Björn Höcke (r), Vorsitzender der AfD in Thüringen, vor seiner Rede zum Wahlkampfauftakt der Partei vor der Landtagswahl
Björn Höcke (r), Vorsitzender der AfD in Thüringen, vor seiner Rede zum Wahlkampfauftakt der Partei vor der Landtagswahl in Sachsen. Foto: Sebastian Kahnert

AfD-Vize: «Schneise der Verwüstung» in West-Landesverbänden

«Führung heißt, auch die unangenehmen Dinge zu tun, und wenn die Führungsfiguren des Flügels dazu nicht bereit sind, dann gibt es da ein Problem», sagte Gottschalk der «Welt am Sonntag». «Und so kommt es, dass wir in allen West-Landesverbänden, in denen der Flügel eine große Rolle gespielt hat oder als Ordnungsmacht hätte auftreten müssen, jetzt eine Schneise der Verwüstung haben.»

Gottschalk verwies unter anderem auf Schleswig-Holstein, wo Doris von Sayn-Wittgenstein trotz ihrer Fördermitgliedschaft in einem rechtsextremen Verein und eines laufenden Ausschlussverfahrens wieder zur Landeschefin gewählt wurde. Dort «hätte eine klare Distanzierung der Flügel-Spitze von dieser Frau gutgetan», sagte er. «Aber diese klaren Worte gab es nicht.»

In Niedersachsen, so Gottschalk weiter, erhielten jene Kräfte, die gegen den Landesvorstand arbeiteten, aus dem «Flügel» Rückendeckung. Auch in Nordrhein-Westfalen und Bayern, wo es im Streit um «Flügel»-Vertreter zu schweren Verwerfungen kam, hätten Höcke und der Brandenburger Parteichef Andreas Kalbitz die dortigen Vertreter ihres Lagers nicht zur Mäßigung aufgerufen. In Baden-Württemberg fühle sich die «Flügel»-Führung nicht für den Landtagsabgeordneten Stefan Räpple zuständig, gegen den ein Parteiausschlussverfahren läuft.

«Björn Höcke und Andreas Kalbitz können nicht so tun, als hätten sie mit den Geistern, die sie riefen, nichts zu tun», sagte Gottschalk. Der Bundestagsabgeordnete und stellvertretende AfD-Vorsitzende ist Mit-Initiator eines «Appells», in dem kürzlich mehr als 100 AfD-Funktionäre einen «Personenkult» um Höcke kritisierten.

Der Wortführer des «Flügels» hatte vor einer Woche mit einer Kampfansage an den Bundesvorstand den Zorn vieler AfD-Politiker auf sich gezogen. Schließlich forderten mehrere westdeutsche AfD-Politiker Höcke auf, selbst für den Bundesvorstand zu kandidieren, damit die Machtverhältnisse geklärt werden.

Der AfD-Vorsitzende Jörg Meuthen bezweifelt, ob Höcke mit einer solchen Kandidatur Erfolg hätte. «Ich bin mir sicher, dass er erhebliche Schwierigkeiten hätte, eine Mehrheit hinter sich zu versammeln. Und ich kenne die Mehrheitsverhältnisse in meiner Partei ziemlich gut», sagte er der «Bild am Sonntag». Meuthen selbst will beim Parteitag im Herbst erneut für den Parteivorsitz kandidieren.