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Die Sparzinsen verharren derzeit auf einem sehr niedrigen Niveau. Doch können wenigstens auch potenzielle Kreditnehmer profitieren?
Die Sparzinsen verharren derzeit auf einem sehr niedrigen Niveau. Doch können wenigstens auch potenzielle Kreditnehmer profitieren? © moritz320 (CC0-Lizenz)/ pixabay.com
26.10.2015

Alle sprechen von Niedrigzinsen - kommen diese auch bei Kreditnehmern an?

Einzahlungen auf Tagesgeldkonten oder Sparbücher sind derzeit kaum noch lohnenswert. Anleger erhalten dabei oftmals nur minimale Renditen. Das niedrige Zinsniveau kann zumindest in der Theorie bei Kreditaufnahmen auch Vorteile mit sich bringen. Doch ist dies tatsächlich so? Geben die Banken das niedrige Zinsniveau tatsächlich weiter oder sind Kredite nach wie vor sehr teuer?

Leitzinsen und Zinsen für Sparprodukte sowie Kredite - Zusammenhang im Überblick

Inflation und Deflation sind die Schlagworte, die mit der Anpassung des Leitzinses in Verbindung stehen sollten. Die Europäische Zentralbank (EZB) legt den Leitzins fest, der als Basis für die Geschäftsbanken dient. Entsprechend des definierten Zinsniveaus können die Geschäftsbanken finanzielle Mittel, die sie wiederum ihren Kunden für Kredite und Zinszuflüsse auf Wertanlagen zur Verfügung stellen, günstiger oder teurer durch die Zentralbanken erhalten. Die Steuerung der Höhe des Leitzinses ist abhängig von der gesamtwirtschaftlichen Lage. Mit dem Hauptziel der EZB, die Preisniveaustabilität sicherzustellen, sind zwei konkrete Situationen voneinander zu unterscheiden:

  • Inflation: Bei einer drohenden oder bestehenden Inflation (d. h. das Geldvolumen ist höher als die Gütermenge – das Preisniveau steigt, während der Geldwert sinkt) versucht die EZB mit einer Leitzinserhöhung das Preisniveau zu regulieren. Durch einen steigenden Leitzins soll die Kreditaufnahme durch Kunden unattraktiver werden und die Verbraucher zum Sparen anregen. Der sinkende Konsum bremst wiederum den Anstieg des Preisniveaus.

  • Deflation: Bei einer drohenden oder bestehenden Deflation (d. h. das Geldvolumen ist niedriger als die Gütermenge – das Preisniveau sinkt, während der Geldwert steigt) versucht die EZB mit einer Leitzinssenkung Investitionen attraktiver zu machen. Sinkt der Leitzins, lassen Kredite zu günstigeren Konditionen aufnehmen, wodurch verstärkt Güter und Dienstleistungen nachgefragt werden.

Wenn die Geschäftsbanken einen niedrigen Zinssatz für Kredite anbieten können, liegt dies demnach an der Tatsache, dass die EZB den Leitzins senkt. Entsprechend günstig können die Geschäftsbanken Geld aufnehmen – und in Form von billigen Krediten an die Kunden weitergeben.

Der Nachteil an geringen Zinsen besteht darin, dass auf der Bank angelegtes Geld (Sparbücher, Tagesgeldkonten, etc.) deutlich geringere Renditen mit sich bringt. Die Geschäftsbanken erhalten günstiges Geld von der EZB und haben keine Motivation, den Privatanlegern hohe Zinssätze zu bieten. Über die letzten 8 Jahre hinweg bewegt sich der Leitzins jedoch fast nur noch in eine Richtung. Lag der Zinssatz in den Jahren 2007 und 2008 noch zwischen 3,25 % und 4,25 %, ist dieser in den Jahren 2009 bis 2014 auf 2,0 % bis 0,05 % gesunken.

Entwicklung des Leitzins (2007 – 2014), Quelle: Statista.com

Wie haben sich die Kreditzinsen entwickelt?

Die Wirkung der Leitzinsen auf die Kreditzinsen lässt sich vor allem für Hypothekendarlehen bestätigen. Entsprechend der Veränderung des Leitzinses haben sich auch die Zinsen im Bereich der Hypothekendarlehen in Deutschland verändert. Lag der Zinssatz für ein Hypothekendarlehen zwischen der Jahren 2007 und 2008 noch zwischen 4,6 % und 5,2 %, hat er sich kontinuierlich reduziert (in den Jahren 2009 bis 2013 lag der Effektivzins rückläufig zwischen 4,4 % und 2,8 %). Im Jahr 2014 fand der Effektivzins für Hypothekendarlehen in Deutschland schließlich mit 2,2 % sein Tief.

