Frankreich
Rote Ampeln werden in Frankreich gerne auch ignoriert. 

Franzosen sollen endlich Fußgängerampel beachten

In Frankreich achten viele Fußgänger nicht groß auf rote Ampeln. Um zu mehr Sicherheit und Disziplin zu kommen, werden in sieben Städten jetzt Fußgängerampeln mit Gelbphase getestet. Sobald das gelbe Licht leuchtet oder blinkt, sollen Fußgänger nicht mehr loslaufen, die Straße aber noch überqueren dürfen, wenn sie schon unterwegs sind, heißt es in einer Ankündigung im Amtsblatt.

Ziel des zweijährigen Versuches sei es, die Sicherheit von Fußgängern zu erhöhen. Diese sollten zu einer stärkeren Beachtung des Rotlichtes gebracht werden. Autofahrer sollten die sogenannte Räumzeit besser verstehen. Das ist der Zeitraum, in dem die Fußgängerampel schon auf Rot zeigt, aber noch Fußgänger über die Straße laufen. Getestet werden die Ampeln mit Gelbphase in Metz, Nancy, Nantes, Nizza, Straßburg, Toulouse und Versailles jeweils an einzelnen Kreuzungen.

Tödliche Unfälle mit Fußgängern

Mehr Sicherheit sei dringend nötig für Fußgänger, berichtete die Zeitung «Le Figaro». 2022 machten sie 15 Prozent der Verkehrstoten aus. 484 Fußgänger seien von Autos tödlich erfasst worden.

Was das Rotlicht an Fußgängerampeln angeht, hätten die Franzosen ein Verhaltensproblem, sagte die Chefin der französischen Verkehrswacht, Anne Lavaud, dem Sender France Info. «Ja, es gibt ein Problem mit dem Verhalten, aber nicht mit der Kenntnis der Regeln. Das verschlimmert sich immer mehr», meinte Lavaud.

«Eine Studie, die wir kürzlich durchgeführt haben, zeigt, dass die Franzosen es nicht mögen, anhalten zu müssen.» Die Menschen meinten, sie könnten selber gucken, wie sie am schnellsten vorwärtskommen. Dazu komme, dass gerade in der Stadt viele mit Kopfhörern oder dem Handy unterwegs seien.

«Es gibt ein Missverständnis mit dem kleinen roten Männchen», meinte die Verkehrswacht-Chefin. «Die Zeit, in der alles rot ist, schafft eine Konfliktzone.» Wenn die Fußgängerampel gerade auf rot gesprungen sei, meinten Auto- und Zweiräderfahrer, schon losfahren zu können, obwohl ihre Ampel noch rot zeigt. Hier soll die Gelbphase helfen und Autofahrern signalisieren, dass Fußgänger sich in dem Moment noch auf dem Überweg befinden dürfen. Die Tests mit dem Gelblicht hält die Verkehrswacht für sinnvoll, zu 40 Prozent aller tödlichen Fußgängerunfälle nämlich käme es auf Überwegen.

Gelblicht nur in Düsseldorf

In Deutschland gibt es Fußgängerampeln mit Gelbphase nur in Düsseldorf. Hier wurde das Gelblicht 1953 als Modellversuch getestet und seitdem beibehalten. 2012 verfasste die Stadt sogar eine achtseitige Anleitung zum Überqueren von Überwegen, an denen die Ampel steht, was für einige Belustigung sorgte.

Um die Menschen in Frankreich zu mehr Geduld an roten Fußgängerampeln zu bringen, experimentieren einige Städte wie Neuilly-sur-Seine seit einigen Jahren auch mit einer Ampel mit Countdown. Angezeigt werden dabei die Sekunden, bis es wieder grün wird. Generell erlauben die Vorschriften in Frankreich diese Ampel aber nicht.

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