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Die Auktion von 5G-Mobilfunkfrequenzen ist abgeschlossen. Was bedeutet dies für die Verbraucher? Foto: Roessler
Die Auktion von 5G-Mobilfunkfrequenzen ist abgeschlossen. Was bedeutet dies für die Verbraucher? Foto: Roessler
14.06.2019

5G-Mobilfunklizenzen versteigert für 6,6 Milliarden Euro – Birgt neue Technologie auch Gefahren für Menschen?

Düsseldorf/Pforzheim. Für den Ausbau des ultraschnellen Mobilfunks 5G ist es ein Startschuss: Mit dem Ende der Frequenzauktion haben sich die Telekommunikationsfirmen ein Spektrum gesichert, mit dem sie künftig ultraschnelles mobiles Internet anbieten können. Es geht um die weltweite Vernetzung von Milliarden Mobiltelefonen und das autonome Fahren. Doch es mehren sich kritische Stimmen. Ärzte und Mobilfunkgegner laufen Sturm.

Was sind die Argumente der 5G-Kritiker?

Im September vergangenen Jahres unterzeichneten 180 Ärzte und Wissenschaftler aus 36 Ländern den so genannten „5G-Appell“ und forderten ein Moratorium. Sie warnen davor, „Millionen von Menschen einem Experiment mit unklaren Auswirkungen auf die Gesundheit auszusetzen“. Die hochfrequenten Mikrowellen im neu geplanten Bereich von sechs bis 100 Gigahertz hätten sehr kurze Wellenlängen von nur fünf Zentimeter bis drei Millimeter Länge. Diese werden speziell ab Frequenzen über 20 Gigahertz in erster Linie durch die Haut absorbiert.

Worin sehen Mobilfunkgegner das Hauptproblem?

Weil Mikrowellen im Unterschied zu Radiowellen durch Glas, Regen und Bäume behindert werden, müssten alle paar hundert Meter neue Funkanlagen erstellt werden. Konsequenz: Die Strahlenbelastung würde dauerhaft erhöht, sagen die Kritiker. Deshalb fordert die Verbraucherschutz-Organisation „diagnose:funk“, dass die Bundesregierung den Aufbau des 5G-Mobilfunknetzes streng reguliert. Dabei müsse der Gesundheitsschutz der Bevölkerung an erste Stelle gesetzt werden – ganz im Sinne des Vorsorgeprinzips. „Der Staat muss beim 5G-Mobilfunk dringend seine Regulierungsfunktion wahrnehmen – zum Schutz der Bevölkerung“, fordert Jörn Gutbier, Vorsitzender von diagnose:funk. „Bis heute liegt keine Technikfolgenabschätzung für die jetzt versteigerte 5G-Mobilfunkstrahlung vor.“

Was ist das Ergebnis der Frequenzauktion?

420 Megahertz Spektrum hat die Bundesnetzagentur an vier Firmen verkauft. Die Deutsche Telekom und Vodafone konnten sich jeweils 130 Megahertz sichern, Telefónica 90 Megahertz und der Neueinsteiger Drillisch nur 70 Megahertz. Insgesamt rund 6,6 Milliarden Euro müssen die Firmen an den Staat zahlen.

Was geschieht mit den Einnahmen?

Das Geld geht an den Bund. Oppositionspolitiker wie der FDP-Bundestagsabgeordnete Frank Sitta warnen davor, es dürfe nicht „im Haushalt versickern“. Tut es nicht, heißt es von der Bundesregierung. So betont Infrastrukturminister Andreas Scheuer (CSU), das Geld fließe „zu 100 Prozent“ in einen Förderposten, mit dem der Festnetz-Breitbandausbau auf dem Land angeschoben und die Digitalisierung der Schulen ermöglicht werden sollen.

Wer darf sich als Gewinner fühlen?

Glaubt man den Telekommunikationskonzernen, so sehen sie sich nun zwar alle gut aufgestellt, aber nicht als strahlender Sieger. Grund hierfür: die hohen Kosten – die Telekom muss 2,2 Milliarden Euro zahlen, Vodafone 1,9 Milliarden, Telefónica 1,4 Milliarden Euro und Drillisch 1,1 Milliarden. Viel zu viel, stöhnen die Unternehmen – das Geld hätten sie lieber in den Netzausbau gesteckt. Klar ist aber, dass die Deutsche Telekom und Vodafone ihre ohnehin schon gute Position am Markt stärken können. Telefónica und Drillisch wollten mehr. Telefónica machte bei dem Wettbieten recht früh Abstriche, Drillisch gab im Ringen um einen Block erst ganz am Ende klein bei.

Ein Netzbetreiber mehr – ist das eine gute Nachricht ?

Davon gehen Experten aus – weil künftig vier statt wie bisher drei Konzerne mit eigenen Netzen um die Gunst der Kunden buhlen, verschärft sich der Wettbewerb und die Preise für Handyverträge könnten tendenziell fallen.

Warum ist 5G so wichtig?

Deutschlands Industrie will dank des ultraschnellen Standards global wettbewerbsfähig bleiben. Der Download ist im Vergleich zu 4G/LTE etwa 100 Mal schneller, die Latenz – also die Reaktionszeit – ist nahezu in Echtzeit. Ob vernetzte Produktionsmaschinen und Roboter oder selbstfahrende Autos – für sie ist 5G der Schlüssel.

Wann haben Privatleute etwas von 5G?

Das dauert noch. Bislang gibt es kaum Smartphones auf dem Markt, die 5G-fähig sind. Es ist auch noch unklar, wann so viele neue Anlagen aktiviert sind, dass die ersten 5G-Mobilfunkverträge verkauft werden können. In der zweiten Jahreshälfte 2020 dürfte 5G massenmarktfähig sein.