nach oben
Humanitäre Unterstützung wird unter anderem durch die Verteilung von Nahrungsmitteln bereitgestellt.
Humanitäre Unterstützung wird unter anderem durch die Verteilung von Nahrungsmitteln bereitgestellt.
22.04.2015

Die Entwicklungshilfe in der Kritik – warum das Modell nicht funktioniert

Grob betrachtet, scheint die Entwicklungshilfe eine gute Sache zu sein: Industrieländer unterstützen weniger entwickelte, sogenannte Dritte-Welt- oder auch Schwellenländer mit Kapital und Wissen. Bis zum Jahr 1961 bestand eine Hilfe für solche Länder ausschließlich in Form von Krediten, erst mit der Gründung der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (kurz OECD) wurden auch in verschiedenen Ländern Entwicklungsministerien gebildet, deren Aufgabe darin besteht, die Hilfen so zu koordinieren, dass eine Besserung der wirtschaftlichen, persönlichen und politischen Situation dauerhaft und nachhaltig gegeben ist.

Die Entwicklungshilfe muss aber auch aus kritischer Sicht betrachtet werden. Denn Fakt ist, dass die gewünschten Erfolge sich über die Jahrzehnte nur bedingt bis gar nicht einstellen konnten. Des Weiteren ist das politische und wirtschaftliche Eigeninteresse der Industrieländer nicht ganz außer Acht zu lassen, denn viele der in die Entwicklungsländer investierten Gelder wandern mittels Industrieaufträgen wieder zurück in die Geberländer.

Sinn und Zweck von Entwicklungshilfe

Pauschal gesehen, kann als Sinn und Zweck von Entwicklungshilfe die Erreichung eines gleich hohen Lebensstandards in allen Ländern angesehen werden. Dies ist auf langfristige Zeit zu sehen und mit den momentanen politischen und wirtschaftlichen Hintergründen kaum vorstellbar. Dennoch wird in kleinen Schritten versucht, auf dieses große Ziel hinzuarbeiten, indem in vier verschiedenen Bereichen Hilfe geleistet wird.

Humanitäre Gründe

Die Entwicklungshilfe ist nicht zu verwechseln mit der humanitären Hilfe, die ähnlich wie die Katastrophenhilfe kurzfristig und nur über einen gewissen Zeitraum erfolgt. Dennoch sind bei der Entwicklungshilfe auch humanitäre Gründe wichtig. Humanitäre Unterstützung kommt meistens von Kirchen oder privaten Organisationen, die für die Sicherstellung von sauberem Trinkwasser, Verteilung von Nahrungsmitteln, aber auch für den Aufbau von Schulen und Kinderheimen sorgen. Kurz gesagt, beziehen sich die humanitären Gründe auf die Menschen, denen zumindest Grundbedürfnisse erfüllt werden sollen.

Wirtschaftliche Gründe

Die wirtschaftlichen Gründe liegen hingegen im Fokus der Industriestaaten, da sie von einer verbesserten Wirtschaftslage in den Dritte-Welt-Ländern profitieren. Die meisten Industrieländer sind tatsächlich von Rohstoffen aus diesen hilfsbedürftigen Ländern abhängig und haben dementsprechend ein großes ökonomisches Interesse an einer Verbesserung der wirtschaftlichen Lage. Denn Fakt ist, dass Entwicklungsländer über wichtige Rohstoffe verfügen, allerdings nicht über die Möglichkeiten, diese zu veredeln. Des Weiteren wird durch eine wirtschaftliche Unterstützung die Kaufkraft in den Entwicklungsländern erhöht, wodurch auch das Interesse an Konsumgütern steigt – diese Konsumgüter werden wiederum aus Industrieländern importiert.

Zudem ist auch die Infrastruktur in vielen der betreffenden Länder mangelhaft, ebenso die herrschenden Arbeitsbedingungen. Schwere Arbeitsunfälle und Unfälle allgemein sind die Folge. Aufgrund der schlechten Wirtschaftslage und dem Mangel an Fachkräften kommt es zu einseitigen Export- und Importstrukturen, hohe Auslandsverschuldungen sind eine Folge davon, denn die zu importierende Ware (Verbrauchsgüter) kostet mehr als die exportierte Ware (Rohstoffe) in der Regel einbringt.

