nach oben
Schluss mit Plastik? Aldi verlangt künftig für solche Beutel Geld. Allerdings nur einen Cent pro Tüte. Foto: Aldi
Schluss mit Plastik? Aldi verlangt künftig für solche Beutel Geld. Allerdings nur einen Cent pro Tüte. Foto: Aldi
12.06.2019

Aldi setzt ein Tüten-Zeichen

Der Discounter Aldi will Vorreiter im Kampf gegen Plastik sein. Doch die Pläne stoßen bei Umweltschützern auf wenig Gegenliebe.

Die klassischen Plastiktüten sind im deutschen Lebensmittelhandel kaum noch zu finden. Doch dünne Plastikbeutel zur Verpackung von losem Obst und Gemüse werden nach wie vor milliardenfach verwendet. Dagegen will Aldi nun etwas tun. Der Discounter kündigte gestern an, er werde im Interesse des Umweltschutzes die kostenlosen Obst- und Gemüsebeutel abschaffen.

Wer bei dem Billiganbieter beim Einkauf von Äpfeln, Birnen oder Tomaten nicht auf den sogenannten Knotenbeutel verzichten will, muss dafür vom Sommer an einen Cent pro Stück zahlen, wie das Unternehmen gestern ankündigte. Dafür ist der Beutel dann aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt. Bei Umweltschützern und anderen Handelsketten stieß der Vorstoß des Händlers allerdings auf Kritik.

Bisher bieten die großen Lebensmittelhändler die dünnen Kunststoffbeutel in ihren Obst- und Gemüseabteilungen in der Regel noch kostenlos an. Aldi will diese Praxis jedoch beenden und damit eine Vorreiterrolle im deutschen Einzelhandel übernehmen. „Wir würden uns freuen, wenn andere Händler mitziehen. Denn nur durch eine branchenweite Lösung können wir bei der Reduzierung der Plastiktüte einen großen Schritt nach vorne machen“, sagte Aldi-Managerin Kristina Bell. Die Erfahrung bei den normalen Plastiktüten habe gezeigt, dass Umdenken einsetze, wenn Geld dafür verlangt werde.

Während der Verbrauch an „klassischen“ Plastiktüten in den vergangenen Jahren drastisch gesunken ist, wurden auch 2018 in Deutschland nach Angaben des Bundesumweltministeriums noch rund drei Milliarden der dünnen Knotenbeutel verbraucht, ähnlich viele wie in den Jahren zuvor.

Bei Umweltschützern stieß die Aldi-Initiative dennoch auf Vorbehalte. Die Deutsche Umwelthilfe bewertete den Schritt als „reine Symbolpolitik“. Ein signifikanter Lenkungseffekt sei bei einem derart niedrigen Preis nicht zu erwarten. Auch Greenpeace-Sprecherin Viola Wohlgemuth bezeichnete die Initiative als „Augenwischerei“. Wenn Aldi wirklich etwas tun wolle, müsse es das Einkaufen von unverpackten Produkten aktiv fördern. „Toll wäre es, wenn es einen Preisnachlass für unverpackt gekaufte Ware geben würde, statt mehr Geld für die Beutel zu nehmen. Das könnte gerade bei der preisorientierten Kundschaft von Aldi funktionieren“, sagte sie.

Kritik an Aldis Vorstoß kam auch von konkurrierenden Einzelhändlern. Ein Edeka-Sprecher verwies darauf, dass die sogenannten Knotenbeutel im Discount ohnehin kaum eine Rolle spielten, da dort nur wenige Produkte lose verkauft würden. Auch das die Kunden künftig für die Beutel in die Tasche greifen sollen, kam bei der Konkurrenz nicht gut an. „Bisher werden die Kontenbeutel dem Kunden frei zur Verfügung gestellt. Diesen Service lässt sich Aldi zukünftig bezahlen und verdient auch noch an der Maßnahme“, rügte der Edeka-Sprecher.

Die Handelsgruppe Rewe verwies darauf, dass sie sowohl in den Rewe-Märkten als auch bei der Discount-Tochter Penny neben den Knotenbeuteln auch wiederverwendbare Mehrwegnetze für Obst und Gemüse anbiete. Das werde von den Kunden gut angenommen. Von Lidl war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten. Doch hat der Discounter bereits angekündigt, ab dem Sommer ebenfalls wiederverwendbare Mehrwegnetze anzubieten. Real will in der Obst- und Gemüseabteilung die Knotenbeutel-Spender Schritt für Schritt durch solche für Mehrwegnetze ersetzen.