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Robert Habeck verzichtet ungern auf die Kanzlerkandidatur. Nun winkt ihm bei einem Wahlerfolg ein Ministerium.  Foto: Molter/dpa 

Grünen-Chef Habeck hadert öffentlich mit Verzicht auf Kanzlerkandidatur

Trauerarbeit leiste Robert Habeck im Moment, sagt einer aus seiner Partei, der ihn gut kennt. Dass sei bei ihm oft so nach schweren, politischen Niederlagen. „Dann braucht er ein, zwei Wochen, um wieder Fuß zu fassen.“ Kanzlerkandidat ist der Chef-Grüne nicht geworden, seine Co-Vorsitzende Annalena Baerbock hat das Rennen gemacht. Der Stachel, nicht selbst zum Zuge gekommen zu sein, sitzt bei Habeck aber doch tiefer, als gedacht. Was wird jetzt aus dem 51-Jährigen?

„Nichts wollte ich mehr, als dieser Republik als Kanzler zu dienen. Und das werde ich nach diesem Wahlkampf nicht“, räumte Habeck zerknirscht in der „Zeit“ ein (die PZ berichtete). Der Tag der Entscheidung sei sogar „der schmerzhafteste in meiner politischen Laufbahn“ gewesen, „oder sagen wir lieber: der schwerste.“ Als er am Montag bei der Verkündung des Ergebnisses zur K-Frage Baerbock die Bühne überließ, sah man Habeck an, dass ihm dieser Schritt nicht leicht gefallen ist. Schon vergangenes Jahr hatte er zudem klargemacht, sich für einen geeigneten Kanzlerkandidaten zu halten: „Ja, diese Prüfung würde ich für mich bestehen“, antwortete er damals auf eine entsprechende Frage.

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Mit den Äußerungen Habecks erscheint die Präsentation der grünen Anwärterin auf die Merkel-Nachfolge nun in einem etwas anderen Licht. Offenbar ist doch nicht alles Friede und Freude gewesen. Eher war es wohl so, dass Baerbock sich schlichtweg mit ihrem Machtanspruch und den schlagkräftigeren Argumenten durchgesetzt hat, Habeck also nicht galant verzichtete. Ein grüner Insider bestätigt:

„Zum Schluss ist es schwierig geworden zwischen den beiden.“

Habeck habe sich wohl auch für den Besseren gehalten. Das verwundert nicht. Eine Zeit lang war der Mann aus Lübeck tatsächlich der beliebteste Politiker des Landes. Ein Strahlemann, nachdenklich, bürgerlich, zuversichtlich. Der geborene Kanzlerkandidat. Doch dann leistete sich Habeck einige Pannen. So offenbarte er peinliche Wissenslücken bei der Pendlerpauschale und brachte die Finanzdienstleistungsaufsicht BaFin mit der Überprüfung von Handwerkerrechnungen in Verbindung. Zuletzt langte er mit Aussagen zum Whistleblower Julian Assange daneben. In der Beliebtheit ging es bergab, mit Habecks Selbstbewusstsein aber nicht.

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Alles hinzuschmeißen nach der Entscheidung für Baerbock, daran hat der ehemalige Umweltminister von Schleswig-Holstein wohl nicht gedacht. „Wenn wir es gut machen, werde ich Teil der Bundesregierung sein“, kündigte er jetzt an. Bei den Grünen heißt es, falls es zu einer Regierungsbeteiligung nach der Bundestagswahl im September komme, könne Habeck sich ein Ministerium aussuchen. Sein Schritt zurück in der K-Frage soll ihm also versüßt werden. Zwei Szenarien müssen allerdings bedachtwerden. Das erste: Stellen die Grünen die Kanzlerin, wäre der Zugriff auf ein Schlüsselressort weitaus schwieriger, weil dann stärker die Ansprüche von Koalitionspartnern berücksichtigt werden müssen. Die Grünen könnten dann aber darauf drängen, die Strukturen einiger Ressorts zu verändern – laut internem Planspiel soll für Habeck eine Art „Superministerium“ aus Wirtschaft, Energie/Klima und Digitalisierung im Gespräch sein.

Szenario zwei wäre: Die Grünen werden nur Juniorpartner der Union. Dann würde Baerbock Vizekanzlerin, Ressort offen. Habeck soll dann aber das Finanzministerium erhalten. „Davon kann man ausgehen“, verlautet es aus der Partei. Dass er Finanzminister werden will, damit die grünen Ideen auch umgesetzt werden können, dieses Gerücht wabert schon länger durch Berlin. Immerhin will man ein zusätzliches Investitionsprogramm in Höhe von 500 Milliarden Euro für die nächsten zehn Jahre auflegen. Auch zeichnete er kürzlich verantwortlich für ein Konzept zur Lockerung der Schuldenbremse. Klar ist aber auch, ein Finanzfachmann ist Habeck trotzdem nicht. Seine Leidenschaft gilt vielmehr der Landwirtschaft.