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Waldpädagogin Elisabeth Ulrich erarbeitet mit den Mädchen und Jungen die Unterschiede der Tannenzapfen.  Foto: Hazeldine 

Mit dem Naturprojekt aus der Enge der Stadt ins Abenteuer Wald

Pforzheim. Noch ist kein fester Standort für das neue Projekt gefunden. Die Diakonie legt aber trotzdem schon los: Sie bringt Stadtkinder in den Wald und ihnen die Natur nahe. Nach zwei Absagen für Wiesengrundstücke besucht Waldpädagogin Elisabeth Ulrich mit den Mädchen und Jungen aus Kitas in der Pforzheimer Tallage unterschiedliche Orte.

„Der ideale Standort ist gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen und in Waldnähe“, erklärt Sina Reiling-Mehler, Abteilungsleitung Familien, Bildung und Erziehung bei der Diakonie. „Dort soll dann ein Bauwagen stehen und eine Feuerstelle entstehen, damit die Kinder Mittagessen bekommen. Von diesem Standort aus soll es in den Wald und in die Natur gehen.“ Die PZ-Hilfsaktion „Menschen in Not“ unterstützt das Projekt. 15 000 Euro sind für die Ausstattung des Areals zugesagt – wenn es dann gefunden ist.

Sabine Jost, Geschäftsführerin der Diakonie, und Sina Reiling-Mehler, freuen sich, dass der Projektstart im April auch ohne Grundstück geglückt ist. „Alle evangelischen Kitas können daran teilnehmen“, erklären sie. Vorrang würden immer die Kitas haben, die in der Tallage sind. „Dort haben die Kinder Natur nicht direkt vor der Haustüre und keinen Zugang zum Grünen.“

„Viele Mädchen und Jungen waren noch nie im Wald und haben deshalb Angst. Das war heute auch so“, berichtet Sandra Herzog, Leiterin der Kita Hessenstraße, die in dieser Woche am Projekt teilnehmen kann. „Das sind Innenstadtkinder.“ Und deshalb sei es so wichtig, dass ein Bezug zur Natur hergestellt wird. „Das ist unabdingbar“, sagt Jost. „Das tut den Kindern unwahrscheinlich gut, wenn sie aus der Enge der Stadt rauskommen.“ Sie sollen sehen, wie grün Pforzheim ist, und zu Hause erzählen, wie toll das war. Vielleicht gelinge es so, Eltern davon zu überzeugen, einfach mal in den Wald zu gehen.

Übrigens: Wer nicht weiß, dass die Kinder im Wald sind, der findet sie nicht. Kein Geschrei, kein lautes Toben verrät die Bande. Am ausgemachten Treffpunkt ist zu erkennen, wie jedes der Kinder beschäftigt ist. Die Kita-Kinder Sophia, Maja und Louis sind sich einig: Das ist eine ganz besondere Woche. Eigentlich ist keines der Mädchen und Jungen sonst in der Natur unterwegs, wie sie verraten. Einige Familie haben einen Balkon, andere eine Terrasse – aber, nein, „im Wald sind wir nie“, verraten die Kleinen.

Kita-Leiterin Sandra Herzog ist mit ihrem Team und zwölf Kindern mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Büchenbronn gekommen. „Beim Ankommen im Wald gibt es ein Begrüßungsritual: Gemeinsam werden mit einer Mischung aus Wasser und Lavaerde die Hände gewaschen. Nach dem Frühstück im Wald habe es Zeit zur freien Gestaltung gegeben. „Dann sind erstmal alle stehengeblieben und wussten nicht, was sie machen sollen.“ Waldpädagogin Elisabeth Ulrich erklärt: „Das ist ganz normal.“ Dann beginne sie mit den Kindern den Wald zu erleben. „Die Stadtkinder sollen die Vielfalt und Schönheit der Natur kennenlernen.“ Nur etwas, das wertgeschätzt wird, könne geschützt werden. Ulrich erklärt den Kindern die verschiedenen Waldregeln: „Nicht schreien, damit Tiere gehört werden. Nicht auf Pflanzen treten und fragen, ehe etwas gepflückt wird.“ So würden die Mädchen und Jungen lernen, was giftig oder zu schützen ist. Außerdem gilt: „Keine Tiere töten. Tiere sind auch kein Spielzeug.“ Sie bemerke, dass es den Kindern angeboren sei, Kleines zu beobachten. „Aber, auch das muss man üben.“

Und das gelingt mit den Kita-Kindern hervorragend. „Natürlich ist auch ein Ausflug zum Spielplatz toll. Aber man entdeckt einfach in der reinen Natur ganz andere Sachen.“

Bis Ende der Woche werden alle Kinder der Kita Hessenstraße beim Projekt dabeigewesen sein. Kita-Leiterin Sandra Herzog freut sich: „Die Rückmeldungen der Eltern sind durchweg positiv.“ In der nächsten Woche können sich schon wieder andere Kinder im Wald erproben und auf Spurensuchen gehen.

Wer ein Grundstück für das Projekt hat, meldet sich bei Sina Reiling-Mehler, telefonisch unter (07231) 4286564 oder per E-Mail an sina.reiling-mehler@diakonie-pf.de.

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Susanne Knöller

Susanne Knöller

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