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Die Arbeitslosenzahlen für Pforzheim und die Region sind im Juli wieder leicht gestiegen.
Die Arbeitslosenzahlen für Pforzheim und die Region sind im Juli wieder leicht gestiegen. © dpa
28.07.2016

Arbeitslosenzahlen in der Region im Juli leicht gestiegen

Erstmals seit Februar ist die Zahl der Arbeitslosen im Bezirk der Agentur für Arbeit Nagold-Pforzheim gegenüber dem Vormonat wieder leicht gestiegen. Am Stichtag Mitte Juli waren 13.075 Männer und Frauen ohne Arbeit, 226 oder 1,8 Prozent mehr als im Juni. Die Arbeitslosenquote ist im Vergleich zum Vormonat um 0,1 Prozentpunkte auf 4,0 Prozent gestiegen. Im Juli 2015 lag sie ebenfalls bei 4,0 Prozent.

Die Entwicklung im Vergleich zum Vormonat ist typisch für die Jahreszeit. Im Sommer melden sich viele Jugendliche nach dem Ende ihrer Schulzeit oder Ausbildung arbeitslos. Hinzu kommen Arbeitslosmeldungen nach Entlassungen oder auslaufenden befristeten Verträgen zum Quartalsende. Der leichte Anstieg gegenüber dem Vorjahr ergibt sich dagegen nahezu ausschließlich aus der steigenden Zahl arbeitsloser Flüchtlinge.

Geflüchtete Menschen am regionalen Arbeitsmarkt

Wir wissen, dass der Erwerb der deutschen Sprache viel Zeit braucht. Erst wenn sich die geflüchteten Menschen verständigen können, können wir sie in Arbeit bringen oder auch qualifizieren. Erfreulicherweise ist unser Arbeitsmarkt hier in der Region nach wie vor gut und aufnahmefähig und die Vielzahl der spezifischen Unterstützungsangebote für diesen Personenkreis verbessert zunehmend deren Vermittlungsfähigkeit“, sagt Martina Lehmann, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Nagold-Pforzheim. Sie sei „deshalb zuversichtlich, dass die neuen, überwiegend männlichen Mitbürger, nach Abschluss ihrer Sprachkurse oder Qualifizierungsmaßnahmen gute Chancen haben, in Firmen im Nordschwarzwald unterzukommen.“ Ihre Erfolgsbilanz: „Allein in den letzten sechs Wochen konnten die Vermittlungsfachkräfte der Arbeitsagentur und der beiden gemeinsamen Jobcenter Calw und Freudenstadt 36 Flüchtlinge in Beschäftigung bringen“, so Martina Lehmann.

Derzeit sind 696 Flüchtlinge arbeitslos gemeldet. Dazu kommen weitere 849 arbeitsuchende Flüchtlinge, die derzeit an Deutschkursen oder an von Arbeitsagentur oder Jobcenter geförderten Qualifizierungsmaßnahmen oder Betriebspraktika teilnehmen. Die Flüchtlinge sind überwiegend männlich (87 Prozent) und mehr als zwei Drittel sind jünger als 35 Jahre. Nach den bisherigen Erfahrungen kommt der allergrößte Teil von ihnen derzeit nur für eine Helfertätigkeit in Frage. Erfolgreiche Vermittlungen gab es bisher insbesondere im Handwerk, im Baugewerbe, im Hotel- und Gaststättengewerbe und in der Pflege.

Unbesetzte Ausbildungsstellen

Die Arbeitskräftenachfrage war, für die Jahreszeit unüblich, höher als im Vormonat. Betriebe und Verwaltungen meldeten in den letzten vier Wochen 1375 zu besetzende Stellen, 164 oder 13,5 Prozent mehr als im Juni und 110 oder 8,7 Prozent mehr als vor einem Jahr. Am regionalen Ausbildungsmarkt gibt es aktuell mehr unbesetzte Ausbildungsstellen als Bewerber, die über die Arbeitsagentur noch nach einer Ausbildungsstelle suchen.

„Wer noch einen Ausbildungsplatz sucht, sollte die gute Situation am Ausbildungsmarkt jetzt für sich nutzen. Wir können noch in vielen interessanten Berufen freie Ausbildungsstellen anbieten.“ Berufsberater würden auch in der Ferienzeit für Fragen zur Verfügung stehen und auch über mögliche berufliche Alternativen beraten, „wenn es mit dem Traumberuf nicht klappt“, so Martina Lehmann.

Arbeitslose

Nicht immer gelingt der nahtlose Übergang nach einer Ausbildung in Beschäftigung. Deshalb suchen viele junge Menschen nach dem Ende ihrer Ausbildung eine Arbeitsstelle, was zu einem Anstieg der Arbeitslosigkeit bei den unter 25-Jährigen führt. Die Zahl der Arbeitslosen in dieser Altersgruppe hat sich gegenüber Juni um 201 oder 18,1 Prozent auf 1309 erhöht.

Dagegen ist die Arbeitslosigkeit bei den Älteren (50 Jahre und älter) in den letzten vier Wochen nur leicht um sieben oder 0,2 Prozent gestiegen.

Regionale Arbeitslosenquoten

Unter den Geschäftsstellen der Arbeitsagentur Nagold-Pforzheim hat Mühlacker mit 3,0 Prozent den besten Wert. Es folgen Freudenstadt (3,2 Prozent), Horb (3,3 Prozent), Nagold (3,4 Prozent), Calw (3,5 Prozent), Bad Wildbad (4,1 Prozent) und Pforzheim (4,9 Prozent). Die unterschiedlichen Strukturen innerhalb des Agenturbezirkes haben auch im Juli zu einer großen Bandbreite der Arbeitslosenquoten geführt. Sie liegt zwischen 2,8 Prozent im Enzkreis und 7,3 Prozent im Stadtkreis Pforzheim.

Pforzheim

Die Arbeitslosenquote ist sowohl im Vergleich zum Vormonat als auch im Vergleich zum Vorjahr um 0,1 Prozentpunkte auf 7,3 Prozent gestiegen. Damit bleibt Pforzheim Schlusslicht unter den 44 Kreisen in Baden-Württemberg.

Enzkreis

Die Arbeitslosenquote hat sich im Vergleich zum Vormonat um 0,1 Prozentpunkte auf 2,8 Prozent erhöht. Vor einem Jahr lag sie auch bei 2,8 Prozent. Damit belegt der Enzkreis, gemeinsam mit dem Alb-Donau-Kreis, Platz vier in Baden-Württemberg.

Landkreis Calw

Die Arbeitslosenquote blieb im Vergleich zum Vormonat unverändert bei 3,6 Prozent. Vor einem Jahr lag sie noch bei 3,8 Prozent.

Landkreis Freudenstadt

Die Arbeitslosenquote hat sich im Vergleich zum Vormonat um 0,1 Prozentpunkte auf 3,3 Prozent erhöht. Vor einem Jahr lag sie noch bei 3,2 Prozent.