Friedrich Binder Kettenmanufaktur Mönsheim
Sehen das Unternehmen auf gutem Kurs: Nick Binder, Matthias Heimberg und Kai-F. Binder im Produktionsraum. 

Binder Gruppe: Wertvolle Verbindungen seit 111 Jahren

Seit 111 Jahren entstehen am Standort Mönsheim Ketten und Creolen in allen Variationen – damit ist Binder einer der letzten großen Kettenhersteller in Deutschland. Zusammen mit der Trauringmanufaktur egf in Pforzheim, die auf 88 Jahre zurückblickt, gelingt dem Familienunternehmen der Spagat zwischen Innovation und Tradition.

Der Tau liegt noch auf den Dächern der Fachwerkhäuschen, als das Krähen des Hahnes die Stille im beschaulichen Mönsheim durchbricht. Nur an der Leonbergerstraße herrscht geschäftiges Treiben, wo seit 111 Jahren der Firmensitz der Manufaktur Friedrich Binder Mönsheim, kurz FBM, liegt. Das Gründerhaus, das Kettenmeister Friedrich Binder 1910 erworben hat, ist bis heute ein fester Bestandteil im historisch gewachsenen Unternehmenspark. Dort, im oberen Stockwerk rattern die Maschinen, es riecht nach Öl und Metall. Glied in Glied werden Drähte ineinander abwechselnd horizontal und vertikal geformt. So entsteht etwa der Klassiker unter den Ketten: die Ankerkette. Das Besondere an Binder ist, dass der komplette Herstellungsprozess vom Rohmaterial bis zum fertigen Schmuckstück im eigenen Haus abgewickelt wird. Diese Entscheidung geht auf Ernst Binder zurück, der in den 50er-Jahren in zweiter Generation das Unternehmen führte.

„Es war ein wichtiger Schritt, diesen Weg zu gehen“, betont Kai-F. Binder, der die Geschicke des Familienunternehmens nun in vierter Generation leitet. „Wir orientierten uns dadurch frühzeitig an den Bedürfnissen unserer Kunden.“ Wohin die Reise weitergeht, zeigt sein Sohn Nick Binder – ein kreativer Kopf, der für das Marketing verantwortlich ist. Die Stichwörter heißen: Digitalisierung, Social Media und E-Commerce. Bei dieser Reise ins digitale Zeitalter entstehen auch neue Berufsbilder, die mit jungen Talenten besetzt werden. „Wir werden in Zukunft ganz klar einen Fokus darauf legen", ergänzt Matthias Heimberg, Geschäftsführer für Vertrieb und Marketing, der das Unternehmen seit diesem Jahr verstärkt. „Wir wollen auch mehr Neuheiten kommunizieren, damit wir bei den Kunden noch stärker als innovatives Unternehmen wahrgenommen werden.“ Zudem soll der Webshop weiter ausgebaut werden. Mittlerweile kommen laut Heimberg ein Drittel der Bestellungen über diesen Weg. Das Unternehmen gehört zu den wenigen, die den Strukturwandel in der Branche gemeistert haben. Viele Konkurrenten sind vom Markt verschwunden – auch in der Goldstadt. Was also ist das Erfolgsrezept? „Unsere Vorgänger müssen mehr richtig als falsch gemacht haben“, gibt Kai-Friedrich Binder bescheiden zu. „Und natürlich gehört auch ein wenig Glück dazu“, ergänzt sein Sohn. Doch die strategisch klugen Entscheidungen sind nicht von der Hand zu weisen. Das Unternehmen hat früh in die Automatisierung investiert. „Da haben noch andere in Pforzheim gesagt: Es muss unbedingt eine handwerkliche Kette sein“, erklärt Kai-F. Binder. Wenn der Manager spricht, merkt man, dass er gerne den Status Quo hinterfragt, um Innovationen voranzutreiben. Nach Stationen als Unternehmensberater machte er sich im zunächst im Sanitätsfachhandel selbstständig, bevor er 1996 den Trauringhersteller Sickinger erwarb sowie 2002 die Marke egf kaufte. Beide Unternehmen wurden später zu einer Manufaktur vereint.