Politische Gründe

Als politischer Grund kann in erster Linie Frieden gesehen werden. Denn ohne Frieden sind weitere hilfstechnische Maßnahmen kaum bis gar nicht durchführbar. Doch auch in Ländern, in denen kein Krieg herrscht, gibt es politische Gründe für die Entwicklungshilfe. Da in vielen Dritte-Welt-Ländern die politische Lage äußerst instabil ist, kommt es dort zu regionalen Fehden und zur Flucht aus dem eigenen Land. Dies wiederum führt zu einer Flüchtlingswelle in die Industrieländer, die es nicht geben würde, wenn in den Entwicklungsländern bessere Grundlagen vorherrschen würden.

Des Weiteren sind Korruption und ein hartes Regime ein großes Problem, das die Kluft zwischen arm und reich nur größer macht und die Bevölkerung unterdrückt – Verstoße gegen die Menschenrechte sind dabei keine Seltenheit.

Ökologische Gründe

Viele ökologische Probleme, die die ganze Welt betreffen, entstehen in Entwicklungsländern. So sind zum Beispiel wichtige Naturressourcen bedroht, insbesondere der tropische Regenwald, den es zu schützen gilt. Dieses Problem entsteht auch dadurch, dass es in den betreffenden Ländern an einer nachhaltigen Energieversorgung fehlt, wodurch ein Teufelskreis ausgelöst wird: Wälder werden entforstet, der Boden verschlechtert sich, woraufhin die landwirtschaftliche Produktion ebenfalls schlechter wird. Hier gilt es vor allem, alternative Energieversorgungen zu schaffen, um die befürchtete Klimaveränderung so gut es geht zu verhindern.

Gerodete Waldstücke sind auch im Regenwald ein immer häufigerer Anblick.

Umsetzung von Entwicklungshilfe

Um die Entwicklungshilfe tatsächlich umsetzen zu können, bedarf es vor allem Geld und Zeit. Allerdings müssen auch Konzepte vorhanden sein, denn in den unterschiedlichen Ländern besteht an unterschiedlichen Stellen Handlungsbedarf. Grundsätzlich kann dabei von drei verschiedenen Konzepten gesprochen werden, die als Grundgerüst zum Aufbau der Hilfe für ein Land dienen können.

Wachstumskonzept

Das Wachstumskonzept ist ganz klar auf die Wirtschaft ausgelegt. Hierbei wird versucht, die Wirtschaft in den betroffenen Staaten der Wirtschaft der Industrieländer anzupassen bzw. diese zu imitieren, sodass letztendlich die Grundbedürfnisse der Bevölkerung erfüllt werden können. Wie Kritiker bemängeln, wird dieses Konzept in der Realität allerdings eher zugunsten der Industrieländer umgesetzt, da die Wirtschaft zwar durchaus ein wichtiger Aspekt ist, in erster Linie aber die Grundbedürfnisse gedeckt werden müssten, nicht andersherum.

Grundbedürfniskonzept

Dieses Konzept ist entsprechend jenes, welches Kritiker als das bessere betrachten. Zunächst werden die Grundbedürfnisse, wie ausreichend Nahrung, Unterkunft und Bildung, gedeckt, woraufhin dann die Wirtschaft entsprechend aufgebaut werden kann.

Konzept dauerhafter Entwicklung

Dieses Konzept kann auch als das der nachhaltigen Entwicklung bezeichnet werden. Hierbei wird darauf geachtet, dass das Wachstum ökonomische Aspekte mit einschließt, die natürliche Umwelt soll bei der Entwicklung der Wirtschaft erhalten und die nichterneuerbaren Ressourcen geschützt werden.

Was wurde bisher erreicht?

Wird die Anzahl der noch existenten Dritte-Welt-Länder betrachtet, so könnte man meinen, dass noch nicht wirklich viel erreicht worden ist. Gemessen an dem hochgesteckten Ziel der Entwicklungshilfe, ist dies wohl auch der Fall. Doch tatsächlich war die bisher geleistete Entwicklungshilfe nicht ganz umsonst, einige kleinere Ziele wurden bereits ganz oder zum Teil umgesetzt.

