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Ein Drittel der Filialen von Galeria Karstadt Kaufhof sollen schließen.  Foto: Dedert/dpa 

80 Kaufhof-Filialen auf dem Prüfstand: Beschäftigte in Pforzheim dürfen noch hoffen

Düsseldorf/Pforzheim. Gut ein Drittel der Galeria-Karstadt- Kaufhof-Warenhäuser ist nach Einschätzung der Sanierer nicht zu retten. „Von den insgesamt 172 Warenhäusern könnten am Ende im Idealfall vielleicht fast zwei Drittel weiter machen“, sagte der vorläufige Sachwalter der Warenhauskette Frank Kebekus der „Wirtschaftswoche“. Das würde die Schließung von mindestens 58 Häusern bedeuten. Ob der traditionsreiche Kaufhof-Standort in Pforzheim überlebt, ist noch offen. „Es ist bei weitem nicht der schlechteste Standort“, heißt es aus gut informierten Kreisen. Die Chancen für eine Weiterführung stünden recht gut.

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Tausende Arbeitsplätze in Gefahr: Galeria Karstadt Kaufhof will bis zu 80 Häuser schließen

„Wir haben allen Beteiligten klar gemacht, dass 80 Häuser „im Feuer“ stehen“ sagte Kebekus. Doch gebe es für mehr als ein Dutzend dieser Filialen noch Hoffnung. „Wenn es für diese Standorte noch Zugeständnisse von Vermietern und anderen Beteiligten gibt, kann es dort durchaus weiter gehen“, sagte Kebekus. Andere Filialen seien dagegen selbst durch Zugeständnisse der Vermieter und der Beschäftigten nicht zu retten. „Es gibt Warenhäuser, die sich nicht profitabel betreiben lassen, selbst wenn das Unternehmen keinen Cent Miete zahlen müsste.“

"Es ist bei weitem nicht der schlechteste Standort."

Gut informierte Kreise sehen noch Chancen für den Kaufhof-Standort Pforzheim.

Nach Informationen der „Wirtschaftwoche“ rechnen Insider mit dem Abbau von insgesamt rund 5000 Vollzeitstellen bei dem Unternehmen. Aktuell beschäftigt Galeria Karstadt Kaufhof noch rund 28 000 Mitarbeiter. Bei der Gewerkschaft Verdi sorgten die Pläne der Warenhaus-Sanierer für Empörung. Verdi-Vorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger warf dem Konzern vor, einen „Kahlschlag auf Kosten der Beschäftigten“ zu planen. „Das ist brutal! Es hat den Anschein, dass die Unternehmensleitung und der Eigentümer die Corona-Krise missbrauchen, um ihre ursprünglichen Planungen von Standortschließungen und Entlassungen doch noch umzusetzen“, sagte die Gewerkschafterin.

Bei der Warenhauskette Galeria Karstadt Kaufhof ist ein Drittel der Filialen nach Schätzung von Sanierern nicht mehr zu
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Sanierer: Drittel der Karstadt-Kaufhof-Filialen vor Aus

Noch kurz vor Weihnachten hatte die Gewerkschaft mit dem Konzern einen Sanierungstarifvertrag abgeschlossen, der unter anderem eine Standort- und Beschäftigungssicherung enthielt. Seitdem Galeria Karstadt Kaufhof unter dem Eindruck der Corona-Krise Anfang April seine Rettung in einem Schutzschirmverfahren suchte, ist der Vertrag jedoch Makulatur. In einem Brief an die Mitarbeiter berichtete die Unternehmensführung am Montag, der gerichtlich bestellte Sachwalter Frank Kebekus und der Generalbevollmächtigte Arndt Geiwitz hätten klar gemacht, dass es angesichts der Corona-Krise „leider auch zu Standortschließungen und Arbeitsplatzabbau kommen muss“.

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Nach einem Bericht des „Kölner Stadt-Anzeigers“ (Samstag) stehen 20 der 30 Filialen von Karstadt-Sport vor dem Aus. Geschlossen werden sollen demnach 100 der 130 Reisebüros. Außerdem soll allein in der Essener Zentrale von Galeria eine dreistellige Zahl an Jobs wegfallen, dort arbeiten derzeit 1.600 Menschen.