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PZ-zapp: Chinesen-"Tatort" mit Boerne und Thiel in Bestform

Warum sind die „Tatort“-Folgen mit Leichenaufschneider Boerne (Jan Josef Liefers) und St.-Pauli-Fan Thiel (Axel Prahl) stets die absoluten Quotenrenner? Weil mit ihnen zwei konträre Welten zuerst auf skurrile Art kollidieren und dann wieder witzig-brüderlich zueinanderfinden, weil beide dem sonst eher bedeutungsschwangeren Sonntagabendkrimi den oft vermissten Humor zurückgegeben haben. Und mit der Folge "Tatort: Die chinesische Prinzessin" lieferte das Duo auch noch reichlich Hochspannung.

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Tatort Münster: Thiel & Boerne schlagen Schweiger

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Immer mehr Kommissare an immer mehr "Tatorten"

Also alles drin in der Krimi-Wundertüte aus Münster. Fast alles. Sexszenen blieben aus, wobei es am Anfang des Films schon danach aussah. Aber Thiel war an seinem Geburtstag zu betrunken, um seiner bezaubernden, durchaus verlockenden Kollegin Nadeshda (Friederike Kempter) mehr zu zeigen als in Bierhumpen verloren herumschwappenden Barolo. Und bei Boerne ging das Licht aus, bevor ihm die verführerische „chinesische Prinzessin“ die Fliege lockern konnte.

Als bei ihm das Licht wieder anging, sah er sich mit einem Mordverdacht konfrontiert. Denn eben jene asiatische Schönheit lag ermordet auf seinem Seziertisch. Und Boerne darunter, den Magen vollgestopft mit Kokain und das Gehirn leergefegt von Erinnerungen an die blutige Tat. Danach blieben krachend komische Szenen zumeist im Hintergrund, während der Thriller rasant an Fahrt aufnahm.

Doch nicht nur die Chinesen mit ihrer die Menschenrechte verachtenden, vor Unterdrückung und Mord nicht zurückschreckenden Politik sowie mit ihren mörderischen, die Mafia locker in den Schatten stellenden Triaden sind die Bösen. Auch im Wegsehen und Verharmlosen, im Verschweigen und Verdrehen versierte deutsche Behörden bis hinauf zur Regierungsebene bekommen ihr Fett weg. Alles ein fieser Klüngel, geschützt durch fragwürdige Diplomatenpässe und Wichtigtuer vom Geheimdienst. Dazwischen versuchen ein paar Uiguren, eine muslimische Minderheit im kommunistischen Vielvölkerstaat, Beweise für ihre brutale Unterdrückung zu sichern, um sie später veröffentlichen zu können.

Und das alles spielt sich im beschaulichen Münster ab, fernab den Schauplätzen der großen Weltpolitik. Das macht das Morden und Vertuschen noch bedrückender, denn selbst in der westfälischen Provinz ist man vor den politisch-kriminellen Verwicklungen dieser Welt nicht mehr sicher.

Nur gut, dass der entgegen der Toyota-Filmwerbung doch selbst und ausdauernd den Bösen hinterher rennende Thiel mit seiner dieses Mal nicht nur hübsches Beiwerk mimenden Nadeshda das Heft in die Hand nimmt. Gut auch, dass Boerne irgendwann dann doch noch den Kopf frei und die Erinnerungen zurück bekommt. Zusammen nehmen sie es mit den verbrecherischen chinesischen Diplomaten und den Triaden auf und zeigen am Ende den tumben Schlapphüten vom deutschen Geheimdienst, wie man richtig ermittelt.

Dass sie das mit reichlich Witz und Slapstick können, haben sie schon oft bewiesen. Aber dass es dabei so immens spannend zugeht, ist dann doch neu. Boerne und Thiel sind eben ein Glücksfall für den „Tatort“. Weiter so.