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Zur Weihnachtszeit ist Hochsaison im Pforzheimer Logistik-Center von Amazon. Von links: Standortleiter Alexander Bruggner mit dem Packer Evan Ali Kheder, der aus dem Irak stammt.
Zur Weihnachtszeit ist Hochsaison im Pforzheimer Logistik-Center von Amazon. Von links: Standortleiter Alexander Bruggner mit dem Packer Evan Ali Kheder, der aus dem Irak stammt.
02.12.2015

Amazon: 20 Jahre Wachstum und längst kein Ende in Sicht

Pforzheim. Hätte Jeff Bezos vor über 20 Jahren bei seinem stationären Händler in den USA nicht rund zwei Wochen auf eine Buchbestellung warten müssen, dann gäbe es heute vielleicht nicht den Versandriesen Amazon.

Wer weiß, die Buchhändler hätten möglicherweise weniger Existenzprobleme und die Innenstadtgeschäfte hätten ihre einträgliche Kundenfrequenz halten können.

Impuls für die Gründung von Amazon war die an Service arme Einzelhandelserfahrung von Bezos, die in die Eröffnung eines eigenen Online-Shops mündete. Vom 16. Juli 1995 an verschickte der Visionär zunächst ausschließlich Bücher von einer Garage in Seattle zeitnahe an die Besteller. Zwei Jahrzehnte später ist ein gigantischer virtueller Gemischtwarenladen entstanden – mit dem Anspruch, „das kundenorientierteste Unternehmen der Welt“ zu sein, und mit der Mission „die größte Auswahl der Welt“ zu bieten. Knapp 285 Millionen aktive – also regelmäßig bestellende – Kunden zählt Amazon weltweit. Im Sortiment ist neben gedruckter und digitaler Literatur fast alles zu bekommen – von A wie Adventskalender über Elektronik und Spielzeug bis hin zu Z wie Zugluftstopper. Amazon produziert TV-Serien und bietet einen eigenen Streaming-Stick, ähnlich wie Googles Chromecast – um einiges zu nennen. Bezos Vision geht ein gewaltiges Stück weiter: Er würde gerne einen Reisedienst anbieten, der Menschen ins Weltall schickt.

Alleine über die deutsche Webseite gehen an Spitzentagen 53 Bestellungen ein – pro Sekunde. 2012 waren es noch 32 Bestellungen im Sekundentakt.

Besonders bestellaktiv sind die Kunden zur Weihnachtszeit. An den acht deutschen Logistik-Standorten steigt deshalb die Nachfrage nach mehr Personal. „In Pforzheim haben wir 200 Saisonkräfte eingestellt“, sagt Standortleiter Alexander Bruggner. Unter den knapp 1000 Beschäftigungsverhältnissen im Pforzheimer Logistik-Center seien immerhin 63 Prozent unbefristete. Von den avisierten 3000 Stellen, die noch kurz vor der Eröffnung 2012 euphorisch durchs Rathaus der Goldstadt geisterten, ist man weit entfernt. Aber ausgeschlossen sei in Zukunft nichts, so Brugger.

Bisher hatte das Pforzheimer Logistik-Center vor allem großvolumige Teile in den Regalen, was eine geringere Zahl an Beschäftigten erforderte. Inzwischen rüste man den Standort im Zuge der Regionalisierung auch mit kleinteiliger Ware aus, was zu einem erhöhten Personalbedarf führen könne, erklärt der Standortleiter.

Indes bedient Amazon Pforzheim nicht nur das regionale Umfeld. „Wir liefern bis nach Australien“, sagt Brugger. Welche Ware von welchem Logistik-Center in die Welt geschickt wird, das bestimmen Algorithmen. Ein Zentralcomputer berechnet nach dem Bestelleingang den schnellsten Lieferweg. So kommt’s durchaus vor, dass ein Amazon-Kunde in Malaysia sein Päckchen aus der Goldstadt bekommt.