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Markus Kauczinski (rechts) sagt „Tschüss“, die Fans danken ihm für 15 Jahre, die der Coach in Karlsruhe tätig war.
Markus Kauczinski (rechts) sagt „Tschüss“, die Fans danken ihm für 15 Jahre, die der Coach in Karlsruhe tätig war.
16.05.2016

Zum Abschied von Markus Kauczinski spielt der KSC 1:1 gegen Bielefeld

Der Abschied war einfach und gradlinig. Typisch Markus Kauczinski. „Und jetzt ist Schluss. Dankeschön“, beendete der scheidende Trainer des Karlsruher SC sein kurzse Statement nach seinem letzten Spiel für den Zweitligisten. 15 Jahre war Kauczinski im Wildparkstadion tätig, mehr als vier Jahre davon als Cheftrainer.

Nächste Saison betreut er eine Liga höher den FC Ingolstadt.

Knapp 19 000 Zuschauer bildeten in der Partie gegen Arminia Bielefeld (1:1), in der es sportlich um nicht mehr viel ging, eine würdige Kulisse, um den Trainer, seine beiden Assistenten Argirios Giannikis und Patrick Westermann sowie sieben Spieler angemessen zu verabschieden. Als die Partie zu Ende war, drehte Kauczinski ganz alleine seine Ehrenrunde, ehe er sich vor dem Fanblock wieder mit der Mannschaft vereinigte. Dort standen alle Arm in Arm, schunkelten noch einmal gemeinsam mit den Fans. Dann verschwand der KSC-Trainer unter den stehenden Ovationen der Fans im Kabinengang.

Schon vor der Partie gab es blau-weiße Blumensträuße für die scheidenden Spieler und Trainer, von Sportdirektor Jens Todt außerdem eine herzliche Umarmung für Kauczinski und von Vizepräsident Georg Schattling die Verabschiedungsrede („Es war eine tolle Zeit mit Dir“). Ingo Wellenreuther war nicht da – er ist in Urlaub. Beim KSC-Präsidenten sehen viele im Umfeld des Vereins die Verantwortung dafür, dass es mit Kauczinskis Vertragsverlängerung nicht geklappt hat.

Peitz wäre gerne geblieben

Aber auch beim Abgang einzelner Spieler wurden Differenzen öffentlich. Bei Dominic Peitz zum Beispiel. Die Kämpfernatur aus dem KSC-Mittelfeld sprach ganz offen von Wehmut. Gerne wäre er geblieben, die Gespräche mit der sportlichen Leitung seien weit gediehen gewesen, ehe man ihm „den Abschied in den Mund gelegt“ habe. Hintergrund war, dass das Präsidium wohl Klarheit wollte und eine Deadline für eine Zusage setzte, die aber so wohl nicht durch alle Instanzen kommuniziert wurde. „Peitzer“, von den Fans enthusiastisch gefeiert, vermisst rückblickend Fairness, Respekt und Wertschätzung bei einem Teil der „Entscheidungsfraktion“ im Wildpark. Der Umbruch, der jetzt ansteht, wirft den einen oder anderen Schatten auf eine Saison, die unter dem Strich so schlecht nicht war. Todt nennt Platz sieben sogar „großartig“.

Die letzte Partie diente als Blaupause der gesamten Saison. Der KSC spielte engagiert und gefällig, war überlegen. Doch vor dem gegnerischen Tor fehlte mal die Präzision, mal die Entschlossenheit, mal die zündende Idee. Als Ylli Sallahi den Karlsruher SC dann doch per Freistoß in Führung schoss (60.), kassierten die Badener noch den Ausgleich, weil Christopher Nöthe unbedrängt einköpfen durfte (81.). So drückte sich der hohe Aufwand einmal mehr nicht im Ertrag aus.

Dass es nächste Saison besser wird, dafür soll Tomas Oral sorgen. Der künftige Trainer, zuletzt beim FSV Frankfurt tätig, wird es im Wildpark schwer haben, nicht nur, weil Kauczinski große Fußstapfen hinterlässt. Von vielen Fans wird der Neue skeptisch beäugt. Gespannt sein darf man, welches Personal ihm der Verein zur Verfügung stellt. Die Suche nach Neuzugängen wird sich auf die zentralen Positionen konzentrieren: Auf die Innenverteidigung, wo Manuel Gulde und Daniel Gordon weg sind, auf die Sechserposition, wo mit Jonas Meffert und Peitz ebenfalls zwei gehen, sowie auf die Spielmacherposition, wo der KSC die ganze Saison auf der Suche nach der Idealbesetzung war. Zum Abschied probierte Kauczinski sogar Enrico Valentini als Mann hinter der Spitze, aber der ist auf der Außenbahn ganz sicher besser aufgehobenen.