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09.05.2008

„Wir würden gerne aufsteigen“

Es war nicht ohne Risiko, mit einer sehr jungen und unerfahrenen Mannschaft in die Saison der Handball-Oberliga Baden-Württemberg zu gehen. Doch der Mut des TV Eutingen wurde belohnt. Über die Ziele in der neuen Saison unterhielt sich PZ-Redakteur Martin Mildenberger mit Trainer Marc Nagel. Der Pädagoge und Ex-Nationalspieler ist inzwischen seit dreieinhalb Jahren beim TV Eutingen tätig.

Pforzheimer Zeitung: Die letzten neun Saisonspiele nicht verloren, Platz sieben in der Handball-Oberliga. Wie fällt ihre Saisonbilanz aus?
Marc Nagel: Im Endeffekt nur positiv. Wir sind gut gestartet, hatten dann leichte Probleme. Nach dem Spiel in Durmersheim, das wir hoch verloren haben, gab es eine sehr, sehr ernste Mannschaftsbesprechung.
Ab da gibt es wirklich nichts mehr zu meckern. Am Ende lief es tadellos, obwohl Alexander Lipps, ein wichtiger Spieler, wegen einer Verletzung gar nicht mehr mitwirken konnte.

PZ: Der TV Eutingen ist mit einer blutjungen Mannschaft in die Oberliga gestartet. Wie sind Sie mit der Entwicklung vor allem der jungen Spieler zufrieden.
Nagel: Ich bin mit der Entwicklung der gesamten Mannschaft zufrieden. Wir haben uns als Team weiterentwickelt und alle Spieler haben sich individuell verbessert. Es ist normal, dass gerade die jungen Spieler einen größeren Satz nach vorne gemacht haben als die älteren. Aber auch ein Manuel Mönch oder ein Bastian Langenfeld haben sich stark verbessert. Alexander Lipps hat im Defensivverhalten deutlich zugelegt.

PZ: Welcher der jungen Spieler hat den größten Sprung nach vorne gemacht? Ist ein neuer Patrick Groetzki in Sicht?
Nagel: Einen Patrick Groetzki hat man nicht jedes Jahr. Das wäre ja langweilig und würde auch die Qualität von Patrick abwerten. Er war in dieser Saison immerhin der einzige A-Jugendspieler mit Einsatzzeiten in der Handball-Bundesliga (bei den Rhein-Neckar Löwen, die Red.). Am konstantesten und am effektivsten für die Mannschaft war Philip Schückle. Er war sehr wichtig für die Abwehr, wo er auf der vorgezogenen Position oft gegen Spieler antreten musste, die 20, 30 Kilo schwerer sind als er. Auch im Angriff war er sehr wichtig. Gut entwickelt hat sich auch Kim Kallfass. Er könnte noch besser sein, wenn er die ganze Zeit in der ersten Mannschaft gespielt hätte. Aber wir wollten mit der Zweiten aufsteigen. Auch das war uns sehr wichtig.

PZ: Was kann man von der Rasselbande des TV Eutingen in der kommenden Saison erwarten. Ist die Regionalliga mit diesem jungen Team ein realistisches Ziel?
Nagel: Da muss man mit Prognosen sehr vorsichtig sein. Natürlich würden wir gerne in die Regionalliga aufsteigen. Ich bin nicht hier, um dauerhaft mit der Oberliga zufrieden zu sein. Aber es wird schwer. In der vergangenen Saison wurden wir noch unterschätzt. Das ist vorbei. Jetzt müssen wir uns alles erst mal verdienen und erarbeiten.

PZ: Um oben mitspielen zu können, muss auch auswärts besser gespielt werden. Wie ist die Diskrepanz zwischen der sehr guten Heim- und der weniger guten Auswärtsbilanz in der abgelaufenen Saison zu erklären.
Nagel: Wenn du im Handball auswärts bestehen willst, musst du besser sein als der Gegner. Ebenbürtig sein reicht nicht aus. Zu Hause fällt halt vieles leichter. Das ist auch eine Qualitätsfrage. Aber wir haben immerhin beim Meister in Horkheim gewonnen. Uns fehlt aber noch die Konstanz. Im Ürigen kann ich gut damit leben, dass wir zuHause besser sind. Hier spielen wir vor den eigenen Fans.

PZ: Wie sieht die Mannschaft in der kommenden Saison aus? Welche personellen Veränderungen wird es geben?
Nagel: Die Mannschaft wird zusammenbleiben. Aus Rintheim kehrt Rückraumspieler Conny Frey zurück. Er ist nach einem Kreuzbandriss wieder fit.

PZ: Sie haben zuletzt nicht mehr selber gespielt. Was muss geschehen, damit der 38-jährige Marc Nagel noch einmal aktiv ins
Geschehen eingreift?
Nagel (lacht): Ich habe jetzt zweimal versucht, aufzuhören. Jedesmal stand ich nach vier, fünf Spielen wieder aktiv auf der Matte. Dieses Jahr werde ich von Anfang an dabei und einsatzbereit sein. Ich hoffe, dass ich deutlich weniger spielen werde als in der vergangenen Saison.

PZ: Wie schätzen Sie die Rahmenbedingungen in Pforzheim ein? Was müsste sich ändern, damit man mittel- bis langfristig die 2. Bundesliga anpeilen könnte?
Nagel:  Die Rahmenbedingungen sind optimal. Es sind sehr zuverlässige Leute hier im Verein. Wir sind nicht abhängig von ein, zwei Sponsoren und haben mit den Stadtwerken Pforzheim einen sehr zuverlässigen Partner. Das ist wichtig. Die 2. Bundesliga wäre Klasse, zumal in der Region, auch in Karlsruhe, niemand höher spielt als wir. Der Weg führt über die Jugend. Wir müssen hoffen, dass die guten Spieler bei uns bleiben und uns dann kontinuierlich weiterentwickeln. Auch ein bisschen Glück gehört dazu. Unsere Halle ist okay, es wäre aber toll für uns, wenn in Pforzheim eine neue Großsporthalle gebaut werden würde.