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Lee Jae-yong soll in Südkorea wegen Korruption und anderer Vorwürfe der Prozess gemacht werden. Foto: Ahn Young-Joon/Arc
Lee Jae-yong soll in Südkorea wegen Korruption und anderer Vorwürfe der Prozess gemacht werden. Foto: Ahn Young-Joon/Archiv
28.02.2017

Ermittler wollen Samsung-Erben vor Gericht bringen

Seoul (dpa) - Dem inhaftierten Erben des Samsung-Imperiums soll in Südkorea wegen Präsidenten-Bestechung und anderer Vorwürfe der Prozess gemacht werden.Hintergrund ist der Korruptionsskandal um eine enge Vertraute der vorläufig entmachteten Präsidentin Park Geun Hye. Ein Team von Sonderermittlern kündigte zum Abschluss seiner Untersuchungen zu der Affäre an, gegen den Vize-Vorsitzenden des Smartphone-Marktführers Samsung Electronics, Lee Jae Yong, und vier weitere Spitzenmanager werde noch am selben Tag Anklage erhoben. Samsung kündigte einen Konzernumbau einschließlich der Auflösung seines bislang als Kontrollturm fungierenden Strategiebüros an.

Dem 48-jährigen Lee, Sohn des schwer erkrankten früheren Konzernchefs Lee Kun Hee, wird neben Bestechung, Untreue und Meineid auch vorgeworfen, Gewinne aus Straftaten verborgen zu haben.

Samsung soll hohe Summen an Unternehmen und Stiftungen der umstrittenen Park-Freundin Choi Soon Sil gezahlt und im Gegenzug politische Unterstützung für die Fusion zweier Konzerntöchter vor zwei Jahren erhalten haben. Kritiker sahen in der Fusion eine Stärkung der Gründerfamilie. Seit seiner Verhaftung am 17. Februar wurde Lee Jae Yong mehrfach verhört, er hatte die Vorwürfe bestritten. Er wurde in den vergangenen Jahren schrittweise auf die Rolle als Nachfolger im Familienkonzern vorbereitet.

Die Ermittlungen gegen ihn sind nicht nur ein schwerer Schlag für den Konzern, dessen Flaggschiff Samsung Electronics als wertvollste Marke des Landes gilt. Nach Meinung von Beobachtern könnte sich die Anklage auch negativ für die Präsidentin in ihrem Amtsenthebungsverfahren auswirken. Die Ermittler nannten Park als Verdächtige in dem Korruptionsfall. 

Den Ermittlern zufolge geht es um 43 Milliarden Won (36 Millionen Euro), die nach Freigabe durch Lee von Samsung an Chois Organisationen geflossen sein sollen. Samsung hatte bestritten, dafür Gegenleistungen zu erwarten.  

Lee Jay Yong hatte bereits im Dezember angekündigt, das Strategiebüro aufzulösen, von dem aus die Aktivitäten zahlreicher Konzerntöchter gesteuert wurden. Das Büro hatte nach Berichten südkoreanischer Medien 200 Führungskräfte als Mitglieder, die von den einzelnen Tochtergesellschaften bestellt wurden. Künftig sollen die einzelnen Unternehmen ihre Entscheidungen unabhängig treffen können. 

Bei den anderen Samsung-Managern, die wegen ihrer Verstrickung in den Skandal angeklagt werden sollten, handelt es sich um den Vizevorsitzenden des Konzerns, Choi Gee Sung, Präsident Chang Choong Ki, den Präsidenten von Samsung Electronics, Park Sang Jin, sowie den Vizepräsidenten Hwang Sung Soo. Choi, Chang und Park kündigten nach Angaben des Konzerns ihren Rücktritt von ihren Posten an. 

Der Skandal um die Präsidentin wühlt die Südkoreaner schon seit Monaten auf. Park soll ihrer mittlerweile in U-Haft sitzenden Freundin Choi auch die Einmischung in die Staatsgeschäfte erlaubt haben. Am Montag hatte sich Ministerpräsident Hwang Kyo Ahn, der die Amtsgeschäfte des Präsidenten kommissarisch leitet, geweigert, einer Verlängerung des Mandats des Sonderstaatsanwalts um einen Monat zuzustimmen.

Das Parlament leitete im Dezember ein sogenanntes Impeachment-Verfahren gegen Park ein. Das Verfassungsgericht muss nun über ihre mögliche Absetzung entscheiden.