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Der Hamburger Zeitschriftenverlag Gruner+Jahr hat klargestellt, dass noch keine Entscheidung über die Zukunft seiner Wirtschaftsblätter gefallen ist. Es wird aber über ein Aus der «Financial Times Deutschland» (FTD) spekuliert.
Der Hamburger Zeitschriftenverlag Gruner+Jahr hat klargestellt, dass noch keine Entscheidung über die Zukunft seiner Wirtschaftsblätter gefallen ist. Es wird aber über ein Aus der «Financial Times Deutschland» (FTD) spekuliert. © dpa
21.11.2012

Zeitungssterben: Trifft es jetzt die "Financial Times Deutschland"?

Der Aufsichtsrat von Gruner + Jahr berät an diesem Mittwoch über die Zukunft der Wirtschaftsmedien des Hamburger Verlags. Das Gremium treffe sich zu einer turnusmäßigen Sitzung, bestätigte ein Verlagssprecher am Dienstag. Den Vorsitz führt Bertelsmann-Vorstandschef Thomas Rabe.

Nach Branchenspekulationen über die Zukunft der «Financial Times Deutschland» (FTD) sowie der Wirtschaftsmagazine «Capital», «Impulse» und «Börse Online» wurde bei Gruner + Jahr erneut darauf verwiesen, dass es darüber noch keine Entscheidung gebe. «Unser Verlag Gruner + Jahr prüft angesichts der Verluste, die diese Zeitung schreibt, verschiedene Optionen. Wir erwarten eine Entscheidung dazu in den kommenden Tagen», schrieb «FTD»-Chefredakteur Steffen Klusmann am Dienstag in dem Wirtschaftsblatt. Er versicherte den Lesern, «dass wir Ihnen trotz der turbulenten Zeiten Qualitätsjournalismus vom Feinsten liefern.»

In der Medienbranche wird spekuliert, ob der im Jahr 2000 erstmals publizierten lachsfarbenen «FTD» nun das Aus droht oder ob sie auf eine gemischte Form aus digitaler Zeitung und gedruckter Ausgabe am Wochenende umgestellt werden könnte.

Nach einem Bericht der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» («FAZ»/Mittwoch) beschloss der Vorstand am Dienstag, die «FTD» einzustellen und die Zeitschriften «Impulse» und »Börse Online» zu verkaufen. Allerdings stehe die Entscheidung noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung des Aufsichtsrats, schrieb die FAZ weiter. «Kein Kommentar», sagte ein G+J-Sprecher dazu. «Es ist noch nichts beschlossen», sagte er und verwies auf die Sitzung des Aufsichtsrats.

Die Wirtschaftspresse in Deutschland ist im Zuge der Finanz- und Staatsschuldenkrise unter Druck geraten, weil Werbetreibende aus Industrie, Banken und Versicherungen ihre Werbeetats scharf kalkulieren. Etliche Printtitel mussten Werbeeinbußen hinnehmen.

Der Verlag Gruner + Jahr, der auch Magazine wie «Geo», «Gala», «Brigitte» und «Neon» herausgibt, gehört mit einem Umsatz von rund 2,3 Milliarden Euro (2011) zu den größten in Europa. Mehrheitseigener ist mit 74,9 Prozent die Bertelsmann AG (Gütersloh). Eine Sperrminorität von 25,1 Prozent hält die Hamburger Verlegerfamilie Jahr.