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Rein damit: Michael Schürg (links) erzielt das 4:0, das weder Villingens Fabian Jakob noch Torwart Marihan Huljic verhindern können. Ripberger, PZ-Archiv
Rein damit: Michael Schürg (links) erzielt das 4:0, das weder Villingens Fabian Jakob noch Torwart Marihan Huljic verhindern können. Ripberger, PZ-Archiv
Zum vierten Nöttinger Treffer gratuliert Colin Bitzer (links) Michael Schürg.
Zum vierten Nöttinger Treffer gratuliert Colin Bitzer (links) Michael Schürg.
07.12.2015

Vorweihnachtliche Präsente beim FC Nöttingen

Michael Schürgs Laune hätte am Samstag kaum besser sein können. Erst wünschte er den Pressevertretern „eine schöne Weihnachtszeit“, dann drehte er sich noch einmal um, rief „und ein gutes Neues“ hinterher. Dafür, dass der FC Nöttingen an Weihnachten und Silvester Grund zum Feiern hat, hatte der 31-Jährige mit seinen Mitspielern in den 90 Minuten zuvor gesorgt. 5:0 (3:0) gegen den FC Villingen, Spitzenreiter in der Fußball-Oberliga – so geht man gerne in die Winterpause.

Das letzte Spiel des Jahres 2015 war für Schürg zugleich ein Neustart. Sechs Spiele hatte er wegen einer Rippenprellung verpasst, erst fünf Tore standen vor dem Villingen-Spiel zu Buche. Ein sechstes kam nach 84, eine weitere Torbeteiligung bereits nach sieben Minuten hinzu: Nach Doppelpass mit Niklas Hecht-Zirpel warteten die 552 Zuschauer im Panoramastadion auf Schürgs Abschluss – doch plötzlich lag der Ball vor Eray Gürs Füßen, der zum 1:0 einnetzte. „Eigentlich wollte ich ihn mir vorlegen“, beschrieb Schürg die Situation. „Dann ist er aber zum Eray gesprungen – so war das dann doch auch perfekt.“

Wie in dieser Szene gelang dem Angreifer bei seiner Rückkehr noch nicht alles, oft wollte das Spielgerät nicht so wie er. „In der ein oder anderen Situation hat man gesehen, dass ihm noch etwas Spielpraxis fehlt“, bilanzierte Chefcoach Michael Wittwer. Aber angesichts zweier Scorerpunkte war das zu verkraften – zumal Schürg zehn Minuten vor Schluss sogar noch zwei Elfmeter verwehrt blieben. „Ich hatte jetzt drei Trainingseinheiten. Dafür, dass ich fünf Wochen nichts machen konnte, war das heute okay“, sagte Schürg, der „noch leichte Probleme“ mit seiner Rippe hat. Das Tor sei für ihn nicht so wichtig gewesen: „Mich hat es einfach gefreut, mal wieder spielen zu können und das hat wirklich Spaß gemacht – das war ein schönes Geschenk so kurz vor Weihnachten.“ Als „eminent wichtig“ bezeichnete Wittwer Nöttingens Top-Torjäger der vergangenen Jahre. „Und wenn er nach der Winterpause wieder voll einsteigen kann, wird er auch in der Rückrunde ganz wichtig für uns sein.“

Im Schnitt 22,7 Jahre jung

Das gilt auch wegen dessen Erfahrung. Schließlich ist Schürg mit seinen 31 Jahren der Routinier beim FCN, wo am Samstag Felix Zachmann mit 28 Lenzen bereits der Zweitälteste war. Weil Leutrim Neziraj, Mario Bilger und Simon Frank rotgesperrt fehlten, schickte Wittwer reihenweise junge Spieler aufs Feld. Beim Abpfiff standen mit Robin Kraski, Thorben Schmidt, Niklas Hecht-Zirpel, Niklas Kolbe, Kubilay Sahin und Giuliano De Nunzio sechs Akteure auf dem Rasen, die aus der Jugend des FCN stammen. Der Altersdurchschnitt aller 15 eingesetzten Spieler betrug 22,7 Jahre.

„Die Jungs aus der zweiten Mannschaft, die dort eine tolle Saison spielen, hatten sich das heute verdient“, sagte Wittwer. Nach den drei Roten Karten vor einer Woche gegen den Freiburger FC habe er sich mit Uwe Rhein, Trainer des FC Nöttingen II, kurzgeschlossen und besprochen, wer mit einem Einsatz bei der ersten Mannschaft belohnt werden soll. Der Spielverlauf – nach 25 Minuten stand es 3:0 – kam dieser Idee dann entgegen. „So hatten wir die Möglichkeit, ihnen kurz vor Weihnachten noch ein paar Minuten zu schenken“, sagte Wittwer. Und sollte man tatsächlich auch am Saisonende oben stehen, „können sie auch mitfeiern, weil sie ihren Anteil dazu beigetragen haben“. Während Gästetrainer Jago Maric sicher war, dass der FCN aufsteigt, ist sein Nöttinger Pendant noch vorsichtig. Schließlich hat der SSV Ulm bei einem Spiel weniger nur vier Punkte Rückstand auf den Spitzenreiter aus Remchingen. Und nur wer am Ende oben steht, steigt direkt auf.

Oder um es mit den Worten des einstigen Bayern-Managers Uli Hoeneß zusagen: „Der Weihnachtsmann ist kein Osterhase.“