760_0900_114109_Maximo_Gonzalez_Videospiel.jpg
Maximo Gonzalez 
760_0900_114110_Tim_Rudeck_Videospiel.jpg
Tim Rudeck 

Corona-Krise – die goldene Zeit der Videospiele

In Zeiten von Corona trumpft das Videospiel mächtig auf. Und das gilt für PC und Konsolen gleichermaßen. Durch den Versandhandel und die Verkaufsplattformen im Internet läuft der Absatz von Konsolen und Spielen auch weiterhin wie geschnitten Brot. Spiele wie „Animal Crossing“ für die Nintendo Switch oder der Dauerbrenner „Counter Strike“ erleben einen echten Boom in den letzten Wochen. Als Veteranen auf dem Gebiet, zeigen zwei PZ-Redaktionsmitglieder, wie sie die Krise einfach wegzocken.

Maximo Gonzalez: „Eintauchen in eine andere Welt“

Klar ist es, dass Nintendo, Sony oder Microsoft natürlich nicht absehen konnten, welch einmalige Umstände auf uns zurollen. Aber sie haben es dennoch geschafft ihre Chancen in der Krise zu erkennen und raffiniert zu nutzen. Die Online-Plattformen der Videospiel-Giganten locken mit neuen Spielen oder Sonderangeboten zu Top-Titeln wie „Assasins Creed“ oder „Skyrim“. Frühlingsaktion, Osteraktion, der Zustand „Aktion“ ist schon lange ein Dauerzustand. Und das Beste: Spieler müssen sich nicht einmal von zu Hause wegbewegen (was ja gerade sowieso nicht möglich wäre). Ein paar Klicks und die nötigen Konten (Paypal oder etwa Kreditkarte) und das neue Lieblingsspiel oder eben der Corona-Zeitvertreib ist auf der Spielekonsole – im Falle der Nintendo Switch auch sofort in den eigenen Händen.

Niedliche Alternative zum Alltag

Wer in den letzten Wochen auf Twitter oder anderen Social-Media-Kanälen unterwegs war, dem ist vielleicht das Spiel „Animal Crossing“ über den Weg gelaufen. „Animal Crossing“ ist eine Videospielreihe von Nintendo, in der man mit niedlichen Figuren auf einer Insel landet und dort ein völlig neues Leben anfängt. Man muss Holz hacken, Werkzeuge erstellen, Brücken bauen, andere Leute auf die Insel einladen. Das Spiel war schon immer sehr beliebt, doch der neueste Teil der Serie „Animal Crossing: New Horizons“ traf genau den Nerv der Corona-gebeutelten Zocker. Man kann raus in die Natur, einkaufen, das Haus bauen, anbauen oder einrichten und vieles mehr. Im Netz stellen die Spieler gerne ihre Inseln oder ihre vier Wände vor. Dazu kommt noch, dass man über den Online-Modus auch die Inseln von Freunden besuchen kann. Ganz ohne Corona-Gefahr natürlich. Das Spiel wurde in den ersten drei Verkaufstagen im Nintendo-Mutterland Japan stolze 1,8 Millionen Mal verkauft. Noch nie hatte ein Nintendo-Switch-Spiel so einen Verkaufsstart hingelegt. Dabei war die Konkurrenz in der Vergangenheit groß mit Zelda, Mario oder den beliebten Pokemon-Spielen. Doch Corona macht eben auch viel möglich. Der Trend setzte sich auch im Rest der Welt durch. „Animal Crossing“ ist nur ein Beispiel dafür, wie Konsolen in Zeiten von Corona auftrumpfen.

Ich habe mich durch die Krise selbst vom Gelegenheitsspieler zum waschechten Zocker gemausert. Klar vernachlässige ich Bücher nicht, pflege meine Kontakte über die Sozialen Netzwerke und nicht zu vergessen: Ich arbeite aus dem Homeoffice. Aber die Videospiele bieten ein Ventil für etwas Abwechslung und Abenteuer.

