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Unternehmen aus der Region bei der Schmuck- und Uhrenmesse "Inhorgenta" © Ketterl
25.02.2011

120 regionale Unternehmen bei der Münchner "Inhorgenta"

MÜNCHEN/PFORZHEIM. Große Marken und kleine Spezialitätenanbieter geben sich noch bis einschließlich Montag auf der Schmuck- und Uhren-Fachmesse Inhorgenta in München ein Stelldichein. Unter den 1100 Ausstellern sind 120 Firmen aus Pforzheim und der Region. Die meisten regionalen Unternehmen auf der Inhorgenta sind hochwertige Schmuckhersteller.

Bildergalerie: Regionale Unternehmen stellen bei der Schmuck- und Uhrenmesse "Inhorgenta" aus

Aber auch junge Designer und Schüler der Goldschmiede- und Uhrmacherschule zeigen den Juwelieren und Schmuckeinkäufern aus Deutschland und dem deutschsprachigen Ausland ihr Können.

Mit viel Liebe zum Detail, handwerklichem Geschick und kreativen Ideen wollen sie den internationalen Mitbewerbern Paroli bieten. Auch Pforzheims Oberbürgermeister Gert Hager mit seinem Team der Wirtschaftsförderung überzeugte sich gestern zur Messeeröffnung vom Leistungsvermögen der Schmuckschaffenden aus der Goldstadt. Dabei galt es in den weitläufigen Hallen etliche Kilometer Fußmarsch zurückzulegen.

Raus aus der Vitrine und am besten gleich in die Hand der Konsumenten, das ist das Motto der Silberschmiede, die in einer Kooperation der Hochschulen Pforzheim, Nürnberg, Hildesheim und Birmingham Nägel mit Köpfen oder besser greifbare Tischgeräte hergestellt haben. Die Silber-Sommer-Galerie unter Leitung von Alessandra Pizzini hat passend zum Lifestyle-Konzept der , Münchner Fachmesse das Tafelsilber völlig neu erfunden. Den Inhorgenta-Besuchern eröffnet sich dadurch ein schmackhafter Einblick in das Thema „Kunstvoll Essen“, denn die ausgestellten Kunstobjekte werden zum Verzehr feiner Gerichte genutzt, die frisch in einem Erlebnis-Restaurant zubereitet werden. Espresso-Löffel, Teetassen, Besteck und Teller sind Unikate, die Kalbsbäckchen und Polenta oder Räucherlachs mit Radieschen zum kulinarisch-sinnlichen Erelebnis werden lassen.

 

Dieser Wandel zur Lifestyle-Messe ist deutlich im Messekonzept und der Hallengestaltung zu erkennen, was nicht bei allen Unternehmen auf ungeteilte Begeisterung stößt. Denn damit ist auch eine neue Anordnung der Messestände verbunden, was zu einer spürbaren Verärgerung unter den langjährigen Ausstellern geführt hat. Einige haben deshalb ihre Teilnahme abgesagt, andere sind unzufrieden mit ihrer neuen Platzierung. Während die großen Markenanbieter immer mehr Fläche beanspruchen, müssen traditionsreiche Schmuckproduzenten weichen. Auch die Kommunikationspolitik der Münchner Messeleitung wird kritisiert: „Wir sind seit Anfang an, also seit 33 Jahren auf der Inhorgenta“, erklärt Gerhart Odenwald von der gleichnamigen Pforzheimer Schmuckmanufaktur. Die Abwertung des bislang hochwertigen Sortiments in der Halle B1 durch Modeschmuck sieht er mit Sorge, zumal mehrere Pforzheimer Aussteller ihren angestammten Platz im Herzen der Messehalle räumen mussten, weil die Inhorgenta-Organisatoren dort ein Feinschmecker-Restaurant unterbringen wollten. „Einige haben auf München ganz verzichtet“, berichtet Frank Dettinger von der Schmuckfirma Eugen Dettinger. Aus langjähriger Verbundenheit mit dem Messestandort wollte man auf dieses Heimspiel aber nicht verzichten.

Doch der guten Stimmung in den Messehallen konnte diese Unstimmigkeiten hinter den Kulissen nichts anhaben: die Verbraucher suchen „beständige Werte“ und kaufen vermehrt hochwertigen Schmuck, was auch den Markterfolg des Wiernsheimer Perlen-Spezialisten Gellner erklärt, der gestern in München seine neue Kollektion präsentierte. In Kooperation mit der Goldschmiedin Gabriele Weinmann erhalten die kostbaren Perlen ein Inlay aus funkelnden Edelsteinen. Das patentierte Verfahren ermöglicht vielfältige Variationen.

Philipp Reistert, Präsident des Bundesverbands (BV) Schmuck und Uhren mit Sitz in Pforzheim, sieht in modernen Produktionsverfahren, innovativen Werkstoffen und markantem Design eine große Chance für die Schmuckbranche, um sich im internationalen Wettbewerb zu behaupten.

Während die großen Konzerne mit fetziger Musik und schriller Standdekoration um Aufmerksamkeit buhlen, geben sich die Pforzheimer Aussteller zurückhaltend aber qualitätsbewusst. Hans-Jörg Vollmer, Chef der Uhrenfabrik Aristo, ist viel unterwegs. Nach den vier Messetagen in München geht am Mittwoch der Flieger nach Hongkong, wo er die asiatischen Fachhändler von den Vorzügen deutscher Fliegeruhren und mechanischer Zeitmesser überzeugen will. Mitte Februar war Vollmer schon auf der Konsumgütermesse in Frankfurt vertreten. Im März steht dann schon wieder die Weltmesse in Basel auf dem Messekalender. Wer nicht so wie die großen Modemarken über ein millionenschweres Werbebudget verfügt, muss überall persönlich präsent sein, wo gute Geschäfte zu machen sind. Auf das „made in Germany“ setzt auch die Wurmberger Uhrenfirma Bruno Söhnle, die eine prestigeträchtige Fertigung in Glashütte aufgebaut hat und diese Marke mit Stolz führt.