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Chadrac Akolo ist beim VfB Stuttgart gleich gut aufgenommen worden. Foto: Baumann
Chadrac Akolo ist beim VfB Stuttgart gleich gut aufgenommen worden. Foto: Baumann
31.07.2017

„Zinedine Zidane“ aus Kinshasa tritt beim VfB Stuttgart an

In Kinshasa haben sie ihn auf der Straße „Zidane“ gerufen. Der große Zinedine Zidane ist sein Vorbild. Und mit seinem Engagement in der Fußball-Bundesliga ist für Chadrac Akolo „ein Traum in Erfüllung gegangen“. 22 Jahre ist er alt, und weil im Kongo der Fußball ein Sport der Straße ist, hat er auch zunächst nie daran gedacht, in Europa Fußballprofi werden zu können. Eigentlich. „Alles ist sehr schnell gegangen“, erzählt Akolo nun im Trainingslager des VfB Stuttgart in Neustift im Stubaital.

Im Training sieht man, welche Power er mitbringt. Und der junge Mann hat Ziele. Der Konkurrenzkampf im Angriff des Bundesligarückkehrers schreckt ihn nicht. „Konkurrenzkampf ist normal im Leben, normal im Fußball“, sagt er.

Wenn man aus dem Kongo geflüchtet ist, weiß man, welche Fragen das Leben stellt. Erst ist seine Mutter in die Schweiz gekommen, dann seine Schwester, dann er. „Ich komme von weit her“, sagt Akolo, „und es ist sehr viel sehr schnell geschehen.“ In der Schweiz hat er zuerst bei Regionalmannschaften gespielt: „Ich wollte eigentlich nur einen Job“. Dann haben sie ihn beim Schweizer Erstligisten FC Sion entdeckt. In der letzten Saison hat Akolo in 34 Spielen 15 Tore erzielt.

In Sion hat er links wie rechts gespielt, auch schon als Spielmacher und zentral offensiv. Dort, wo auch beim VfB die Musik spielt. Akolo ist vorbereitet. „Ich träume meinen Traum, wir werden sehen“, sagt er.

Als Flüchtling nach Europa gekommen, von einer Schweizer Familie betreut und den Weg in den Profifußball gefunden: Dass er beim VfB Stuttgart unter Vertrag steht, hat viel mit Trainer Hannes Wolf zu tun. Akolo hatte auch Kontakte zu anderen Clubs, erzählt er, aber das Gespräch mit Wolf hat ihm sofort vermittelt, dass dieser Trainer der richtige für ihn ist: „Er ist einer, der die Wahrheit nie verschweigt, der mir seine Kritik direkt und offen ins Gesicht sagt.“

Dass in Peter Zeidler ein Ex-Stuttgarter Trainer in Sion ist, war ein weiteres Argument. „Ich habe mich in Sion mit dem Trainer immer gut verstanden.“ Als das Angebot vom VfB kam, war Zeidler der erste Gesprächspartner. Und dann ging auch das schnell. Vierjahresvertrag, vermutete Ablösesumme um die sechs Millionen Euro. Selten werden in Stuttgart Spieler teurer eingekauft.

Akolo wirkt nicht wie 22, dafür hat er vermutlich schon zu viel erlebt. Ob es in der Bundesliga klappt, wird man sehen, da die Offensive mit Daniel Ginczek, Simon Terodde, dem griechischen Zugang Anastasios Donis, Julian Green, Josip Brekalo, Tobias Werner, Takuma Asano bundesligatauglich besetzt ist. Die Probleme des VfB liegen in der Defensive.

Akolo will sich durchsetzen. Auch die Schweizer waren sehr von seinem Tordrang überzeugt, der Verband hat schon gefragt, wie es mit der Schweizer Staatsbürgerschaft aussieht: „Das dauert drei Jahre, das ist mir zu lang. Und außerdem will ich für mein Land spielen, für den Kongo.“

Alle großen europäischen Ligen kennt er aus dem Fernsehen. „Ich habe das immer verfolgt, die Intensität ist in der Bundesliga höher, aber Pressing haben wir auch in Sion gespielt, ich kenne das. Die Bundesliga ist ein weiterer Schritt für mich“, sagt Akolo, dem es an Selbstbewusstsein nicht mangelt. „Die Umstellung wird mir gelingen, ich bin im Club gut aufgenommen worden und ich hoffe, dass ich es in die Mannschaft schaffe.“ Wenn es um konkrete Ziele geht, bleibt er zurückhaltend: „Ich will lieber keine Prognose abgeben.“

In Stuttgart ist er allein, weil für Mutter und Schwester das Asylverfahren in der Schweiz läuft. In Sion hatte er eine Viertelstunde vom Trainingsgelände, bis er bei der Mama war. Demnächst werden bei Spielen 60.000 Fans sein. „Ich will mich davon nicht zu sehr beeinflussen lassen“, sagt Akolo. Der „Zizou“ der kongolesischen Straßen steht vor der deutschen Feuertaufe.