. Die Wirtschaftsunternehmen müssten Arbeitsplätze und Perspektiven für Spieler bieten, die Stadt Pforzheim müsste die entsprechende Infrastruktur bieten und auch die Medien müssen mitmachen. Da muss alles passen, alle müssten an einem Strang ziehen, wenn man sportlich vorankommen will, wenn man in die 2. Liga will.

PZ: Am Samstag steigt um 19.30 Uhr das Spitzenspiel der BW-Oberliga, Spitzenreiter TGS gegen den Tabellenzweiten Pfullingen. Wie beurteilen Sie die Ausgangslage?

Wolfgang Taafel: Pfullingen hatte mal eine Durststrecke, hat sich aber wieder gefangen und sieht wieder gute Chancen auf den Aufstieg. Beim deutlichen 32:22-Sieg unserer Mannschaft im Hinspiel war sicher ausschlaggebend, dass Pfullingen komplett überrascht war von dem, was auf sie zugekommen ist. Sie waren richtig konsterniert. Wir könnten eigentlich locker in diese Partie gehen. Aber gerade in so einem Spiel will man zeigen, was man drauf hat. Das wird sicher ein tolles Spitzenspiel. Gerade auch, weil unsere Mannschaft im letzten Heimspiel gegen Wangen wieder richtigen Spaß-Handball geboten hat. Vorher wirkte das manchmal ein bisschen gequält. Pfullingen ist eine junge Mannschaft. Mit unserer Routine, so hoffe ich, werden wir das Spiel am Ende gewinnen.

PZ: Wie schade ist es, dass dieses Topspiel in der Benckiserhalle ausgetragen werden muss, die nur 199 Zuschauer fasst?

Wolfgang Taafel: Da müssen wir in dieser Saison durch, das ist klar. Das wussten wir. Vor allem der finanzielle Aspekt tut weh. Bei dem Spiel hast du vielleicht 100 zahlende Zuschauer. Aber nächste Saison haben wir in der Fritz-Erler-Halle ja bessere Voraussetzungen.