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Hans Peter Barth, der Geschäftsführer der Pforzheimer Trauringmanufaktur egf, Referent Professor Peter Post aus Esslingen und der Höfener Pfarrer Ulrich Hilzinger (von links).  Ketterl
Hans Peter Barth, der Geschäftsführer der Pforzheimer Trauringmanufaktur egf, Referent Professor Peter Post aus Esslingen und der Höfener Pfarrer Ulrich Hilzinger (von links). Ketterl
14.10.2015

Alles dreht sich um die Liebe: Trauring-Manufaktur egf pflegt kameradschaftlichen Umgang mit Mitarbeitern

Wenn es um den schönsten Tag des Lebens geht, fühlen sich zwei Berufsgruppen besonders zuständig: die Hersteller von Trauringen und die Pfarrer. Kein Wunder, dass das „Forum Kirche und Wirtschaft“ der evangelischen Kirchenbezirke Pforzheim Stadt, Pforzheim Land und Neuenbürg zu einer Betriebsbesichtigung der Pforzheimer Trauring-Manufaktur egf, Eduard G. Fidel, auf der Wilferdinger Höhe eingeladen hatte. Unternehmer und Geistliche der Region sind gekommen.

Anschließend bat der Initiator, Höfens evangelischer Pfarrer Ulrich Hilzinger, die Teilnehmer des vierstündigen Treffens zu einem Referat in die Matthäusgemeinde im Arlinger. Dort berichtete Professor Peter Post, der Chef der Forschungsabteilung des Esslinger Unternehmens Festo, das Komponenten für Automatisierungstechnik herstellt, über „Herausforderungen für Mensch und Technik“.

Doch zunächst gab egf-Geschäftsführer Hans Peter Barth Einblicke in das seit 1933 bestehende Traditionsunternehmen. Dabei wusste er Ungewöhnliches: „Alle in der Firma sind miteinander per Du. Das ist ein großes Vertrauen, aber auch ein hoher Anspruch.“ Selbst mit Lehrlingen duzt sich der Chef. Zwei Erlebnistage pro Monat gibt es für Händler und Verkäufer. Seinen Mitarbeitern bietet er monatlich ein gemeinsames Frühstück mit aktuellen Informationen. „Wenn wir das Budget überschreiten, wird aus dem Frühstück ein Lunch. Das hatten wir in diesem Jahr dreimal.“ Für Barth steht fest: „Wir müssen die Mitarbeiter wie Kunden behandeln.“ Dazu gehöre, dass alle „locker bleiben.“ Deshalb wird einmal wöchentlich eine 25-minütige Massage verabreicht, zu der jeder Beschäftigte lediglich fünf Euro beisteuern müsse. „Nächstes Jahr weiten wir dieses Angebot auf zweimal pro Woche aus“, kündigte er an.

„Mensch bleibt im Mittelpunkt“

Professor Peter Post, Forschungschef der weltweit knapp 18 000 Mitarbeiter großen Firma Festo, verbindet einiges mit der Kirche: „Ich war 20 Jahre lang in der Gemeindeleitung einer evangelischen Freikirche in Esslingen tätig.“ Für den Honorarprofessor ist es wichtig, „verantwortlich zu handeln und gesund zu wachsen“. Die Digitalisierung aller Lebensprodukte ergibt für ihn „eine Reihe von Chancen“. Für Post steht fest: „Der Mensch steht auch in Zukunft im Mittelpunkt der Produktion.“ Der Träger des Deutschen Zukunftspreises 2010 hatte diese Auszeichnung für die Mitentwicklung eines einem Elefantenrüssel nachempfundenen Roboterarms erhalten, „der gefahrlos mit Menschen kooperiert“.

Von Pfarrer Hilzinger wurde er in der angeregten Diskussion gefragt, ob die zunehmende Automatisierung ethisch vertretbar sei. Post bekannte ohne Ausflüchte: „Darauf habe ich keine Antwort.“