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Viele Käufer sind mit dem Aufbau von Ikea-Möbeln leicht überfordert. Foto: Arne Dedert
Viele Käufer sind mit dem Aufbau von Ikea-Möbeln leicht überfordert. Foto: Arne Dedert
29.09.2017

«Billy»-Monteur könnte bald online gebucht werden

San Francisco (dpa) - Ikea will es seinen Kunden einfacher machen, jemanden zum Zusammenbau der frisch gekauften Möbel zu engagieren.Der schwedische Möbelriese übernimmt dafür das Start-up TaskRabbit, einen Vermittler von Arbeitskräften für kleine Aufgaben. Die Firma ist bisher in 40 US-Städten und außerhalb des Heimatmarkts nur in London aktiv.

In einer Nachricht an TaskRabbit-Kunden hieß es, man werde sich Ikea-Möbel zu einem erschwinglichen Preis liefern und montieren lassen können. Zugleich betonte Ikea, die Online-Plattform solle unter dem Konzerndach unabhängig agieren und «Tasker» würden wie bisher auch für alle möglichen anderen Aufgaben zur Verfügung stehen. Ein Kaufpreis wurde am Donnerstag nicht genannt.

TaskRabbit ist ein Pionier der sogenannten «Gig Economy», bei der Arbeitskraft für kleine Aufträge statt fester Arbeitsverhältnisse vermittelt wird. Bei TaskRabbit kann es zum Beispiel alles von Putzhilfe über Rasenmähen bis zu Handwerker-Aufgaben sein. Die Montage von Ikea-Möbeln war auch bisher schon eine oft nachgefragte Aufgabe.

Bisher machten die «Tasker» Ikea Konkurrenz: Das Möbelhaus selbst bietet Liefern und Zusammenbauen als kostenpflichtige Dienstleistung an. Die Montage-Grundpauschale liegt zum Beispiel in Deutschland bei 79 Euro plus 15 Prozent vom Warenwert der Möbel. Und für die Lieferung werden 6,90 bis 149 Euro fällig.

Der neue Ikea-Chef Jesper Brodin ließ durchblicken, dass der Zukauf eine Antwort auf das veränderte Geschäftsumfeld für den Möbelriesen ist. «Da Urbanisierung und der digitale Wandel weiterhin eine Herausforderung für Einzelhandelskonzepte sind, müssen wir unser Geschäft schneller und flexibler entwickeln.» Auch angesichts der neuen Konkurrenz durch Online-Möbelhändler eröffnete Ikea Filialen in Innenstädten und baute sein Internetgeschäft aus.

In der britischen Hauptstadt hatten Ikea und TaskRabbit bereits seit dem vergangenen Jahr in einem Pilotprojekt die Vermittlung von Leuten für den Zusammenbau von Möbeln getestet. Nach der Übernahme soll die bisherige TaskRabbit-Chefin Stacy Brown-Philpot, eine frühere Google-Managerin, das Geschäft weiterführen.

Dem Technologieblog «Recode» zufolge, das zuerst über den Ikea-Deal berichtet hatte, nahm TaskRabbit in den vergangenen neun Jahren 50 Millionen Dollar von Investoren ein und war zuletzt profitabel. Rund 60 000 Arbeitkräfte böten ihre Dienste auf der Plattform an.

Allerdings fokussierte sich TaskRabbit nie tiefergehend auf einzelne Aufgaben - und die Nischen wurden erfolgreich von spezialisierten Anbietern ausgefüllt, etwa bei Fahr- oder Lieferdiensten. In dieser Situation hatte TaskRabbit schon im Frühjahr erklärt, man prüfe Übernahmeangebote.

Der Vormarsch der «Gig Economy» schürt in den USA zugleich die Angst vor noch mehr sozialer Spaltung, weil es in ihr weder Jobsicherheit noch Zahlungen im Krankheitsfall oder Urlaubsgeld gibt.