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Bereichsleiter Martin Herzog führte die Besucher gestern durch das Pforzheimer Logistikzentrum.
Bereichsleiter Martin Herzog führte die Besucher gestern durch das Pforzheimer Logistikzentrum.
Standortleiter Alexander Bruggner (links) mit Wirtschaftsförderer Reiner Müller.
Standortleiter Alexander Bruggner (links) mit Wirtschaftsförderer Reiner Müller.
29.09.2017

5 Jahre Amazon-Logistikzentrum in Pforzheim: „Gute Kommunikation mit Mitarbeitern“

Schon länger hatte das Gerücht im Raum gestanden. Jetzt hat es Alexander Bruggner endgültig dementiert: Der Online-Versandriese Amazon will seinen Pforzheimer Standort nicht erweitern, sagte der hiesige Standortleiter gestern bei einem Tag der offenen Tür vor zahlreichen Medienvertretern und Besuchern aus Politik und Wirtschaft. Aber im rheinland-pfälzischen Frankenthal will man noch in der ersten Hälfte 2018 ein weiteres Logistikzentrum eröffnen.

In Pforzheim ist das US-amerikanische Unternehmen bereits seit fünf Jahren im Gewerbegebiet Buchbusch mit einem sogenannten Non-Con-Lager ansässig: Die meisten der hier gelagerten Produkte sind größer als ein Schuhkarton. In dem 110 000 Quadratmeter großen Logistikzentrum – das entspricht etwa 17 Fußballfeldern – sind rund 1400 Mitarbeiter beschäftigt. Zwei Drittel davon kommen aus Pforzheim, erklärte Bruggner. Mehr als 70 Nationalitäten seien vertreten. Amazon wolle ein offener Gesprächspartner sein, betonte der Standortleiter.

Die Arbeitsbedingungen seien gut. Eine Aussage, die Joseph Brasch und Christos Kalpakidis bestätigten. Der Erste ist stellvertretender Schwerbehindertenvertreter, der Zweite Betriebsratsvorsitzender. Kalpakidis sagte, Amazon würde auch Über-50-Jährigen eine Chance geben.

Mehr als 170 Menschen dieser Altersgruppe seien in Pforzheim unbefristet beschäftigt. Die Löhne seien in den zurückliegenden Jahren deutlich gestiegen. Der Stundenlohn liege derzeit bei etwas mehr als 13 Euro für alle, die seit mindestens zwei Jahren beschäftigt sind. Brasch wies darauf hin, dass in der Goldstadt auch mehr als 30 Schwerbehinderte arbeiten, davon sieben Gehörlose.

Die Kritik, die dem Unternehmen immer wieder entgegenschlägt, kann er nicht nachvollziehen. Mittlerweile gibt es Betriebsräte in allen deutschen Amazon-Logistikstandorten. Bruggner erklärte auf PZ-Nachfrage, am Pforzheimer Standort gebe es keine hohe Fluktuation. Er führte das unter anderem auf die „gute Kommunikation mit den Mitarbeitern“ zurück. Täglich könnten sie freiwillig und anonym an einer Befragung zum Arbeitsumfeld teilnehmen, sagte der Standortleiter. Anhand dieser Daten gründe man Fokusgruppen, um gemeinsam mit den Mitarbeitern Verbesserungen zu erzielen.

Konkret hat man bisher unter anderem die Packstation ergonomischer gestaltet und Vakuumlifter eingeführt, die beim Heben von schweren Teilen helfen sollen. Bruggner erklärte, es gebe Betriebssportgruppen, subventioniertes Mittagessen, kostenlos Wasser, Kaffee, Tee und an zwei Tagen in der Woche Gratis-Obst. Das Unternehmen nehme seine soziale Verantwortung vor Ort ernst, in dem es etwa Vereine und Institutionen unterstütze. In Pforzheim gehöre Amazon zu den größten Gewerbesteuer-Zahlern, sagte Reiner Müller von der Wirtschaft und Stadtmarketing Pforzheim (WSP). Der Geschäftsbereichsleiter Wirtschaftsförderung erklärte, durch Amazon habe der in Pforzheim bereits stark vertretene Versandhandel eine neue Dynamik erfahren.

Millionen Menschen kaufen und verkaufen ihre Produkte mittlerweile über Amazon. Einer von ihnen ist Tobias Gellhaus. Seit Anfang des Jahres vertreibt der Inhaber des Freudentaler Kinderladens seine Produkte auch über Amazon. Mittlerweile mache er fast die Hälfte seines Umsatzes online, sagte Gellhaus. Online würden andere Produkte nachgefragt als im Laden. Gellhaus ist einer von vier Gewinnern der Initiative „Unternehmer der Zukunft“, die kleinen Betrieben mit weniger als 20 Mitarbeitern beim Start in den E-Commerce helfen soll.