Die Millenniumsziele

Im Jahr 2000 hat sich eine Gruppe bestehend aus Vertretern der UNO, der Weltbank, der OECD und mehreren NGOs zusammengefunden und die sogenannten Millennium Development Goals – zu Deutsch Millenniumsziele erarbeitet. Acht Stück an der Zahl, deren Umsetzung für das Jahr 2015 geplant war, um diese dann um die nachhaltigen Entwicklungsziele zu erweitern. Diese acht Ziele sind im Einzelnen:

Ziel

Erläuterung

Bekämpfung von extremer Armut und Hunger

 

 

Als extrem arm gilt jemand, der weniger als den Gegenwert von 1,25 USD zur Verfügung hat. Die seit 1990 bestehende Armut sollte bis 2015 halbiert werden. Außerdem sollten produktive und menschenwürdige Beschäftigungsplätze in den betreffenden Ländern geschaffen werden, um diese aus eigener Arbeitskraft aus der Armut zu befreien. Ein weiterer wichtiger Punkt, der mit der Armut eng verwoben ist, ist das Hungerleiden. Auch hier sollte eine Halbierung um die Hälfte stattfinden.

Sicherstellung der Grundschulausbildung

Bildung ist ein wesentlicher Schlüssel aus der Armut. Mit einer Grundschulausbildung stehen den Menschen weitaus mehr Türen offen als ohne die Fähigkeit lesen, schreiben und rechnen zu können. Bis zum Jahr 2015 sollte für alle – Jungen und Mädchen – die Möglichkeit der Grundschulausbildung bestehen.

Gleichstellung der Geschlechter

Die Gleichstellung der Geschlechter sollte schon bei der primären Schulbildung beginnen, des Weiteren sollte bis 2015 der Frauenanteil in der Erwerbsarbeit steigen und der politische Einfluss von Frauen in den Parlamenten in Form einer gleichen Vertretung zunehmen.

Senkung der Kindersterblichkeit

Alle drei Sekunden stirbt ein Kind, oftmals aufgrund fehlender Ernährung, verschmutztem Trinkwasser, mangelnder Hygiene oder fehlenden Impfungen. Diese Kindersterblichkeit sollte bis 2015 bei Kindern unter fünf Jahren um ein Drittel gesenkt werden.

Verbesserung der Gesundheitsvorsorge der Mütter

Laut un-kampagne.de sterben jährlich 536.000 Frauen während der Schwangerschaft oder bei der Geburt ihres Kindes, obwohl Komplikationen mit einer verbesserten Gesundheitsvorsorge vermeidbar oder behandelbar gewesen wären. Dieses Millenniumsziel hatte vorgesehen, die Müttersterblichkeit um drei Viertel zu senken und den Zugang zu reproduktiven Gesundheitsdiensten zu gewährleisten.

Bekämpfung von übertragbaren Krankheiten wie HIV / AIDS, Malaria und weiteren

Mithilfe von Aufklärung, Verhütung, Medikamenten und ärztlicher Versorgung würden viele übertragbare Krankheiten weit weniger Todesopfer fordern. Das sechste Ziel besteht daher aus den Unterzielen, die Tendenz bei der Verbreitung von HIV / AIDS umzukehren, wenn möglich ganz zu stoppen und den bereits infizierten Menschen Zugang zu ärztlicher Versorgung zu bieten. Des Weiteren sollte bei Krankheiten wie Malaria und Tuberkulose ebenfalls eine Trendwende erreicht werden.

 

Gewährleistung ökologischer Nachhaltigkeit

Wie bereits erwähnt, sind auch ökologische Aspekte maßgebend für eine Verbesserung der weltweiten Lage. Dementsprechend wurde 2000 beschlossen, dass bis zum Jahr 2015 die Vernichtung von Umweltressourcen eingedämmt und der Verlust biologischer Vielfalt verringert werden sollte. Des Weiteren sollten „die Grundsätze der nachhaltigen Entwicklung in der Politik und den Programmen der einzelnen Staaten verankert werden“. Für den Einzelnen wurde außerdem beschlossen, dass die Anzahl der Menschen ohne Zugang zu sauberem Trinkwasser halbiert, die Anzahl der Menschen ohne sanitäre Grundversorgung ebenfalls halbiert und die Lebensverhältnisse von Bewohnern sogenannter Slums verbessert werden sollten.

Aufbau einer globalen Partnerschaft für die Entwicklung

Das achte Ziel umfasst eine Vielzahl von Punkten und wurde von der UN-Sonderbeauftragten Eveline Herfken als „Agenda der wechselseitigen Verantwortung“ beschrieben. Hierunter fallen zum Beispiel die Entwicklung von Strategien zur Schaffung von Arbeitsplätzen, die Berücksichtigung von besonderen Bedürfnissen einzelner Länder, die Suche nach Lösungen für die Schuldenprobleme und der Kampf gegen Korruption. Auch bedeutet dies eine Verpflichtung der Industrieländer nicht nur den guten Willen zu zeigen, sondern tatsächlich gewisse Summen den Entwicklungsländern zur Verfügung zu stellen.

