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Der Monitor eines TV-Senders zeigt den Kursverlust der VW-Aktie.
Der Monitor eines TV-Senders zeigt den Kursverlust der VW-Aktie.
24.02.2016

Anleger gegen VW: Aktie hat seit Ausbruch des Abgas-Skandals fast die Hälfte an Wert verloren

Auf den ersten Blick gibt es im Abgas-Skandal bei VW keine Gewinner. Millionen Autos haben über Jahre zu viel giftiges Stickoxid in die Luft geblasen und damit Umwelt und Gesundheit geschadet, VW-Aktionäre haben herbe Verluste hinnehmen müssen, Mitarbeiter fürchten um ihre Jobs und dem VW-Konzern drohen Milliardenstrafen. Doch eine Berufsgruppe profitiert ganz sicher von den Folgen des Diesel-Debakels: die Juristen.

VW selbst hat ein Heer von Anwälten für die Aufarbeitung des Skandals und zur Verteidigung gegen Klagen engagiert. VW-Fahrer klagen auf Schadensersatz. Und nicht zuletzt bemühen sich viele Anwaltskanzleien derzeit um Anleger mit VW-Aktien, denn das könnte lukrativ für die Advokaten werden. Sie sollen den VW-Anteilseignern ihr verlorenes Geld wiederbeschaffen und würden daran natürlich mitverdienen. Es gibt sogar Investoren, sogenannte Prozessfinanzierer, die auf den Sieg in einem Verfahren von Aktionären gegen VW spekulieren.

Der Abgas-Skandal hat über viele Wege juristische Angriffe auf VW ausgelöst. Eine Flanke bilden Klagen von Aktionären. Nach Bekanntwerden der Manipulationen rauschten VW-Aktien steil nach unten. Fast die Hälfte ihres Wertes hatten die Vorzugsaktien des Konzerns seit Ausbruch der Krise zwischenzeitlich verloren. Noch immer sind sie mit aktuell 103 Euro weit vom Niveau vor „Dieselgate“ (169 Euro) entfernt.

Diese Verluste wollen Anleger vom Konzern vor Gericht einklagen. „Unsere Klage stützt sich auf die Verletzung von Kapitalmarktinformationspflichten“, sagt zum Beispiel Rechtsanwalt Klaus Nieding. Börsennotierte Unternehmen müssen Informationen, die den Kurs erheblich beeinflussen könnten, an ihre Aktionäre weitergeben. Sonst verletzen sie die sogenannte Ad-Hoc-Pflicht. Und hier setzen die Klagen an. Volkswagen ist der Auffassung, sämtliche Informationspflichten befolgt zu haben. Man lasse die „Diesel-Thematik“ unabhängig aufarbeiten, sagt ein Sprecher. Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) rät Aktionären, mit Klagen noch abzuwarten: „Wir müssen zunächst sehen, ob überhaupt eine Verletzung der Ad-hoc-Pflicht vorlag und wenn ja, wann VW die Aktionäre hätte informieren müssen“, mahnt DSW-Präsident Ulrich Hocker.