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Fluglotse Lutz Dreyer behält auf dem Tower des Flughafens Leipzig-Halle die Übersicht. Foto: Willnow
Fluglotse Lutz Dreyer behält auf dem Tower des Flughafens Leipzig-Halle die Übersicht. Foto: Willnow
03.01.2018

25 Jahre unfallfrei: Deutsche Flugsicherung wacht über den deutschen Luftraum

Frankfurt. Die deutschen Fluglotsen können in diesem Jahr gleich mehrere Jubiläen feiern. Noch im Ersten Weltkrieg erging 1918 die erste Order an das Reichsministerium des Inneren, sich um die Belange der Flugsicherheit zu kümmern. Und deutlich aktueller ist die Gründung der privatrechtlichen Deutsche Flugsicherung GmbH (DFS) zum 1. Januar 1993. DFS-Chef Klaus-Dieter Scheurle sieht zahlreiche Aufgaben vor sich. Vor allem die europäische Integration und der von Billigfliegern und Drohnen verdichtete Flugverkehr machen dem 63-Jährigen Sorgen.

Am Firmensitz in Langen bei Frankfurt können sie auch deshalb recht entspannt auf 25 Jahre ohne Unfall zurückblicken, weil der tragische Zusammenstoß zweier Jets bei Überlingen im Juli 2002 in die Zuständigkeit der Schweizer Skyguide-Lotsen fiel. Damals starben wegen falscher Fluglotsenbefehle 71 Menschen, davon 49 Kinder.

„Die deutsche Flugsicherung gehört sicher zu den besten in der Welt“, hat Jörg Handwerg von der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) schon früher gelobt. Die Probleme auf europäischer Ebene bleiben allerdings trotz aller Bemühungen um einen einheitlichen Luftraum unübersehbar. Dieser wird von nicht weniger als 27 nationalen Flugsicherungsorganisationen verwaltet, die gemeinsam mit ihren Regierungen und Militärs zäh an den jeweiligen Besitzständen festhalten. Einzelnen gemeinsamen IT-Projekten zum Trotz scheint es kaum vorstellbar, dass Frankreich oder Spanien die Kontrolle ihrer Militärflüge einer EU-Flugsicherung übertragen könnten. „Das Ziel eines einheitlichen europäischen Luftraums ist bei weitem nicht erreicht, weil die Staaten an ihren hoheitlichen Rechten festhalten“, sagt DFS-Chef Scheurle. Dafür gebe es aber keine rechtlichen, sondern nur politische Gründe. Die Fluggesellschaften beklagen milliardenschwere Mehrkosten und Zeitverluste durch umständliche Streckenführungen über Europa. Im deutschen Luftraum mussten lange besonders hohe Gebühren gezahlt werden, weil schlichtweg sämtliche Kosten abgedeckt werden mussten. Erst 2012 beendete die EU-Kommission das Prinzip der Vollkostendeckung und machte den nationalen Flugsicherungen bei teils unrealistischen Verkehrsschätzungen scharfe finanzielle Vorgaben.

Die bundeseigene DFS geriet trotz erheblicher Personaleinsparungen in finanzielle Schieflage, die sich erst mit einer kräftigen Kapitalspritze des Bundes besserte. 2016 erwirtschaftete die DFS einen Gewinn von 86,6 Millionen Euro bei einem Umsatz von rund 1,22 Milliarden Euro.

Die Lotsen der DFS haben 2017 die Rekordzahl von über 3,2 Millionen Flugbewegungen im deutschen Luftraum abgewickelt. Dabei hat die DFS einen erheblichen personellen Aderlass hinter sich, baute innerhalb von fünf Jahren die Zahl der Mitarbeiter um rund 700 auf aktuell 5400 ab.

„Einer weitgreifenden Automatisierung stehen nur die Sorgen der Fluggesellschaften im Wege, die um die Akzeptanz ihrer Passagiere fürchten, wenn vorne kein Pilot mehr im Cockpit sitzt.“ Allerdings bewege sich die Gesellschaft auf automatisierte Mobilität beim Auto zu. „Wenn es dort funktioniert, wird auch das Vertrauen in unbemannte Flugzeuge wachsen.“