Jonathan Stutz
Sollte man während einer globalen Pandemie streiken? Christoph Stäbler und Katharina Lindt sind unterschiedlicher Meinung. 

Sind Streiks in Corona-Zeiten unverantwortlich? Die unterschiedlichen Ansichtsweisen zweier PZler

Bessere Bezahlung, bessere Bedingungen, mehr Klimaschutz – die Gründe für einen Streik sind vielfältig. Erst am Donnerstag ist in Pforzheim gestreikt worden – trotz Corona, dafür aber mit Abstand. Zwei PZ-Mitarbeiter sind unterschiedlicher Meinung darüber, ob das denn angesichts der aktuellen Situation wirklich sein müsse.

PRO: Christoph Stäbler, Redaktionsmitglied

„Streiks treffen jene hart, die schon stark unter dem Virus leiden.“

Ohne Diskussion: Die Berufe der Leute, die derzeit streiken, sind viel zu schlecht bezahlt. Vom Streikrecht Gebrauch zu machen, ist das Grundrecht von jedermann – zum aktuellen Zeitpunkt aber trotzdem moralisch verwerflich. Ein Ausstand in den Kitas belastet die Eltern erneut, der Urlaub ist aufgebraucht. Kommunen und Arbeitgeber haben mit sinkenden Einnahmen zu kämpfen, eine Lohnerhöhung – so bitter es auch ist – ist utopisch. Darüber hinaus trifft der Streik ausgerechnet diejenigen besonders hart, die ohnehin stark von den Folgen der Pandemie betroffen sind. Viele Menschen bangen um ihren Job, sind in Kurzarbeit und wissen nicht, wie die Zukunft ihrer Familie aussieht. Die Arbeitsplätze im öffentlichen Dienst sind krisensicher – und so sollte in diesen Zeiten das Gemeinwohl an oberster Stelle stehen und die Streiks ausgesetzt werden. Mit einer solchen Aktion könnten die Beschäftigten zeigen, wie unverzichtbar sie wirklich sind – und sich moralisch weit über jene erheben, die nicht bereit sind, die Lohnforderungen zu erfüllen.

Umfrage der Woche: Sind Streiks in Corona-Zeiten unverantwortlich?

CONTRA: Katharina Lindt, PZ-Redakteurin

„Solidarität gibt es nicht umsonst, sie hat ihren Preis.“

Wenn der Bus nicht fährt, die Kita geschlossen bleibt und Pflegekräfte ihre Arbeit niederlegen – dann hat das in Krisenzeiten Signalwirkung. Manchmal muss es wehtun, um zu verstehen, wie wichtig einzelne Berufsgruppen für das Allgemeinwohl sind.

Es ist also legitim, in der Corona-Krise zu streiken. Diese Menschen leisten eine wichtige Arbeit, die besser entlohnt werden muss – auch wenn Kritiker sagen, dass es wohl der schlechteste Zeitpunkt sei. Das Beifallklatschen reicht den „Corona-Helden“ jedenfalls nicht, sie geben sich kampflustig. Und das ist auch gut so. Anerkennung kann bei symbolischen Gesten nicht bleiben.

Verglichen mit anderen Streiks der Vergangenheit fällt die Forderung der Gewerkschaft Verdi moderat aus. Sie fordert für die Beschäftigten im öffentlichen Dienst 4,8 Prozent mehr Lohn, mindestens aber 150 Euro. Angesichts des ökonomischen Ungleichgewichts, ist es gerechtfertigt. Solidarität gibt es nicht umsonst, sie hat ihren Preis.

Christoph Stäbler

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Katharina Lindt

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