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Mühsam wird der Kampf um das Fortbestehen der Deutschen Ringerliga. Hier ein Duell aus dem Finale 2020 mit dem Weingartner Jan Fischer (rotes Trikot) und dem Ispringer Bogdan Eismont.  Foto: PZ-Archiv/Hennrich 

Zähes Ringen um die Zukunft der Deutschen Ringerliga - Zuversichtlicher KSV-Chef Werner Koch

Ispringen. Ringer sind es gewohnt, kräftig zuzupacken. Sie sind robuste Kerle, die einstecken und austeilen können. Da passt es nicht so recht in Bild, dass ihre vor drei Jahren neu gegründete Deutsche Ringerliga (DRL) bis heute ein zartes Pflänzchen geblieben ist, das immer wieder zu verkümmern droht – obwohl die Vereine Olympiasieger und Weltmeister im Dutzend auf die Matte schicken. Das macht auch dem KSV Ispringen zu schaffen.

Erst vor Kurzem hat sich der SV Germania Weingarten im dritten Anlauf erstmals den DRL-Titel gesichert. Deutscher Meister waren die Germanen zuvor bereits dreimal, damals aber in der Bundesliga des Deutschen Ringer-Bundes (DRB). Jetzt der erste Titel unter dem neuen Dach – und womöglich auch schon der letzte. Denn wie es mit der Liga weitergeht, scheint offener denn je.

Optimismus und Skepsis

„Es geht weiter“, ist Werner Koch überzeugt. Der Unternehmer aus Ispringen ist nicht nur Chef einer der beteiligten Mannschaften, sondern zugleich Liga-Präsident und -Sponsor in Personalunion. Markus Scheu äußert sich da schon zurückhaltender: „Der Wille ist da, wir kämpfen wie jedes Jahr“, sagt der DRL-Geschäftsführer, der zugleich beim ASV Nendingen einer der Macher ist.

Scheu benennt das generelle Problem der neuen Liga: „Die Sache steht und fällt jedes Jahr damit, ob wir neue Vereine dazubekommen.“ Seit der Gründung der Liga 2016 bilden der VfK Schifferstadt, Weingarten, der KSV Ispringen, der SV Nendingen und der KAV Eisleben das DRL-Gerüst. Der Versuch, neue Vereine zu gewinnen, ist bislang fast immer gescheitert. Im Sommer 2019 wurde mit dem KSV Schriesheim bereits ein Traditionsverein als Neuzugang vermeldet, doch die Nordbadener machten kurze Zeit später einen Rückzieher.

Endloser Streit zwischen DRL und DRB

Dass sich die Vereine so schwer mit dem Wechsel in die Profiliga tun, liegt auch am endlosen Streit mit dem DRB. In anderen Sportarten – vom Fußball über Handball und Basketball bis hin zum Turnen – gibt es eine nahezu geräuschlose Koexistenz zwischen Verband und Profiliga. Bei den Ringern funktioniert das nicht.

Schon die Trennung war im Streit erfolgt. Einige Spitzenclubs hatten dem Verband andauernde Gängelung, undurchsichtige Entscheidungsprozesse und mangelhafte Vermarktung vorgeworfen und deshalb ihre eigene Liga gegründet. Seither versucht der Ringer-Bund, die Sportler mit Sperren und anderen Sanktionsandrohungen von Auftritten in der Deutschen Ringerliga abzuhalten. Beide Seiten haben sich deshalb mehrfach vor Gericht getroffen, die Liga hat fast immer Recht bekommen. „Die können die Sportler nicht sperren oder abstrafen, das geht kartellrechtlich nicht“, sagt Werner Koch. Zu einem Sinneswandel beim Ringer-Bund hat das bislang aber nicht geführt.

Wirtschaftliche Probleme bei Ringerteams

Vergangene Saison kamen in der Ringerliga dann wirtschaftliche Probleme bei einzelnen Vereinen hinzu. Der VfK Schifferstadt meldete als amtierender Meister noch vor der Finalrunde sein Team ab. Und der KAV Eisleben trat im Halbfinale, für das er qualifiziert war, nicht an. Am Ende hatte der Vorsitzende Ralph Oberacker vom Meister Weingarten direkt nach dem Titelgewinn schon sehr skeptisch geklungen. Man würde zwar am liebsten in der DRL weiterringen, aber dazu brauche es neue Clubs, die auch Fans mitbringen. Den Weg zurück in die Bundesliga des Deutschen Ringer-Bundes schloss er aus. Notfalls gehe es in der Oberliga weiter.

Arbeit an einem Finanz-Konzept

Im Februar wollen sich nun die DRL-Clubs zu einem Gespräch treffen, um auszuloten, ob und wie es weitergehen kann. „Wir arbeiten an einem Konzept“, sagt Markus Scheu. Dabei gehe es darum, weitere Kosteneinsparungen zu ermöglichen und die Vereine organisatorisch zu entlasten. Das sieht auch Werner Koch so: „Wir wollen auch sportlich für mehr Chancengleichheit sorgen.“

Eine wirtschaftliche Entlastung der Liga könnte aber bald von unerwarteter Seite kommen. 2019 hat die DRL vor dem Landgericht Nürnberg einmal mehr einen Prozess gegen den Ringer-Bund gewonnen, der Verband hat Berufung eingelegt. Wird die vom Gericht verworfen, steht der DRL der Weg zu Schadensersatzforderungen gegen den DRB offen. Und um welche Summen geht es dann? „Das kann in die Hunderttausende gehen“, sagt Markus Scheu.