Friedrich Binder Kettenmanufaktur Mönsheim
Im Redaktionsgespräch (von links): Nick Binder (Marketing), Matthias Heimberg (Geschäftsführer) und Kai-Friedrich Binder (Gesellschafter), Katharina Lindt (PZ-Redakteurin) und Thomas Satinsky (Geschäftsführender Gesellschafter der PZ).

Das spiegelt sich auch in der Unternehmenskultur wider. „Als ich vor zehn Jahren die Führung bei der Binder Gruppe übernommen habe, fand wenig Kommunikation an die Belegschaft statt“, sagt Kai-F. Binder. Vieles habe sich verändert – etwa, dass die Mitarbeitenden jeden Tag die wichtigsten Kennzahlen des Unternehmens transparent sehen können. „Manche finden das gut, andere hadern noch damit“, sagt er. „Man muss das Bewusstsein wecken, um gemeinsam etwas voranzutreiben.“ Auch die kostbaren Objekte sind ständig im Wandel. Die Binder Gruppe will keine Trends verschlafen, deshalb entwickle das Unternehmen proaktiv neue Produkte, sagt Geschäftsführer Heimberg. Auch Creolen kamen ins Portfolio. Für das Aufspüren von Moden sei ein Innovationsteam verantwortlich. „Wir arbeiten auch vermehrt mit Designerinnen zusammen, die ebenfalls mit neuen Ideen kommen.“ Das fordere den Betrieb heraus – denn die Individualisierung werde zunehmen. Aber sie stellten sich dieser Herausforderung. Eine ganz andere Herausforderung war es, ein Motto für das Firmenjubiläum zu finden. „Der Slogan ist am Küchentisch entstanden. Wir hatten viele Vorschläge von Agenturen, die aber nicht zu uns gepasst haben“, erinnert sich Nick Binder. Eines Abends wurde also gebrainstormt – heraus kam etwas, das sowohl die Vergangenheit als auch die Zukunft im Blick hat: Wertvolle Verbindungen. „Darin steckt zum einen unser Familienname, zum anderen passt die Aussage zu unseren Produkten: Ketten sind über die Glieder verbunden und auch Ringe verbinden Menschen. ‚Wertvoll‘, weil wir mit Edelmetallen arbeiten, aber auch, weil wir uns intensiv mit dem Thema Unternehmenskultur auseinandersetzen.“

Friedrich Binder Kettenmanufaktur Mönsheim
Der Klassiker unter den Ketten: die Ankerkette wird Glied in Glied zusammengeformt.

Besonders in den Jahren 2019 und 2020 wurde sich intensiv mit den Unternehmenswerten auseinandergesetzt. Unter der Leitung der Geschäftsführer Stefan Schiffer (egf) und Frank Klumpf (Binder) wurden in Zusammenarbeit mit der Inhaberfamilie und der Belegschaft, in Workshops Werte herausgearbeitet und als „gelebte Kultur“ verankert: Verantwortung, Respekt, Qualität, Klarheit und Offenheit seien nun die Basis. Beide Firmen wollen zwar weiterhin getrennt agieren, aber die Verbindung stärken.

Nick Binder gibt ein Beispiel: egf könne bei Binder die Automatisierung von Fertigungsprozessen adaptieren, die Kettenspezialisten dagegen profitieren von der Erfahrung, die egf in den Bereichen Marke und Individualisierung mitbringt.

Kai-F. Binder blickt positiv in die Zukunft: „Das Wachstumspotenzial bei beiden Firmen ist gegeben.“ Die Auftragslage ist gut, zahlreiche Ideen sind vorhanden. Wie viel davon in Mönsheim schlummert, zeigt die Jubiläumskollektion. Der Ansporn sei, neue Wege zu gehen“, sagt Nick Binder. „Und noch mehr zu kommunizieren, was wir können.“

Katharina Lindt

Katharina Lindt

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