Reisen geht ja nicht und viele Unternehmenungen fallen ebenfalls flach. Da sind natürlich Spielekonsolen als Portale zu anderen Welten eine willkommene Abwechslung. Wichtig ist nur, sich nicht zu verlieren und nach einer gesunden Portion Videospiel auch mal wieder in die reale Welt zurückzukehren – egal wie finster sie gerade erscheint.

Tim Rudeck: „Segen und Fluch am Computer“

Aktuellen Berichten einschlägiger Nachrichtenportale zufolge, gibt es neben Herstellern von Hygieneartikeln und Nudeln auch noch einen anderen Industriezweig, der zu Gewinnern der Corona-Pandemie gezählt werden kann: die Videospielbranche und deren Vertriebsplattformen. So etwa der digitale Händler Steam, der besonders von Spielern genutzt wird, die Games am Computer bevorzugen. So vermeldet das hinter der Plattform stehende Unternehmen Valve unlängst neue Spitzenwerte. Am 4. April waren insgesamt 24 Millionen Steam-Nutzer zeitgleich auf der Plattform angemeldet und aktiv. Das war damit die dritte Woche in Folge, in der die Bestmarke der vorangegangenen Woche überboten wurde. Nicht das einzige Beispiel.

Der First-Person-Shooter Counter-Strike: Global Offensive (CS:GO) wurde bereits im Jahr 2012 veröffentlicht. Das Spiel, bei dem zwei Teams gegeneinander antreten, gilt als durchaus in die Jahre gekommen. Nichtsdestotrotz gab es kürzlich auch bei CS:GO einen Rekord zu vermelden: Über eine Million Spieler waren zeitgleich über Steam im Spiel. Einen Monat zuvor, seien es rund eine Million Spieler weniger gewesen, wie das „Forbes“-Magazin mitteilte. Einer repräsentativen Internet-Umfrage zufolge, erstarkt der Konsum von Videospielen mit der Dauer der derzeit noch geltenden Ausgangsbeschränkungen. Und das ist derzeit zu spüren. Vor allem bei Online-Games fällt auf, dass deutlich mehr Spieler in den virtuellen Welten unterwegs sind. Nicht immer zur Freude alteingesessener Veteranen. Diese streuen eine wenig liebevolle Bezeichnung für die Neulinge: Corona-Noob. Während sich nun die etablierten Spieler über die Anfänger echauffieren, werden es von Tag zu Tag mehr. Kaum verwunderlich, immerhin gibt es sogar einen Aufruf der Weltgesundheitsorganisation (WHO). In Zusammenarbeit mit Spieleentwicklern wie Activision Blizzard rät die WHO sogar zum Gaming. PlayApartTogether (deutsch: spielt getrennt zusammen), so der vielsagende Name der Kampagne, die Spieler weltweit dazu bringen soll, in der Wohnung zu bleiben, Kontakte zu anderen Menschen zu meiden und stattdessen digital und ohne Ansteckungsgefahr dem gemeinsamen Hobby nachzugehen: über  fehlende Erfahrung der Corona-Noobs in Wut zu geraten oder etablierte Gamer zu nerven.

Was mich durch die Krise bringt

„Subnautica: Below Zero“: Der zweite Teil des Aufbau- und Erkundungs-Grusel-Krachers spielt auf einem entfernten Planeten und tief unter Wasser. Eine Wissenschaftlerin ist nach einem Unfall und anschließender Zerstörung einer Forschungseinrichtung plötzlich auf sich allein gestellt. Nur wenn sie Ressourcen sammelt und damit eine neue Basis errichtet, kann sie überleben. Das Problem ist: Der Planet ist größtenteils mit Wasser bedeckt, die wichtigsten Ressourcen finden sich in den düsteren Tiefen des Ozeans. Außerdem wären da noch die feindseligen Bewohner der Unterwasserwelt.

Maximo Gonzalez

Maximo Gonzalez

Zur Autorenseite