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Bei der Preisverleihung (von links): Christian Hirte, Staatssekretär beim Bundesminister für Wirtschaft und Energie, Elke Büdenbender, Ehefrau des Bundespräsidenten, Michelle Baier, Joshua Ries und Hannes Frey (alle Firma Kleiner) und Mandy Pastohr, Geschäftsführerin RKW Kompetenzzentrum.  Foto: RKW Kompetenzzentrum / David Ausserhofer 

Als Digiscouts leisten sie bei Firma Kleiner digitale Pionierarbeit - Zwei Azubis aus Pforzheim in Berlin ausgezeichnet

Pforzheim. Tablet statt Zettelwirtschaft: Beim PZ-Besuch in der Pforzheimer Präzisionstechnik-Schmiede im Frühjahr stellte Firmenchef Thomas Kleiner stolz das Digitalisierungsprojekt seiner Auszubildenden vor. Jetzt wurden Michelle Baier und Joshua Ries in Berlin vom Deutschen Industrie und Handelskammertag (DIHK) und dem RKW Kompetenzzentrum im Haus der Deutschen Wirtschaft ausgezeichnet. Auszubildende, die weit mehr tun, als einen Beruf zu erlernen: Sie suchen und finden Digitalisierungspotenziale und geben mit ihren Ideen wichtige Impulse für die Digitalisierung ihrer Ausbildungsbetriebe, so die Jury.

Seit dem Projektstart in 2018 sind deutschlandweit insgesamt 360 Digiscouts ins Rennen gegangen. Aus den ersten 70 Projekten wurden zwölf Finalisten und daraus wiederum die Gewinner gekürt. Zu den preisgekrönten Betrieben zählt auch die Kleiner GmbH aus Pforzheim. Die zwei Auszubildenden des Stanztechnikspezialisten haben den – bis dahin mit handschriftlichen Aufträgen abgewickelten – Prozess der Materialbestellung digitalisiert und nach erfolgreicher Pilotierung wurde das neue Verfahren großflächig im Unternehmen eingeführt. Angebunden an das ERP-System, liefert es jetzt stets aktuelle und fehlerfreie Materialbestände an Lager und Produktion. Das Projekt wird insbesondere wegen des hohen wirtschaftlichen Kosten-Nutzen-Verhältnisses ausgezeichnet und weil es wertschöpfende Prozesse tangiert.

Zu den Digiscouts sagte Frau Büdenbender: „Die Teilhabe der Menschen an der Digitalisierung liegt mir sehr am Herzen. Wir sollten alle Perspektiven mit einbeziehen: jung, alt, männlich, weiblich. Wir müssen dafür Sorge tragen, die Menschen von klein auf zu ermächtigen, mit der Digitalisierung und mit deren Auswirkungen umzugehen. Wir müssen Arbeitsplätze sichern und eine Arbeitswelt gestalten, die niemanden zurücklässt. Digitalisierung darf die Gesellschaft nicht spalten.“ Hannes Frey, Ausbilder bei der Kleiner GmbH, sagte nach der Preisverleihung: „Ich bin stolz auf meine Azubis. Auf jeden Fall würden wir nochmal am Digiscout-Projekt teilnehmen. Wir haben weiteres Digitalisierungs-Potenzial gefunden und werden höchstwahrscheinlich wieder zwei Azubis anmelden.“ Nachhaltigkeit ist kein Lippenbekenntnis, sondern gelebte Praxis im Hause Kleiner.

Und was die Digitalisierung angeht, merkt der Besucher schon beim Betreten des Firmengebäudes, wo er sich an einem Display digital an- und abmelden muss. Digitale Technologien ziehen sich durch die gesamte Wertschöpfungskette – von der Konstruktion der Werkzeuge, der Materialbeschaffung und Produktionssteuerung bis hin zur Logistik der gestanzten Produkte. Mehrere Milliarden Teile werden bei Kleiner pro Jahr gefertigt und weltweit an Kunden in der Elektro- und Autoindustrie ausgeliefert.