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Eurowings steht vor einem gewaltigen Wachstumsschub, weil man bis zu 81 zusätzliche Flugzeuge der Air Berlin übernehmen
Eurowings steht vor einem gewaltigen Wachstumsschub, weil man bis zu 81 zusätzliche Flugzeuge der Air Berlin übernehmen will und dafür neue Crews benötigt. Foto: Stefan Sauer
29.09.2017

Erste Piloten der Air Berlin wechseln bereits zu Eurowings

Frankfurt/Köln (dpa) - Die Lufthansa-Tochter Eurowings hat erste Piloten aus den Reihen der insolventen Air Berlin eingestellt. Eine genaue Zahl nannte das Unternehmen nicht. Die Gewerkschaft Vereinigung Cockpit kritisierte die Abwerbungen und die Arbeitsbedingungen beim neuen Arbeitgeber.Eurowings steht vor einem gewaltigen Wachstumsschub, weil man im laufenden Bieterverfahren bis zu 81 zusätzliche Flugzeuge der Air Berlin übernehmen will. 31 Airbus-Maschinen sind bereits samt Besatzungen an die Eurowings vermietet und müssten im Fall einer Air-Berlin-Pleite mit eigenen Mannschaften betrieben werden.

Bislang habe man annähernd 2000 Bewerbungen von Piloten und Flugbegleitern erhalten, berichtete Eurowings-Geschäftsführer Michael Knitter. «Die Resonanz auf diese erste Ausschreibungswelle übertrifft all unsere Erwartungen.»

Die neuen Piloten sollen Arbeitsverträge bei der österreichischen Gesellschaft Eurowings Europe erhalten, werden aber an deutschen Flughäfen stationiert - zuerst in München. Die Tarifbedingungen entsprächen denen der deutschen Eurowings GmbH, versicherte ein Unternehmenssprecher. Die Gewerkschaften hatten eigentlich geregelte Betriebsübergänge für das Personal der Air Berlin gefordert.

Hintergrund ist eine ungekündigte Tarifvereinbarung der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit. Danach darf die Düsseldorfer Eurowings-Tochter nur 23 Mittelstreckenjets zu den aktuellen Bedingungen betreiben. In Verhandlungen habe man sich nicht auf neue Konditionen einigen können, erklärte die VC.

Die Gehaltstarife der Eurowings Europe in Wien liegen laut VC-Sprecher Markus Wahl zwischen 10 und 20 Prozent unter denen der deutschen Teilgesellschaft. Es werde nun deutlich, dass der Lufthansa-Konzern die Leute nur «maximal billig» anstellen wolle. Das könne auch der Bundesregierung nicht egal sein, die mit ihrem Überbrückungskredit von 150 Millionen Euro nicht zuletzt deutsche Arbeitsplätze habe sichern wollen. «Was jetzt kommt, ist nicht das, was sich die Bundesregierung und wir uns vorgestellt haben», sagte Wahl.

Air Berlin hatte am 15. August einen Insolvenzantrag gestellt und verhandelt nun mit Lufthansa und Easyjet über einen Verkauf großer Teile des Unternehmens.

Im zweiten Quartal dieses Jahres hatte die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft ihre Verluste noch einmal gesteigert. Das Minus zwischen April und Juni lag bei 140,5 Millionen Euro nach 89,1 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum, wie aus dem auf der Investoren-Website veröffentlichtem Quartalsbericht hervorgeht. Der Umsatz sank von 970,6 Millionen Euro auf 880,7 Millionen Euro. Air Berlin hatte die Vorlage der Zahlen mehrfach verschoben.

Die Lufthansa teilte mit, ab sofort mehr Flüge zwischen München und Hamburg sowie München und Köln/Bonn anzubieten. Als Grund wurde die hohe Nachfrage genannt. Zuvor hatte Air Berlin hatte mitgeteilt, zu diesem Freitag die Verbindungen zwischen Hamburg und München sowie zwischen Köln/Bonn und München zu streichen.