Die 100-jährige Lisel Heise hat im pfälzischen Kirchheimbolanden den Sprung in den Stadtrat geschafft. Foto: Uwe Anspach
Die 100-jährige Lisel Heise hat im pfälzischen Kirchheimbolanden den Sprung in den Stadtrat geschafft.  Foto: Uwe Anspach 

100-Jährige in Rheinland-Pfalz in den Stadtrat gewählt

Kirchheimbolanden (dpa) - Die Frau des Tages kommt zu spät zu ihrer Pressekonferenz. Das Interview mit einem TV-Sender hat länger gedauert. Doch dann läuft sie unter Applaus ihrer Fans in die Stadthalle ein: Lisel Heise. Die Hundertjährige, die auszog, um den Stadtrat ihres pfälzischen Heimatortes Kirchheimbolanden zu erobern - und gewann.

Nervös wirkt die ältere Dame mit den weißen Haaren einen Tag nach der Kommunalwahl nicht - trotz des Medienrummels um sie herum. Sogar das Team eines russischen Senders will mit ihr später durch die Verbandsgemeinde mit knapp 8000 Einwohnern spazieren. «Wenn ich nicht reden könnte, hätte ich den ganzen Zirkus nicht gemacht», erklärt Heise denn auch prompt. Das Publikum weist sie resolut darauf hin, dass sie allerdings sehr schlechte Ohren habe.

Reden wird sie jetzt vielleicht häufiger müssen. Schließlich hat Heise nach dem vorläufigen amtlichen Endergebnis bei der Kommunalwahl am Sonntag für die Initiative «Wir für Kibo» die meisten Stimmen geholt. 991, um genau zu sein. Sie rückte dadurch von Listenplatz 20 auf Platz 1 vor und erhielt eines von zwei Mandaten für ihre Wählergruppe.

Das Sprechen vor Publikum fällt ihr erkennbar leicht. Jahrelang arbeitete Heise als Lehrerin. Zunächst im baden-württembergischen Künzelsau, später in «Kibo», wie Kirchheimbolanden gerne genannt wird.

«Die Politik hat sich vom Humanismus zum Kapitalismus entwickelt», referiert Heise. Zudem entziehe die Politik dem menschlichen Körper das, was für ihn wichtig sei. Das schlimmste Zeichen sei für sie 2011 die Schließung des Freibads im Ort gewesen. Dabei brauche doch der Mensch wie jedes Lebewesen das Wasser. Für sie sei das Schwimmen ein «Lebenselixier». Jetzt will sich die Hundertjährige dafür einsetzen, dass «Kibo» ein neues Freibad bekommt.

Neben dem Freibad liegt Heise auch die Jugend am Herzen. So will sie eine Art Jugendtreff installieren, zum Spielen, Unterhalten oder musizieren. «Die Jugend ist hier in das zweite Glied abgeschoben worden», kritisiert Heise. Große Pläne will sie aber erst einmal nicht schmieden, ihr Engagement hänge schließlich auch von ihrem Gesundheitszustand ab.