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Ein kurzer Querpass sorgt für Gesprächsstoff: Lionel Messi (Foto) legt beim Elfmeter ab auf Luis Suarez. Dieser verwandelt den Strafstoß indirekt. Garcia
Ein kurzer Querpass sorgt für Gesprächsstoff: Lionel Messi (Foto) legt beim Elfmeter ab auf Luis Suarez. Dieser verwandelt den Strafstoß indirekt. Garcia
VfR-Torhüter Gerhard Lehrbaum wird hier von Franz Beckenbauer (rechts) ausgespielt. Später überlistete ihn Gerd Müller (links) bei einem indirekt verwandelten Elfmeter. Das Spiel gegen die Bayern fand 1970 auf dem Holzhof statt. PZ-Archiv
VfR-Torhüter Gerhard Lehrbaum wird hier von Franz Beckenbauer (rechts) ausgespielt. Später überlistete ihn Gerd Müller (links) bei einem indirekt verwandelten Elfmeter. Das Spiel gegen die Bayern fand 1970 auf dem Holzhof statt. PZ-Archiv
16.02.2016

Wie Messi: Fans erinnern sich an Geniestreich von Gerd Müller auf dem Holzhof

Da war doch etwas? Als die etwas älteren Fußballfreunde in Pforzheim am Dienstag die PZ-Story über den indirekt verwandelten Elfmeter des FC Barcelona lasen, erinnerten sie sich spontan an einen Auftritt des FC Bayern München im Holzhof-Stadion.

Am Sonntag, 16. August 1970, war es. Das Starensemble um Beckenbauer, Hoeneß, Müller und Maier gastierte zum Abschiedsspiel des Pforzheimers Edgar Schneider in der Goldstadt. 10 000 Zuschauer waren gekommen. Die Bayern siegten 7:1, was kein Wunder war. Verwundert die Augen rieben sich die Fans allerdings in der 36. Minute. Nachdem Franz „Bulle“ Roth im Strafraum gefoult worden ist, legt Gerd Müller den fälligen Elfer quer auf Roth – und der verwandelt sicher zum 5:0.

Auch der PZ-Reporter war überrascht und schrieb, dass Roth „Müllers Mätzchen zum 0:5 verwandelte“. Edgar Schneider, von 1970 bis 1973 Bayern-Profi, erinnert sich noch gut. „Bei Freundschaftsspielen haben wir so etwas öfter gemacht. Allerdings nur aus Spaß und nie, um den Gegner lächerlich zu machen“, betont der heute 66-Jährige. Wie alle von der PZ befragten ehemaligen Fußballer hat auch Schneider niemals in seiner Karriere erlebt, dass ein Elfmeter in einem Pflichtspiel, egal in welcher Liga, indirekt ausgeführt worden ist.

An die Szene vor mehr als 45 Jahren auf dem Holzhof erinnert sich auch der damalige VfR-Torhüter Gerhard Lehrbaum noch sehr gut. „Ich wusste, dass Gerd Müller – von mir aus gesehen – in die linke Ecke schießen würde und wollte den Ball unbedingt halten. Doch dass er dann für ’Bulle‘ Roth auflegt, damit konnte ich wirklich nicht rechnen“, sagt der heute 67-Jährige aus Straubenhardt. Im ersten Augenblick fand er die Aktion „respektlos, doch die Bayern waren nach dem Spiel sehr umgänglich, da konnte ich den Treffer dann auch so akzeptieren“, sagt Lehrbaum, der drei Jahre für den VfR im Tor stand.

Ist Messis Geniestreich, der im Duett mit Luis Suarez einen Elfmeter gegen Celta Vigo zum 4:1 indirekt verwandelte, wirklich demütigend für den Gegner? Die Meinungen bei Trainern und Spielern aus der Region sind unterschiedlich. „Es ist ein legitimes Mittel. Es rechnet nur niemand damit. Es ist keinesfalls demütigend“, glaubt Jürgen Geigle, langjähriger Trainer und Spieler aus Pforzheim. Timo Brenner, Kapitän des FC Nöttingen, meint: „Es zieht den Gegner schon ein wenig ins Lächerliche. Wenn wir das ausprobieren würden, bin ich fast sicher, dass es schief gehen würde.“

Dietmar „Didi“ Dierlamm, Trainer des A-Ligisten SG Ölbronn-Dürrn, kann sich durchaus vorstellen, dass seine Spieler künftig die Elfer-Variante anwenden. Doch er weiß auch: „Läuft der Gegenspieler mit, kann man sich schon mal schnell blamieren.“