Entwicklung des Effektivzinses für Hypothekendarlehen in Deutschland (2007 – 2014), Quelle: Statista.com

Bei einer genauen Betrachtung der vorliegenden Statistiken fällt ein bestimmter Zeitraum besonders auf. Zwischen den Jahren 2007 und 2009 lässt sich ein vergleichsweise hoher Sprung des Leitzinsniveaus feststellen. Dies kann auf die Weltwirtschaftskrise zurückgeführt werden. Die EZB hat zu diesem Zeitpunkt die Leitzinsen besonders stark gesenkt, um den Konsum anzukurbeln und somit die wirtschaftliche Entwicklung innerhalb der EU zu stützen. Seit dem Jahr 2009 ist des Weiteren zu beobachten, dass sowohl der Leitzins, als auch der Effektivzins für Hypothekendarlehen stetig sinkt.

Wer hingegen einen Ratenkredit aufnehmen möchte, kann zwar mittlerweile auch von günstigeren Konditionen profitieren, jedoch verlief die Anpassung in diesem Bereich eher schleppend. Laut Bundesbank.de lag der durchschnittliche Zinssatz für Konsumentenkredite mit einer Laufzeit von 1 bis 5 Jahren im Jahr 2007 bei 5,93% p.a. und aktuell auf einem Niveau von 4,71% pro Jahr.

Was können Kreditnehmer für günstigere Kreditangebote tun?

Die Kreditvergabe durch die Geschäftsbanken erfolgt, trotz der günstigen Angebote, nicht willkürlich. Um einen Kredit zu erhalten, muss der Interessent bestimmte Voraussetzungen erfüllen – allem voran steht die Kreditwürdigkeit. Das heißt, dass beispielsweise negative SCHUFA-Einträge die Kreditwürdigkeit stark verschlechtern und sogar ein KO-Kriterium bei der Vergabe darstellen. Abhängig von der Kreditwürdigkeit (SCHUFA-Score) können die Zinsen bei der Kreditvergabe höher oder niedriger ausfallen. Wer den Kriterien einer Kreditvergabe grundsätzlich entspricht, kann jedoch auch mit einigen Tipps die Höhe der Kreditzinsen anteilig selbst steuern:

  • Vergleiche zwischen verschiedenen Banken können einen deutlich günstigeren Kreditzins ermöglichen. Eine Beispielrechnung auf Tarifcheck24.com ergab, dass die Zinsspanne für einen Kredit über 3.000 Euro von 1,99% p.a. bis 5,75% p.a. reicht.

  • Je mehr Sicherheiten erbracht werden, desto günstiger können die Kreditzinsen ausfallen. So sehen es viele Banken heute sehr gerne, wenn ein 2. Kreditnehmer mit im Boot sitzt. Gerade für Ehepartner ist dies meistens sehr hilfreich und kann die Kosten für ein Darlehen erheblich senken.

  • Bevor Interessenten das eigene Konto überziehen und den Dispokredit nutzen, sollten Sie lieber auf günstige Ratenkredite zurückgreifen. Während ein Dispo nicht selten Zinssätze zwischen 7 und 11% p.a. mit sich bringen, lässt sich ein günstiger Ratenkredit normalerweise bereits für 3-6% p.a. effektiven Jahreszins aufnehmen.

  • Je nach Verwendungszweck kann es sinnvoll sein, auf Spezialkredite wie einen Autokredit oder einen Umschuldungskredit zurückzugreifen. Nicht selten werden diese nämlich günstiger zur Verfügung gestellt, da die speziellen Situationen entweder aus sich selbst heraus Sicherheiten schaffen (Auto als Sicherheit) oder den Schuldenstand eigentlich nicht verändern (Umschuldung).

EZB in Frankfurt - niedrige Leitzinsen sorgen für ein anhaltend niedriges Zinsniveau!

Fazit

Niedrige Zinsen sorgen für Ärger bei Anlegern mit Tagesgeldkonten und Sparbüchern, die kaum noch vernünftige Renditen erzielen. Anders verhält es sich jedoch bei niedrigen Zinsen, die bei Kreditvergaben erfolgen. Gerade potenzielle Bauherren können seit Jahren auf sehr niedrige Zinssätze bauen. Mittlerweile kommt das niedrige Zinsniveau zumindest teilweise auch auf dem Kreditmarkt an. Wer zudem noch die Banken vergleicht und andere entsprechende Maßnahmen ergreift, kann die Zinsen für seine Darlehen weiter absenken.

Bildquellen:

Abbildung 1: © moritz320 (CC0-Lizenz)/ pixabay.com

Abbildung 4: © MiachelM (CC0-Lizenz)/ pixabay.com