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Die neue Geschäftsleitung von Admedes (von links): Prokurist Dirk Heining, die beiden Geschäftsführer Axel Pfrommer und Frank Nauheimer sowie Vertriebsleiter Christoph Lenze.
Die neue Geschäftsleitung von Admedes (von links): Prokurist Dirk Heining, die beiden Geschäftsführer Axel Pfrommer und Frank Nauheimer sowie Vertriebsleiter Christoph Lenze.
29.10.2015

Admedes schreibt wieder schwarze Zahlen: Medizintechnik-Firma hat Krise überwunden

Pforzheim. Selten hat wohl eine Firmenübernahme für so wenig Aufregung in der Belegschaft gesorgt: Wie berichtet hat die Pforzheimer G. Rau-Gruppe am vergangenen Samstag die Medizintechnik-Firma Admedes Schuessler von Firmengründer Andreas Schüßler komplett übernommen.

Seit deren Gründung im Jahr 1996 war man dort mit einer Zweidrittelmehrheit beteiligt. Auf die Unterstützung durch Andreas Schüßler, den Gründer und langjährigen geschäftsführenden Gesellschafter, will die G. Rau-Gruppe indes nicht ganz verzichten. „Dr. Schüßler bleibt dem Unternehmen in den nächsten drei Jahren als Berater verbunden“, betont Axel Pfrommer, jetzt auch Vorsitzender der Geschäftsführung von Admedes. Der G. Rau-Chef wird auch hier von Frank Nauheimer als kaufmännischer Geschäftsführer unterstützt. „Wir haben viele schlaue Köpfe an Bord“, versichert Prokurist Dirk Heining, die in die Fußstapfen des Firmengründers treten könnten. „Wir haben einige Innovationen in der Pipeline“, erläutert Christoph Lenze, Leiter Vertrieb und Marketing in einem Pressegespräch. Die Kunden blieben dem Pforzheimer Medizintechnikunternehmen jedenfalls auch in der Krise treu. Trotz aller Sparmaßnahmen sei die Lieferfähigkeit oberstes Gebot gewesen.

Bis zum Jahr 2013 war Admedes eine Erfolgsgeschichte – die Umsatzkurve stieg fortwährend. Durch eine Rückrufaktion bei einem Hauptkunden geriet der Absatz von speziellen Stents (Gefäßstützen für Blutgefäße) quasi über Nacht ins Stocken. Statt eines geplanten Umsatzanstiegs auf über 100 Millionen Euro brachen die Erlöse ein. Ein Neubau in einer Größenordnung von 32 Millionen Euro belastete zusätzlich das Ergebnis. Admedes schrieb 2014 erstmals rote Zahlen. Ein drastisches Sparkonzept mit einem massiven Personalabbau folgte. Die Schockstarre wurde mittlerweile überwunden, berichtet Pfrommer. „Wir sind wieder auf einem guten Weg.“ Die verbliebenen 500 Mitarbeiter hätten „sensationell mitgezogen“. Die Fixkosten wurden um zehn Millionen Euro gesenkt und die Finanzverbindlichkeiten zwischenzeitlich um 20 Prozent auf 35 Millionen Euro reduziert. Nach zweijähriger Stagnation soll in diesem Jahr wieder ein Gewinn von drei Millionen Euro erzielt werden. „Dass dies so schnell ging, hat uns selbst überrascht.“

Rund 50 zusätzliche Mitarbeiter wurden seit Jahresbeginn eingestellt – allerdings als Leiharbeiter, um weiterhin flexibel zu bleiben, wie Nauheimer ausführt. Darunter sind auch elf frühere Mitarbeiter, „die gerne wieder zu Admedes gekommen sind“. Neben den lasergeschnittenen Stents und Herzklappenrahmenhaltern werden flexible Drahtgewebe aus Nitinol auch geflochten. Neue Einsatzgebiete für die Admedes-Produkte gebe es beispielsweise in der Orthopädie im Bereich der Bandscheiben-Behandlung.

Die G. Rau-Gruppe ist jetzt alleiniger Gesellschafter des Weltmarktführers für Gefäßstützen aus Nitinol. Trotz der neuen Eigentumsverhältnisse werde die Firma als eigenständiges Unternehmen weitergeführt. Gegründet wurde die Admedes Schuessler GmbH 1996 – damals noch unter dem Namen Euroflex Schüßler GmbH von Andreas Schüßler und der G. Rau-Tochterfirma Euroflex.