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Stuttgarts Georg Niedermeier (von links), Christian Gentner, Alexandru Iulian Maxim, Daniel Schwaab und Filip Kostic verlassen nach dem Spiel mit hängenden Köpfen den Platz. Eisenhuth
Stuttgarts Georg Niedermeier (von links), Christian Gentner, Alexandru Iulian Maxim, Daniel Schwaab und Filip Kostic verlassen nach dem Spiel mit hängenden Köpfen den Platz. Eisenhuth
13.09.2015

Was nun, VfB? Stuttgart nach vier Spieltagen weiter punktlos

Der VfB Stuttgart hat bei der 2:1-Niederlage bei der Hertha wieder einmal nicht alles falsch gemacht, aber eben genug, um auch im vierten Ligaspiel der noch jungen Saison als Verlierer und Tabellensiebzehnter vom Platz zu gehen. 90 Minuten, die Fragen und Antworten mit sich gebracht haben.

Die Systemfrage: In der zweiwöchigen Bundesligapause hat Stuttgarts Trainer Alexander Zorniger kleine Korrekturen an seinem System vorgenommen. Der VfB stand in Berlin zu Beginn tiefer und agierte mit nur einer Spitze, Daniel Ginczek.

Hertha machte zu Beginn das Spiel, der VfB mal wieder einen bösen Schnitzer mit Adam Hlousek als letztem Glied der schwäbischen Fehlerkette. Genki Haraguchi sorgte fürs Berliner 1:0 (14.). Erst als Zorniger seine Elf wieder höher verteidigen ließ, spielte der VfB aggressiver, bissiger und erfolgreicher. Folgerichtig fiel das 1:1 durch Neuzugang Toni Sunjic (36.), der nach einem Freistoß von Didavi einköpfte.

Mit einem Volleyschuss zum Berliner 2:1 neun Minuten später beendete Fabian Lustenberger die kurze schwäbische Sturm-und-Drangphase. „Diese beiden Gegentore haben nichts mit dem System zu tun“, sagten Sportvorstand Robin Dutt und Trainer Alexander Zorniger. Sein Spielkonzept stand ja zuletzt im Zentrum der Kritik. Ein wirklicher Grund zur Freude ist das aber nun auch nicht. Wenn die Saisongegentore elf und zwölf nicht am System liegen, woran dann? Die Ratlosigkeit sprach aus Daniel Didavi, der auch schon bessere Auftritte im Trikot des VfB Stuttgart hatte: „Ich weiß nicht, was es ist. Vielleicht wollen wir es nicht genug. Oder es ist Pech.“

Oder fehlt es einfach an Qualität. In der zweiten Hälfte erspielten sich die Schwaben keine Möglichkeiten. Der VfB hat die vergangenen zwei Jahre nicht ohne Grund im Tabellenkeller der Liga verbracht. Für Ex-Bundesligatrainer Robin Dutt sind die immer wiederkehrenden Abwehrfehler eine Trainingsfrage. „Manchmal muss man das Abwehrverhalten monatelang üben. Ein Waldläufer kann auch erst nach 30 Läufen Bestzeit laufen.“ Wenn Fußball doch nur ein bisschen mehr wie Waldlauf wäre.

Klar ist für die Spieler nur eins: Das System soll bleiben, der Misserfolg gehen: „Wenn man jetzt bei jedem Spiel irgendwas ändert, dann kennt man sich gar nicht mehr aus“, sagte Verteidiger Florian Klein.

Die Trainerfrage: Es ist das erste schwäbische Fußballgesetz: Über den Trainer wird beim VfB immer diskutiert. „Für die Trainerdiskussion sind Sie zehn Monate zu früh dran“, sagte Robin Dutt. Nach vier Niederlagen und dem kapitalen Fehlstart wird aber für Trainer und Mannschaft „der mentale Rucksack schwerer“, wie es Dutt ausdrückt. So schlecht ist der Club noch nie gestartet. „Außer der Mannschaft den Rücken zu stärken, kann ich relativ wenig machen“, sagt der Sportvorstand.

Die Stimmungsfrage: Der Frust bei den 2500 Stuttgartern unter den 45 994 Zuschauern war groß. Und hörbar. „Wenn ich im Fanblock stünde, dann wäre ich auch frustriert und verärgert“, sagte Robin Dutt. Mit vier oder sechs Punkten auf dem VfB-Konto wäre die Geduld bei den Anhängern größer, ist Dutt sicher. Die Gleichung ist so alt wie simpel. Viele Niederlagen gleich viel Unruhe. Auch der Trainer hat erkannt: „Die Fallhöhe ist halt extrem, weil sich eine Erwartungshaltung aufgebaut hat.“ Die Stimmung droht zu kippen, erst recht wenn gegen Schalke, in Hannover und gegen Gladbach keine Trendwende kommt.