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Eine Reise durch 300 Jahre Kaffeemühlengeschichte hat Expertin Giovanna Messina (Mitte, in weiß) mit PZ-Lesern im Wiernsheimer Museum unternommen. Fotos: Hepfer
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Bei den Kaffeemühlen aus feinstem Porzellan sind die Auffangbehälter in den Boden geschraubt, weil herkömmliche Schubladen beim Herausziehen oft klemmten.
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Gerlinde und Klaus Anders aus Huchenfeld bestaunen die Vitrine mit marokkanischen Mokka-Kaffeemühlen (oben), die reich verziert sind. Ganz unten ist eine Mühle zu sehen, deren Mahlwerk vom Automobilhersteller Peugeot stammt.

Abschluss der Serie „Schau mal, wo du lebst“: Im Reich der Aroma-Maschinen

Wiernsheim. Der Siegeszug der Kaffeebohne hat längst weltumspannende Wirkung erlangt. Doch bevor das liebste Getränk der Deutschen die Geschmacksnerven verwöhnen kann, muss zunächst einmal das Aroma aus der Bohne gekitzelt werden. In früheren Tagen gab es dafür in jedem Haushalt nur die Kaffeemühle.

Besonders viele davon und ausgefallene noch dazu sind seit 2011 im Wiernsheimer Kaffeemühlenmuseum zu bestaunen. Von den rund 1000 zumeist unter Vitrinen ausgestellten Aroma-Maschinen haben sich gestern über zwanzig PZ-Leser zum Abschluss der Sommerserie „Schau mal, wo du lebst“ faszinieren lassen. Und auch die Geschichten, die mit den kunstvoll gearbeiteten kleinen Mahlwerkzeugen zusammenhängen, stießen in der Gruppe auf reges Interesse.Wie etwa ein trapezförmiges Stück aus reinem Sterlingsilber, das es auch Museumsführerin Giovanna Messina angetan hat. Das Unikat ist sogar mit einer Dianapunzierung, einer Art Feingehalt-Stempel versehen, an dem zu erkennen ist, welcher Goldschmied am Werk gewesen ist.

„Das ist eines unserer Schätzchen – von Bürgermeister Karlheinz Oehler persönlich eingekauft“, ließ die Expertin wissen. Und der Vielfalt der Kaffeemühlen in Wiernsheim sind kaum Grenzen gesetzt. Von der gewöhnlichen Hand- und Reisemühle, über Tisch- oder Schoßmühlen, reich verzierte Jägermühlen sowie Wandmühlen bis hin zu Braut- und Hochzeitsmühlen reicht die Palette. Hinzu kommen noch Gewerbemühlen und Kuriositäten jeglicher Façon. Dazu zählt unter anderem auch eine Kaffeemühle mit Drehrad, deren Mahlwerk vom französischen Automobilhersteller Peugeot stammt. Wie viel PS die wohl habe, wurde aus der Runde gefragt. „Das hängt davon ab, wie schnell Sie kurbeln können“, lautete die pfiffige Antwort von Giovanna Messina.

Die Museumsmitarbeiterin erläuterte auch, woher die Sammlung stammt und wie das Museum entstanden ist. Angefangen habe alles mit dem vor einigen Jahren verstorbenen Wiernsheimer Unternehmer Rolf Scheuermann, der mit seiner Firma im Bereich der betrieblichen Verpflegung mit Heiß- beziehungsweise Kaltgetränken und den damit verbundenen Warenautomaten tätig gewesen ist. „Kein Wunder, dass er bei diesem beruflichen Umfeld auf die Idee gekommen, Kaffeemühlen zu sammeln“, so die Museumsführerin. Im Jahr 2008 habe Rolf Scheuermann dann seine Sammlung der Gemeinde Wiernsheim geschenkt. Woraufhin sich Bürgermeister Karlheinz Oehler für die Einrichtung eines Kaffeemühlenmuseums im alten Pfarrhaus einsetzte und bis heute dafür sorgt, dass neue Stücke hinzukommen. Die älteste Mühle ist so alt wie das Gebäude, etwa 300 Jahre, und wurde 1720 gefertigt, was auch den PZ-Lesern imponierte. Gefallen haben dürfte der Gruppe ebenso das Finale der Kaffeemühlen-Tour, das stilgerecht mit einer Gratis-Tasse Kaffee nebst Kuchen nach Wahl gekrönt wurde.