760_0900_17647_.jpg Wechselbad der Gefühle beim 29:30 der TGS Pforzheim in Sandweier.
Zwischen Frust und Lust: Erst saßen die Pforzheimer nach der Schlusssirene niedergeschlagen auf der Bank (links), dann konnten sie doch noch den Aufstieg feiern. Ripberger

Wechselbad der Gefühle beim 29:30 der TGS Pforzheim in Sandweier.

Was für ein Spiel! Was für eine Dramatik! Was für ein verrücktes Ergebnis! Trotz der 29:30 (15:13)-Niederlage beim TV Sandweier sind die Handballer der TGS Pforzheim am Samstagabend in die 3. Liga aufgestiegen.

Freuen konnte sich darüber im Lager der Turngesellschaft niemand nach einer hitzigen Partie mit 21 Zeitstrafen. „Die Enttäuschung über unser Spiel in der zweiten Halbzeit überwiegt eindeutig“, sagte Kapitän Florian Taafel.

Der Aufstieg ist vier Spieltage vor Saisonende dennoch perfekt, weil am Samstag zeitgleich der VfL Pfullingen beim TuS Altenheim 27:29 verlor. Somit kann Pforzheim vom Tabellendritten Pfullingen nicht mehr eingeholt werden – aufgrund des gewonnenen direkten Vergleiches. Die ersten beiden Mannschaften steigen auf. Neben Pforzheim wird dies wohl Kornwestheim oder Pfullingen sein.

Nach der rekordverdächtigen Serie von 23 Siegen in Folge hat der Spitzenreiter der Handball-Oberliga Baden-Württemberg jetzt das zweite Spiel hintereinander – und erstmals auswärts – verloren. TGS-Macher Wolfgang Taafel war bedient und ging mit der Mannschaft hart ins Gericht: „Mehrere Spieler haben total versagt. Das ist frustrierend. Im Angriff haben wir katastrophal viele Fehler gemacht.“

Der TV Sandweier kämpfte bis zum Umfallen und wurde drei Sekunden vor Schluss belohnt. Fabian Hochstuhl wurde nach einem Freiwurf angespielt und donnerte den Ball zum Siegtreffer ins Tor. Ein Gegentreffer, der so nicht fallen darf. „Das war symptomatisch für unser Spiel. Wir sind an uns selbst gescheitert“, ärgerte sich Florian Taafel, dass seine Abwehr den Torschützen nicht energischer gestört hatte.

Die Gäste hatten in der ersten Halbzeit noch alles im Griff und gingen mit einer 15:13-Führung in die Pause. Doch nach dem Wechsel drehte sich das Spiel vor allem deshalb, weil der TGS im Angriff zunehmend weniger einfiel. Der immer noch erkrankte Linkshänder Nils Brandt wurde schmerzlich vermisst. Sein Vertreter im Angriff, Artur Pietrucha, enttäuschte und sah in der 51. Minute nach einem Foul beim schnellen Gegenstoß des überragenden Jonas Schuster (elf Tore für Sandweier) die Rote Karte. Über Linksaußen ging nichts bei der TGS. Dafür überzeugte auf Rechtsaußen der in der zweiten Halbzeit für den enttäuschenden Frederik Zergon gekommene Marco Kikillus mit sechs Toren.

Dramatische Schlussphase

Die Dramatik in der zweiten Halbzeit riss die 700 Zuschauer im Hexenkessel Rheintalhalle von den Sitzen. Sandweier lag in der 41.Minute beim 20:18 erstmals mit zwei Toren vorne, führte in der 55.Minute beim 28:25 sogar mit drei Toren. Doch die TGS kam wieder heran und Marco Kikillus glich 40 Sekunden vor Ende zum 29:29 aus. Das Remis wäre ein versöhnliches Ende für die Gäste gewesen. Doch Sandweier schlug noch einmal – und das entscheidend – zurück.

TGS Pforzheim: Hämmerling, Binder – Taafel 11/davon 5 Siebenmeter, Pietrucha 3, Kikillus 6, Kaiser 6, Hoffmann, Kusterer, Sydorchuk, Klimovets 3, Zergon, Zluhan