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Martin Keppler Roller
Martin Keppler Roller
26.02.2016

„Acht-Stunden-Tag ist passé“ - IHK-Chef über Fachkräftemangel

„Sind die Flüchtlinge unsere Fachkräfte von übermorgen?“, lautete die provokante Frage des Keltener CDU-Ortsvereinsvorsitzenden Michael Sengle an die Adresse von Martin Keppler. Den Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Nordschwarzwald konnte er damit aber nicht aus der Reserve locken.

Der gab in Keltern zunächst einen Ausblick auf das Jahr 2025, so wie er es sich vorstellt: Dann würden Industriemechaniker weniger verdienen als OP-Schwestern, Maschinen mit Hilfe des Internets von zu Hause aus gesteuert, Schulbusse die Kinder morgens abholen und abends wieder heimbringen, die Welt noch weiter vernetzt sein und Service-Roboter im Biergarten bedienen.

Längst Realität

„All das ist irgendwo heute schon Realität“, stellte Keppler fest. Die Steuerung von Maschinen über das Internet sei beispielsweise technisch längst realisierbar und werde bald auch in mittelständischen Unternehmen Einzug halten. Damit einher gehe eine veränderte Bewertung von Arbeitsaufgaben, so dass ganz andere Qualifikationen der Mitarbeiter und ein neuer Umgang untereinander nötig seien. Aufgrund der steigenden Aufgabenvielfalt sei es wichtig, entsprechende Weiterbildungen anzubieten. „Im Dienstleistungsbereich wird der Fachkräftemangel evident sein“, ist sich Keppler sicher. Vor allem im Gesundheitssystem werde man deshalb zu einer besseren Bezahlung übergehen müssen.

Veränderungen sieht der Kammer-Chef aber auch auf die Betriebe selbst zukommen: Mit der „Industrie 4.0“ würden virtuelle Arbeitswelten entstehen, in denen die Maschinen alleine laufen, während der Mensch nur noch für die Überwachung zuständig ist. „Den klassischen Acht-Stunden-Tag gibt es in Zukunft nicht mehr“, prognostizierte Keppler, der eine Vermischung von betrieblichen und privaten Strukturen für wahrscheinlich hält. Das sei natürlich mit Auswirkungen auf die Familien verbunden und mache eine gute Work-Life-Balance notwendig. Keppler ist sich sicher, dass die deutsche Wirtschaft hier auf einem guten Weg ist.

Kleinen Unternehmen helfen

Zentrales Thema in der anschließenden Diskussion war die Breitbandverbindung im ländlichen Raum. Keppler sah genauso wie die Landtagsabgeordnete Viktoria Schmid die unbedingte Notwendigkeit, diese Verbindung so schnell wie möglich weiter auszubauen. Schließlich seien auch Unternehmen darauf angewiesen. Die Kreis- und Ortsvorsitzende des Bundes der Selbstständigen (BDS) Angela Zipse-Trautz bescheinigte der Politik hier großen Nachholbedarf: „Es ist wirklich wichtig für Unternehmer, dass man daran arbeitet.“ Außerdem forderte sie mehr Unterstützung besonders kleinerer Betriebe, die oft mit der Konkurrenz aus dem Internet zu kämpfen hätten.