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Kräftig zupacken wollen die Pforzheimer Rugbyspieler auch in der neuen Bundesliga-Saison. Foto: J. Keller
Kräftig zupacken wollen die Pforzheimer Rugbyspieler auch in der neuen Bundesliga-Saison. Foto: J. Keller
Das neue Leitungsteam von „Pforzheim Rugby“: Sie wollen sich die Arbeit aufteilen, um die Pforzheimer „Rhinos“ in der Rugby-Bundesliga zum Erfolg zu führen: (von links) Jens Poff, Sven Jargstorff, Tina Schucker, Ludwig Martin und Dirk Aigenmann.Foto: Privat
Das neue Leitungsteam von „Pforzheim Rugby“: Sie wollen sich die Arbeit aufteilen, um die Pforzheimer „Rhinos“ in der Rugby-Bundesliga zum Erfolg zu führen: (von links) Jens Poff, Sven Jargstorff, Tina Schucker, Ludwig Martin und Dirk Aigenmann.Foto: Privat
11.07.2019

Wie geht es weiter mit den Pforzheimer „Rhinos“ in der Rugby-Bundesliga?

Erstmals seit dem Bundesliga-Aufstieg im Jahre 2011 musste sich die SG TV/CfR Pforzheim, deutscher Rugby-Meister von 2016, in diesem Jahr um den Verbleib in der Oberklasse sorgen. Mit dem 51:38-Relegationssieg beim RC Rottweil ist die Basis für eine neue Bundesliga-Saison gelegt worden. Aber wie geht es jetzt weiter mit den „Rhinos“? Die PZ beantwortet die wichtigsten Fragen zur Zukunft einer der besten deutschen Rugbymannschaften vergangenen Jahre.

Was muss die SG TV/CfR Pforzheim noch tun, um weiter Bundesliga-Rugby zu spielen?

Die Pforzheimer wollen unbedingt weiter in der Rugby-Bundesliga Süd/West mitmischen, wie der bisherige Teammanager Jens Poff vom TV Pforzheim erklärt. Ludwig Martin, Rugby-Abteilungsleiter des 1. CfR Pforzheim, will ebenfalls alles daran setzen, dass die Formalitäten für eine weitere Erstligasaison bis Ende Juli erledigt sind. Auf einem speziellen Sponsorenabend will man alte Gönner und neue Förderer mit speziellen Marketing- und Social-Networking-Konzepten für eine Unterstützung des Rugbysports begeistern. Zugleich muss jetzt im Eiltempo geklärt werden, wie der neue und finanzierbare Kader aussehen soll. Auch die Trainerfrage ist noch offen.

Wie wird die Mannschaft der SG in der Saison 2019/20 aussehen?

Die „Simbabwe-Connection“ mit Nationalspieler Tafadzwa Chitokwindo, Josh Gando und Antipas Kamkwindo wird nach aktuellem Stand ebenso weiter in Pforzheim spielen wie Kelvin de Bruyn (Südafrika), Ben Bailey und Ryan Buchanan (beide Neuseeland) oder Ali Sürer (Deutschland). In der Vergangenheit gab es zum Saisonende hin immer einen großen Aderlass bei den Stammspielern. Martin, Professor an der Hochschule Pforzheim, hofft, den Kern des Teams zu halten. Als Verstärkungen auf einigen Positionen wünscht man sich im Verein aber mehr Spieler aus der Region und aus dem eigenen Vereinsnachwuchs. Bei der SG geht man daher davon aus, in der neuen Saison noch nicht ganz vorne mitkämpfen zu können. Da müsse erst vieles noch zusammenwachsen, so Poff.

Wer wird die Pforzheimer „Rhinos“ trainieren?

