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PZ-Redakteur Alexander Huberth ist zuletzt von seinem Hund ausgelacht worden – denn der Vierbeiner kam flotter den Berg hoch als er. 

Alterswilde – oder wie ein älterer Hund seinem Herrchen davon sprang

Es ist ein wiederkehrender Quell der Freude: Dieser Moment, in dem der fleißige Redakteur – also ich, ist ja klar – in sein E-Mail-Programm geht und eine Abwesenheitsnotiz erstellt, die sich über mindestens zwei Wochen erstreckt. Weil: Urlaub.

Eine Kolumne von PZ-Redakteur Alexander Huberth

Nun sind Ferien nicht mehr das, was sie einmal waren, bevor dieses vermaledeite Virus sich auf den Weg gemacht hat, die Welt zu erschüttern und den Alltag zu verändern. Aber das muss nicht das Schlechteste sein.

Wer nicht Vollgas geben muss beim Ausnutzen jeder freien Minute, kann das machen, was man heutzutage so nennt: entschleunigen. Unter Untätigkeitszwang habe ich so richtig losgelegt mit dem Wenigtun. Ein paar Ausflüge in den Schwarzwald, viele Stunden auf der Gartenliege, Waldbaden mit den Hunden. Gute Sache.

Nur einer in unserer kleinen, vielbeinigen Familie hat das alles nicht so ganz verstanden.

Es geschah unterhalb der Hornisgrinde, also auf den Höhen des Nordschwarzwalds. Strahlender Sonnenschein am Seibelseckle, Samson und Lumi strahlten gleich mit. Und dann: ein sakrisch steiler Weg gen Gipfel. Mir und meinem Bauch kam’s vor wie eine Steilwand. „Schaffen wir das?“, schnaufte ich in Richtung Aurélie. Sie hörte mich nicht, weil sie mir enteilt war. Auch Lumi hüpfte fröhlich voran, während ich mich langsam nach oben kämpfte. Bei den beiden angekommen, gebot ich ihnen Einhalt. „Wir müssen stoppen“, stöhnte ich. „Samson packt das nicht.“ Und während ich mich ernsthaft um den alten Recken sorgte, hörte ich plötzlich einen Hund lachen – und sah Samson, wie er an uns vorbeipreschte. Er stürmte in Richtung Himmel wie eine Bergziege. Mühelos zog er davon, sogar Lumi staunte. Endlich bremste Samson, sah von oben auf uns herab und fragte: „Wo bleibt ihr denn?“

„Entschleunigung“, japste ich.

„Entschleunigen kannst du, wenn du schläfst“, antwortete der Seniorhund. Dann sprang er davon. Und ich brauche dringend Urlaub. Ohne Vierbeiner.

Alexander Huberth

Alexander Huberth

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