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Diskussionsrunde mit (von links): Kacper Poteca (AOE GmbH), Prof. Stephan Fischer (Hochschule Pforzheim), Joern Bock (AOEGmbH), Kristin Lutz (Hypoport AG) und Prof. Cathrin Eireiner (Hochschule Pforzheim). Foto: Frommer
Diskussionsrunde mit (von links): Kacper Poteca (AOE GmbH), Prof. Stephan Fischer (Hochschule Pforzheim), Joern Bock (AOEGmbH), Kristin Lutz (Hypoport AG) und Prof. Cathrin Eireiner (Hochschule Pforzheim). Foto: Frommer
17.05.2017

„Agilität“ als zentraler Faktor im globalen Wettbewerb

Pforzheim. Nicht nur im globalen Wettbewerb gilt: Zunehmend rascher Wandel verlangt von allen Organisationen Flexibilität, Innovationskraft und die Fähigkeit, kommende Entwicklungen früh zu antizipieren, um angemessen handeln zu können. Diese drei Kernfaktoren werden seit einiger Zeit unter dem Begriff „Agilität“ diskutiert.

Pforzheim. Nicht nur im globalen Wettbewerb gilt: Zunehmend rascher Wandel verlangt von allen Organisationen Flexibilität, Innovationskraft und die Fähigkeit, kommende Entwicklungen früh zu antizipieren, um angemessen handeln zu können. Diese drei Kernfaktoren werden seit einiger Zeit unter dem Begriff „Agilität“ diskutiert.

Stephan Fischer, Direktor des Instituts für Personalforschung an der Hochschule Pforzheim, kennt noch einen weiteren, zentralen Faktor der Agilität und für das damit verbundene „Lernen als Organisation“: Die Fähigkeit und den Willen, erworbenes Wissen, beispielsweise eines Unternehmens oder einer Behörde, auch tatsächlich allen relevanten Personen zur Verfügung zu stellen. Mit der elften Auflage der Hochschul-Reihe „Business Meets Science“, so erläutert Fischer bei seinen einleitenden Sätzen, folge man einem Wunsch aus den Reihen der Zuhörer, den er so zitierte: „Agilität hätten wir gerne noch einmal“.

Wie wichtig eine Anpassung an veränderte Kundenwünsche ist, lässt Fischer mit dem Hinweis auf das Unternehmen Nokia Revue passieren: Der finnische Konzern bewegte im Jahr 2000 alleine mit seiner Handy-Sparte einen Umsatz von 21,9 Milliarden Euro. 2014 hat er sie de facto eingestellt. In seinem Referat lenkt Fischer die Aufmerksamkeit auf eine grundsätzliche Unterscheidung: Geht es um einen Wandel erster Ordnung, also um einen Markt, der sich nur teilweise verändert? Oder geht es um einen Wandel zweiter Ordnung, also um eine mehrdimensionale, disruptive Veränderung, die zu einem vollständigen Paradigmenwechsel zwingt?

Auch in den beiden nachfolgenden Beiträgen von Kristin Lutz (Hypoport, Berlin) und Kacper Potega (AOE, Wiesbaden) wird rasch deutlich: Die Transformation eines am Markt agierenden Unternehmens mit dem Ziel, die Agilität nachhaltig zu verbessern, erfordert schrittweises Vorgehen, absolute Rückendeckung seitens des Vorstands und ein „agiles Beiboot“, auf dem Experimente gewünscht sind. „Ich erlebe Gewerkschaften, die beginnen, in Agilität auch eine Chance sehen.“, so Prof. Dr. Stephan Fischer.

Die sich an die Vorträge anschließende Diskussion nimmt sofort Fahrt auf, da auch Personalverantwortliche aus Unternehmen anwesend sind, die gerade in der Transformation sind. Allgemeiner Konsens ist: „Widerstand gegen den (eigenen) Machtverlust kann nur aufgebrochen werden durch Menschen, die noch mehr Macht haben“. Joern Bock (AOE) widerspricht in einer Gegenrede der zuvor von Kristin Lutz vertretenen Auffassung, man könne bei Bewerbern „ein richtiges Mind Set entwickeln“. Seine Sicht: „Wir haben keinen Erziehungsauftrag“ – und „es kann bei einer Transformation auch Verlierer geben“. Die vom Podium geäußerte Anregung, Bewerber künftig durch ein Team im agilen Beiboot oder „Digitalwerk“ statt von der Personalabteilung rekrutieren zu lassen, löst beim Publikum die durchaus kritische Nachfrage aus, wer denn dann bei der Erteilung und Abwicklung einer Entlassung die Verantwortung übernehme.

Allesamt Fragen, die Stoff für die auf den Nachmittag terminierten Workshops liefern. Vorab merkt Stephan Fischer aber an: „Wir wissen gar nicht, ob die Teams das alles überhaupt machen können.“ An die anwesenden Studierenden des Fachbereichs Human Resources (Personalwesen) gewandt, fügt er humorvoll hinzu: „Ganz unnötig werden wir Personaler nicht werden; aber unsere Rolle wird sich ändern.“

Weitere Infos: www.aoe.com, www.hypoport.de, www.hs-pforzheim.de/forschung/institute/institut_fuer_personalforschung_ifp