 

Können die Ziele jemals umgesetzt werden?

Dass diese Ziele bis zum gesetzten Zeitpunkt – also in diesem Jahr – nicht erreicht werden können, ist nicht mehr abzustreiten. In naher Zukunft wird eine vollständige Umsetzung der acht Ziele auch nicht machbar sein, in manchen Ländern hat sich die Situation sogar verschlimmert, bzw. es ist keinerlei Besserung eingetreten.

Als Beispiel sei hierfür die Subsahara zu nennen. Nur ein Teilziel konnte bisher erreicht werden, die Umkehrung der Tendenz bei der Verbreitung von HIV / AIDS. In allen anderen Punkten wurde ein ungenügender Fortschritt erzielt. Im nordafrikanischen Raum ist die Verbreitung dieser ansteckenden Krankheit sogar gestiegen bzw. unverändert geblieben.

 

Zu den Millenniumszielen gehört auch die Sicherstellung einer Grundschulausbildung für alle betroffenen Länder.

Auch in den Bereichen der ökologischen Nachhaltigkeit gab es stellenweise kaum Fortschritte und stattdessen sogar Rückschritte. Betroffen hiervon sind Westasien, Ozeanien und Zentralasien.

Große Probleme in der Umsetzung gibt es bei den Zielen bezüglich der Grundschulausbildung, der Gleichstellung von Frauen und der Verbesserung der Gesundheitsversorgung von Müttern.

Immerhin konnten in Ostasien, Südostasien und Lateinamerika einige Ziele umgesetzt werden oder zumindest ist man auf gutem Wege dorthin. Vor allem bei der Halbierung extremer Armut hat sich einiges getan, was aber noch lange nicht heißt, dass die Armut in den betreffenden Gebieten so gut wie bekämpft ist. Denn letztendlich sind auch 1,25 USD oder knapp mehr kein vernünftiger Lebensstandard.

Auch ist es häufig der Fall, dass die Entwicklungshilfe gar nicht in den Ländern landet, in denen sie momentan am meisten gebraucht werden würde. Aufgrund politischer und geostrategischer Gründe wandern Gelder in Länder, die bereits über ein mittleres Einkommen verfügen. Hier müssen zwar ebenfalls noch einige der acht genannten Ziele erfüllt werden, akut wären aber andere Länder dringender auf die Unterstützung angewiesen. Eine detailliertere kritische Meinung zur Umsetzung der Millenniumsziele gibt es hier.

Negative Ausrichtung von Entwicklungshilfe

Selbst wenn die Entwicklungshilfe einen positiven Hintergrund hat, so sind es die Auswirkungen nicht immer. Aufgrund von Problemen wie Korruption und falsch investierten Geldern können sich die Zustände für einzelne Personengruppen – eben die, die die Hilfe eigentlich nötig hätten – sogar verschlimmern.

Sportliche Ereignisse

Sportliche Großereignisse ziehen die Blicke der Welt auf sich. Kaum verwunderlich, dass die Regierung eines Landes eben dieses von der besten Seite zeigen möchte. Das klappt eventuell für eine kurze Zeit, jedoch stellt sich die Frage, was in diesem Land passiert, wenn das Ereignis vorbei ist und welche Opfer für die Umsetzung eines Sport-Events gebracht werden mussten.

WM 2014 in Brasilien

Brasilien gehört zu den Ländern, die ihre Lage seit den 90er Jahren deutlich verbessern konnten. Laut OECD wurde die Armut in diesem Land seit 1993 sogar halbiert. Dennoch leben viele Menschen in menschenunwürdigen Situationen und bekommen von Seiten der Regierung nur wenig Unterstützung. Die WM 2014 in Brasilien hat einerseits aufgrund zahlreicher Demonstrationen solche Missstände aufgezeigt, andererseits hat sich durch dieses Ereignis die Situation stellenweise verschlimmert. 170.000 – 250.000 Menschen – vor allem in den ärmeren Vierteln – mussten aufgrund der WM ihre Wohnungen zwangsweise verlassen und fanden sich teilweise in schlimmeren Verhältnissen wieder. Bei den Zwangsräumungen wurde auch Gewalt angewandt.

Viele der 2014 fertiggestellten Stadien in Brasilien sind mittlerweile weitestgehend verwaist und bringen hohe Wartungskosten mit sich.