Meistercoach John Willis, mit dem der TVP 2016 nicht nur den Meistertitel im 15er-Rugby, sondern 2017 auch den DRV-Pokal und 2014 den europäischen Nordsee-Cup plus mehrere Vizemeisterschaften im 15er- und 7er-Rugby feiern konnte, will sich zurückziehen und neuen Aufgaben außerhalb des Rugbysports widmen. Ein Gespräch am Donnerstagabend mit der bisherigen Vereinsführung sollte jedoch klären, ob der Neuseeländer, der 2012 zum TVP kam und anfangs auch als Spieler auf der Position 6 mitwirkte, weiterhin die Verantwortung als Head-Coach für die „Rhinos“ tragen kann. Er hatte mit seiner Pforzheimer Mannschaft nicht nur alle wichtigen nationalen Titel gewonnen, ihm ist es auch jedes Jahr gelungen, aus einem nach vielen Spielerabgängen immer wieder neu zusammengewürfelten Kader ein schlagkräftiges Team zu formen. Für die eigentliche Trainingsarbeit aber hofft man bei der SG, so Ludwig Martin, noch bis Monatsende einen neuen Coach zu finden.

Wo wird in Pforzheim zukünftig Rugby gespielt?

Aktuell wartet man bei der SG noch auf ein Zeichen, beziehungsweise auf eine Unterschrift auf einen neuen Vertrag von den Stadtwerken Pforzheim, dem Eigentümern des Stadions. Der bestehende Vertrag jedoch sieht vor, dass als Verlängerungsoption noch bis Mitte der 20er-Jahre weiter am Rattachweg in Pforzheim-Eutingen Rugby gespielt werden kann.

Was wird sich in der Vereinsstruktur ändern?

Die Spielgemeinschaft von TV Pforzheim und 1. CfR Pforzheim bleibt bestehen, doch Rugbyfreunde aus beiden Vereinen haben sich im Juni getroffen, um die Aufgaben in der Team- und Vereinsführung neu zu verteilen. „Rugby Pforzheim“ nennt sich die lose formierte Gemeinschaft. Die Ziele: Die Vereinsarbeit auf mehreren Schultern zu verteilen und noch konsequenter als bisher den eigenen Nachwuchs zu fördern und mittelfristig in die erste Mannschaft zu führen. Martin wird die zentrale Figur werden, bei der alle Fäden zusammenlaufen. Dirk Aigenmann kümmert sich ums Vereinsheim und die Events, Rugby-Nationalspielerin Tina Schucker übernimmt die sportliche Leitung, Sven Jargstorff ist für die Finanzen und Jens Poff fürs Marketing zuständig. Phil Paine, der in der jüngsten Vergangenheit hervorragende Arbeit im Ausbau der Jugendmannschaften, beim Projekt „Rugby in der Schule“ und im Aufbau eines Frauenteams geleistet hat, kehrt zurück nach England. Seine Aufgaben übernimmt Sportwissenschaftler Christian Albrich, der junge Talente früh an den Verein heranführen will.

Wie soll der Rugbysport in Pforzheim nachhaltig gefördert werden?

Das Angebot „Rugby in der Schule“ boomt. Vergangenen Freitag haben sich im SüdwestEnergie-Stadion in Eutingen Schulteams aus Pforzheim und dem Enzkreis sowie aus Karlsruhe beim Norbert-Poff-Gedächtnisturnier getroffen. Mit einer U 8, U 14 und U 16 nimmt die CfR-Rugbyjugend am Spielbetrieb teil, die anderen Jugendlichen sind in Spielgemeinschaften aktiv. Auch das in der 7er-Liga Süd-West antretende Frauenteam will weiter wachsen und allmählich zum Mittelfeld der Liga aufschließen. Mittelfristig soll die zweite Mannschaft durch eigene Nachwuchstalente so stark werden, dass sie in der Verbandsliga (4. Liga) vorne mitspielen kann, um als Unterbau für die erste Mannschaft zu dienen. „Wir wollen in Zukunft in unserem Topteam je ein Drittel Spieler aus Pforzheim, aus der weiteren Region und aus dem Ausland haben, um so unserer eigenen Jugend Perspektiven zu geben“, sagt Martin.