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Ulrich Rasche (rechts) erläutert den Besuchern die anlaufende Maskenproduktion bei Admedes.  Foto: Neff 
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Philipp Dörflinger (von links), Philippe Singer, Alexandra Baur (alle vom Arbeitskreis Gesundheit der CDU), Bundestagsabgeordnete Karin Maag (CDU), Admedes-Chef Frank Nauheimer, CDU-Stadträtin Oana Krichbaum, Bundestagsabgeordneter Gunther Krichbaum (CDU) und Christian Roser (AK Gesundheit.) vor der Pforzheimer Firmad Admedes, die jetzzt auch Atemschutzmasken produziert.  Foto: Neff 

Admedes startet Produktion von Atemschutzmasken

Pforzheim. Die weltweite Corona-Pandemie hat deutlich gemacht, wie wichtig die medizinische Versorgung der Bevölkerung mit regional verfügbaren Produkten ist. Schutzmasken und Medikamente wurden knapp. Auf Initiative des Pforzheimer CDU-Bundestagsabgeordneten Gunther Krichbaum und des Arbeitskreises Gesundheit besuchte am Mittwochabend die gesundheitspolitische Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Karin Maag, die Goldstadt. Neben der Arcus-Klinik war die Pforzheimer Medizintechnik-Firma Admedes das Ziel der politischen Delegation. Im Mittelpunkt des Gesprächs stand die Rückverlagerung der Arzneimittel- und Medizinausrüstungsproduktion nach Deutschland.

Im Rahmen der deutschen EU-Ratspräsidentschaft will Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) die Rückholung der Produktion wichtiger Arzneistoffe nach Europa in Angriff nehmen. Und was andere Medizinprodukte anbelangt, geht Admedes einen großen Schritt voran. Denn das Pforzheimer Unternehmen startet bereits in der kommenden Woche mit der Produktion von FFP 2-Gesichtsmasken, wie Admedes-Geschäftsführer Frank Nauheimer erläuterte.

Die Nachfrage nach Masken aller Art ist gigantisch. Die bundesdeutschen Kliniken brauchen nach Angaben der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) schon im Normalbetrieb pro Monat 17 Millionen FFP-2-Masken sowie 45 Millionen OP-Masken. Nun geht die Bundesregierung davon aus, dass alleine im Gesundheitswesen durch die Corona-Pandemie ein Jahresbedarf von bis zu 450 Millionen FFP-2-Spezialmasken besteht. Hinzu kommen eine Milliarde OP-Masken als Mund-Nasenschutz. Und dazu wiederum all die Masken, die nicht in Krankenhäusern oder Kliniken getragen werden, sondern beim Einkaufen, in Bus und Bahn oder in der Schule.

Admedes hat sich deshalb im April an einer Ausschreibung des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) beteiligt. Produziert werden sowohl sterile OP-Masken im Reinraum als auch Mund-Nasen-Schutz für Pflegekräfte. „Der Aufbau dieser Fertigung ist ein Kraftakt“, wie Entwicklungsingenieur Ulrich Rasche den Besuchern erläuterte. Denn bislang produziert Admedes ganz andere Produkte.

Das Pforzheimer Unternehmen, das zur G.Rau-Gruppe gehört, beschäftigt 825 Mitarbeiter und ist weltweit führend in der Herstellung von filigranen Gefäßimplantaten (Stents) und Miniaturkomponenten (Herzklappenrahmen) aus Nitinol. Diese spezielle metallische Legierung besitzt ein sogenanntes Formgedächtnis. Nach der Implantation in den menschlichen Körper nehmen die Gefäßstützen durch die Wärme ihre ursprüngliche Form an und halten die Venen und Arterien offen für einen ausreichenden Blutfluss. Weltweiter Umsatz 110 Millionen Euro. Auch das Stammhaus G. Rau – gegründet im Jahr 1877 in der Goldstadt – beschäftigt sich mit der Verarbeitung von Nitinol. Jetzt startet Admedes zusätzlich auf der Wilferdinger Höhe die Maskenproduktion und hofft auf eine rasche CE-Zertifizierung durch die Prüforganisation Dekra, wie Rasche anmerkt. Denn Admedes muss ab Mitte August 1,5 Millionen zertifizierte Masken pro Woche an das BMG liefern. Die vier Fertigungslinien kommen vom Automatisierungspartner IMSTec in der Nähe von Mainz, der auch optimierte Anlagen für die Maskenproduktion in China konzipiert hat. Anfragen für Schutzmasken gibt es auch aus Indien und den USA, ergänzt Rasche.

Der Pforzheimer Arbeitskreis Gesundheit setzt sich für eine gute gesundheitliche und pflegerische Versorgung in der Region ein, wie die Vorsitzende Alexandra Baur ausführte. In diesem Gremium hätten sich Mitglieder aus der Ärzteschaft, Apothekern und medizinischen Dienstleistern zusammengefunden, die Impulse an die Politik geben. Dazu nutzen sie auch den Besuch bei Admedes.