Zunächst wurde den Brasilianern ein Wirtschafts-Boom versprochen, doch schnell stellte sich heraus, dass dieser nach kurzer Zeit wieder ausblieb. So stehen nun sogenannte weiße Riesen – Stadien, die so groß sind, dass es keine Nachfrage dafür gibt – leer und müssen trotzdem teuer unterhalten werden. An der Infrastruktur wurden zwar aufgrund der WM Verbesserungen vorgenommen, doch wurden längst nicht alle Baustellen fertiggestellt.

Kommende WM in Katar 2022

Katar ist eines der wenigen arabischen Länder, das kein Entwicklungsland ist. Genau genommen ist Katar sogar das Land mit dem höchsten Pro-Kopf-Einkommen der Welt, was aber nicht bedeutet, dass dort nur Reiche leben. Wenngleich dieser Staat über die Schulpflicht und ein gutes Gesundheits- und Sozialsystem verfügt, so werden dort immer noch Menschenrechte missachtet. Gerade in Bezug auf die bevorstehende Weltmeisterschaft kommt dies besonders stark und schlimm zur Geltung.

Beim Bau der Stadien herrschen barbarische Zustände. Amnesty International hat angeprangert, dass ausländische Gastarbeiter unter sklavenartigen Zuständen gehalten und systematisch ausgebeutet werden. Sie werden in Massenunterkünften untergebracht, erhalten teilweise keinen Lohn und finden auf den Baustellen schlimmste Arbeitsbedingungen wieder. Anfang 2014 waren es bereits 1200 tote Bauarbeiter. Dabei sind die meisten nicht bei einem Arbeitsunfall gestorben, sondern aufgrund der Hitze und der mangelhaften Wasserversorgung an einem Herzinfarkt. Auch die Selbstmordrate unter den Arbeitern ist hoch.

Mit der EM 2020 wird erneut ein ähnliches Fußball-Großereignis für Kontroversen sorgen, jedoch bietet die kommende EM eine bisher einmalige Besonderheit: Sie wird an insgesamt 13 Austragungsorten in ganz Europa stattfinden, um so ihr 60-jähriges Jubiläum zu würdigen. Dies bringt für die Teilnehmerländer den Vorteil mit sich, dass keine gänzlich neuen Infrastrukturen für ein einzelnes Land verbessert werden müssen und das Ereignis eine gerechtere Verteilung der Kosten mit sich bringt. Dennoch bringt das neue Konzept auch Kritik zur Sprache, wobei diese sich vor allem auf die leidende Atmosphäre und die Identität des Turniers beziehen. Weiterführende Informationen sind im angefügten Beitrag zu finden.

Entwicklungshilfe als Fluch in Afrika?

Afrika gilt als Paradebeispiel für fehlgeleitete Entwicklungshilfe. Wird hier der Erfolg zwischen früher (50 Jahre zuvor) und heute verglichen, muss sich eingestanden werden, dass nur wenig erreicht wurde. Zwar gibt es Fortschritte, diese sind aber im Vergleich zu der weiterhin schlechten Situation nur gering. Große Probleme stellen dabei Investitionen in falsche Projekte, die Förderung der Abhängigkeit des Landes und die Korruption des Regimes dar.

Hilfe stützt verbrecherische Regimes

In Afrika gibt es faktisch zu viele Eliten, zu viele verbrecherische Regimes, die sich an den Geldern der Entwicklungshilfe bereichern, anstatt sie in die Entwicklung der entsprechenden Länder zu investieren. So kommt das Geld für gute Zwecke oftmals gar nicht erst bei den Betroffenen an, sondern wird direkt wieder ins Ausland investiert – ohne Nutzen für das Volk.

Inflation und Schulden

Sieben der zehn Länder mit der höchsten Inflationsrate liegen in Afrika. Simbabwe ist dabei der traurige Spitzenreiter mit einer Inflationsrate von etwa 184 %, was die Lebenserhaltungskosten für den ärmeren Teil der Bevölkerung kaum aufbringbar macht und einer Verbesserung der Wirtschaft im Weg steht.

Zudem sind sehr viele afrikanische Staaten hochverschuldet, ohne Aussicht darauf, aus eigenen Kräften aus diesen Schulden herauszukommen. Durch ein Schuldensystem der Industrieländer wurde Afrika allerdings nicht geholfen, im Gegenteil: Ein Großteil des Kontinents wurde auf diesem Wege in die finanzielle Abhängigkeit gebracht.

