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Der gegen Bochum stark spielende Atakan Karazor (links) bejubelt den Treffer von Hamadi al Ghaddoui. Rechts Roberto Massimo.  Foto: Baumann 

Zitterpartie mit positivem Ausgang: Endlich wieder ein Auswärtssieg für den VfB Stuttgart

Stuttgart. Wenn man nach sechs Spielen ohne Sieg in fremden Stadien endlich wieder drei Punkte mitnimmt, künden die Verantwortlichen in aller Regel von einem positiven Erlebnis. Und am nächsten Tag ist es dann auch völlig unerheblich, ob es das pure Glück war, das den VfB Stuttgart mit 1:0 (0:0) beim VfL Bochum gewinnen ließ. Erst ein unglaublicher Abwehrfehler der Bochumer führte zum entscheidenden Tor des eingewechselten Hamadi Al Ghaddioui in der 80. Spielminute. Cheftrainer Pellegrino Matarazzo blieb wie immer unbeeindruckt, gelassen und freundlich. Weil er genau das wusste.

„Serien beschäftigen mich nicht, Statistik ist nicht relevant für mich. Aber ich bin froh über das Tor“, sprach der Italo-Amerikaner, als es im Ruhrstadion auf Mitternacht zuging. Um dann ganz entscheidend nachzuschieben: „Wir müssen im letzten Drittel zwingender werden.“

Das traf den Nagel auf den sprichwörtlichen Kopf. Ohne den Bochumer Fehler hätte die Mannschaft des VfB unmöglich die drei Punkte mitnehmen können. Vor dem gegnerischen Tor fehlte es an Effizienz, reihenweise ließen Matarazzos Kicker Chancen aus. Dass Mario Gomez einmal ein herausragender Torjäger war, alles Vergangenheit, uninteressant. Matarazzo hatte irgendwann ein Einsehen und wechselte Hamadi Al Ghaddioui ein, der das Spiel entschied. Daniel Didavi sprach zutreffend von einer „Zitterpartie, wir sind sehr, sehr glücklich, dass wir gewonnen haben“. Man könne ein solches Spiel „souveräner gestalten, vor allem im ersten Durchgang“, sprach der Kapitän, „aber wir sind auf einem guten Weg“. Warum? „Weil wir eine gute Mannschaft sind.“

Atakan Karazor, der einmal mehr in der Innenverteidigung überzeugte, sagte, man habe drei Punkte aus Bochum mitgenommen, das sei nicht selbstverständlich, aber gut. Am Ende sind es diese Spiele, die darüber entscheiden, ob man seine Saisonzeile erreicht oder nicht. „Die Hinrunde war nicht gut für mich, das weiß ich, aber auf meiner aktuellen Position fühle ich mich wohl. Mir geht es besser, wenn ich viele Ballkontakte habe.“ Es wird für die Rückkehrer Marcin Kaminski und Holger Badstuber schwer, an diesem Karazor vorbeizukommen, der aus Essen stammt und drei Jahre in der Jugend des VfL Bochum kickte, bevor seine von seinem Berater befohlene Rundreise durch deutsche Vereine begann. Es scheint, als sei er angekommen. Auf einer Position, die er erst innehat, seit Matarazzo Cheftrainer ist.

Silas Wamangituka hatte ebenso viele Ballkontakte, machte aber wesentlich weniger richtig. Das nehmen sie diesem jungen Mann aus Paris aber nicht übel. „Der macht Sachen, die sonst keiner von uns kann“, sagt Didavi, „der Silas ist ein richtig guter Kicker, das wird uns noch sehr nutzen“. Wamangituka machte viel Betrieb auf der linken Seite, gab am Ende den entscheidenden Pass zum entscheidenden Tor. Also alles richtig gemacht. Philipp Förster, ebenfalls eingewechselt, hätte in der Nachspielzeit fast noch auf 2:0 erhöht, scheiterte aber an Bochums Torwart Manuel Riemann und der Querlatte.

„Der Stuttgarter Sieg geht irgendwo in Ordnung, die haben schon unheimlich viel Qualität“, sagte Bochums leidgeprüfter Trainer Thomas Reis. Der Ex-Profi monierte zurecht „zu viele technische Fehler meiner Mannschaft, aber wir haben noch Endspiele genug, um das Schlimmste zu vermeiden. Man darf gespannt sein. Sich den ruhmreichen VfL in der 3. Liga vorzustellen, fällt ziemlich schwer. Leichter fällt es da schon, sich den VfB wieder in der Bundesliga vorzustellen. Aber es ist trotzdem noch ein weiter Weg dorthin.

Für den VfL geht es um die nackte Existenz. Entsprechend kämpferisch präsentierte sich die Bochumer Mannschaft, kein Meter Boden blieb unbearbeitet, keinem Zweikampf ging die Formation aus dem Weg. Das machte es für den VfB schwierig, das gewohnte Kombinationsspiel aufzuziehen. Dennoch sprach der Ballbesitz eindeutig für die Stuttgarter. Am Ende waren es drei Punkte, alles bestens, am Samstag kommt Jahn Regensburg.