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Großer Rückhalt für die Drittliga-Handballer der TGS Pforzheim ist Torhüter Daniel Sdunek, der aus Bittenfeld in die Goldstadt wechselte. Foto: Hofmann
Großer Rückhalt für die Drittliga-Handballer der TGS Pforzheim ist Torhüter Daniel Sdunek, der aus Bittenfeld in die Goldstadt wechselte. Foto: Hofmann
18.12.2015

Warum Daniel Sdunek auch aus „Faulheit“ Handball-Torhüter wurde

Es heißt, Menschen, die sich beim Handball freiwillig ins Tor stellen, müssten ein bisschen verrückt sein. Schließlich sausen ihnen Bälle mit Geschwindigkeiten von 100 Stundenkilometer und mehr um die Ohren. Und der eine oder andere hart geworfene Ball landet auch schon mal im Gesicht des Torhüters.

Als die Zeitschrift Sport-Bild vor einigen Jahren einmal die härtesten Werfer im deutschen Handball ermittelte, da war Lars Kaufmann mit 122 km/h der Spitzenreiter. Auf Rang 13 folgte Andrej Klimovets mit 100 km/h. Klimovets ist heute Trainer beim Drittligisten TGS Pforzheim. Und dort steht seit dem Sommer Daniel Sdunek zwischen den Pfosten. Dass die Pforzheimer nun mit weniger als 25 Gegentreffern pro Spiel die beste Abwehr der Liga haben, ist sicherlich auch ein Verdienst des 35-jährigen Toreverhinderers, der mehr als ein Jahrzehnt Profierfahrung mitbrachte.

Muss man verrückt sein, um Handballtorhüter zu werden, Herr Sdunek? „Ein bisschen stimmt das“, sagt der Keeper, um dann sofort offenherzig und selbstironisch einzugestehen: „Aber bei mir kommt auch die Faulheit hinzu. Ich laufe nicht so gerne.“

Irgendwann in seiner Jugendzeit beim Traditionsverein TuSEM Essen hat Daniel Sdunek entdeckt, dass ihm das Toreverhindern mehr Spaß macht als das Torerzielen. Und so blieb er zwischen den Pfosten, obwohl er nicht unbedingt das Gardemaß hat. Dabei ist der Westfale bei 1,88 Meter Größe und 100 Kilogramm in jeder Beziehung ein stattlicher Kerl, er sagt aber: „Damit zähle ich eher zu den Kleineren.“ Ab und an bedauert er es aus sportlicher Sicht auch, „dass ich nicht noch fünf Zentimeter größer geworden bin“. Sdunek weiß aber auch, wo zu viel Größe im Handballtor hinderlich sein kann: „Bei tief geworfenen Bällen ist man dann vielleicht etwas unbeweglicher.“

„Konstant stark“

In Pforzheim wissen Sie, was sie an ihrem neuen Torhüter haben. „Er bringt permanent gute Leistungen, ist sehr konstant, hat kaum Höhen und Tiefen in seinem Spiel“, sagt Wolfgang Taafel. Der Handball-Abteilungsleiter registriert auch mit Wohlwollen, wie Sdunek emotional auf die Mannschaft einwirkt, wie er seine Routine und Reife einbringt, wie er zusammen mit dem langjährigen TGS-Keeper Jonathan Binder ein gutes Gespann bildet.

Sdunek liebt es, vorausschauend zu spielen. „Zu antizipieren“, nennt er das. „Das ersetzt auch mal die Schnelligkeit, wenn man älter wird“, sagt er mit einer Prise Humor.

Heute Abend kann Sdunek wieder 60 Minuten lang antizipieren. Um 19.00 Uhr trifft seine TGS Pforzheim zum Rückrundenauftakt in der Bertha-Benz-Halle auf Salamander Kornwestheim. Die TGS belegt derzeit Platz fünf, doch der Torhüter schielt nach oben. „Das Team wurde neu zusammengestellt“, sagt er zur nicht immer optimal verlaufenen Vorrunde, verspricht aber zugleich: „Die Rückrunde schließen wir sicherlich erfolgreicher ab.“