Die massive Korruption in vielen Ländern Afrikas sorgt dafür, dass Hilfsmaßnahmen nicht greifen oder bereits im Vorfeld anderweitig genutzt werden.

Grundlegende Kritik an Entwicklungshilfe

Anhand der oben genannten Beispiele ist bereits ersichtlich, dass Kritik an der Entwicklungshilfe durchaus berechtigt ist. Es gibt aber noch weitere Gründe, die negative Kritik zulassen.

Mangelnde Effektivität

Wie anhand der nicht oder nur teilweise erreichten Ziele für das Jahr 2015 zu sehen ist, fehlt es der Entwicklungshilfe an der notwendigen Effektivität. Salopp gesagt, tut sich zu wenig, um die Entwicklungshilfe überall als tatsächliche Hilfe sehen zu können, vielmehr verursacht sie aufgrund ihrer fehlenden Koordination in vielen Ländern sogar weitere Probleme wie beispielsweise falsche Investitionen zu Lasten der Bevölkerung und Unterstützung eines verbrecherischen Regimes.

Zu viel Bürokratie

Aufgrund von Vorschriften und Abkommen ist ein Großteil der Gelder mit bürokratischen Maßnahmen verbunden. Das bedeutet, dass die Entwicklungsländer einerseits mit einer Bürokratie überhäuft werden, die sie kaum bewerkstelligen können und andererseits viel Geld, das an anderen Stellen dringend benötigt werden würde, in eben diese Bürokratie fließt. Im Grunde wird aufgrund dessen die Entwicklungshilfe für manche Staaten zu einem Stein auf dem Weg.

Korruption

Korruption ist ein großes Thema in armen Ländern und oftmals an der Tagesordnung. Das kann auch Mitarbeiter einer Organisation betreffen, die sich bestechen lassen, um Spendengelder anderweitig zu nutzen. Für Investitionen bedeutet dies, dass hier die Stärkeren weiter gestärkt werden, während die Schwächeren das ihnen zustehende Geld niemals erhalten.

Ist die Kritik an der Entwicklungshilfe angemessen?

In der Form, wie Entwicklungshilfe momentan gestaltet ist, ist die Kritik in jedem Fall angemessen. Viel zu viele Gelder landen nicht dort, wo sie hingehören, viel zu oft ist gut gemeint nicht gut gemacht. Wenn Entwicklungshilfe mehr Probleme auslöst als sie beseitigt, dann ist eine Umstrukturierung unabdingbar.

Debatte ist notwendig

Dementsprechend ist es überaus wichtig, dass Lösungen gefunden und Debatten geführt werden. Dass viele Länder Hilfe bedürfen, ist ein Fakt. Dass Industriestaaten in der Regel die Möglichkeiten haben zu helfen, ist ebenso sicher. Nun muss ein Weg gefunden werden, die Hilfe richtig zu setzen, möglichst ohne egoistisches Handeln seitens der Geldgeber, um einen weltweit annehmbaren Lebensstandard zu schaffen.

Umdenken vieler Industrieländer hat bereits stattgefunden

Trotz all der Kritik gibt es aber auch Positives zu vermelden: In vielen Industrieländern hat bereits ein Umdenken stattgefunden und die Verantwortlichen sind sich darüber im Klaren, dass Änderungen gemacht werden müssen, um die Entwicklungshilfe wirklich sinnvoll umzusetzen. Auch in Deutschland findet zurzeit ein Umdenken statt. So hat Gerd Müller, Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, im Jahr 2014 der Zeitung „Die Zeit“ ein Interview gegeben, in dem er sagte, dass zum Beispiel in Afrika mehr Wert auf Eigenproduktion der Landwirtschaft gesetzt und diese modernisiert werden müsse. Auch möchte er, dass die Geldgeber dafür in Haftung genommen werden zu hinterfragen, wohin ihre Gelder genau fließen.

Sollten solche und ähnliche Ansätze in die Tat umgesetzt werden, könnte die Kritik an der Entwicklungshilfe leiser werden und diese tatsächlich größere Fortschritte machen.

Abbildung 1: Concept of hunger in Africa © Gajus - Fotolia.com

Abbildung 2: Abholzung - Brandrodung Regenwald, Amazonien Brasilien © guentermanaus - Fotolia.com

Abbildung 3: school class4 © Living Legend - Fotolia.com

Abbildung 4: football soccer stadium © johny007pan - Fotolia.com

Abbildung 5: 命の水 © polepoletochan - Fotolia.com