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29.01.2009

Arbeitsmarkt in der Region: „Licht am Ende des Tunnels“

PFORZHEIM. Auch Pforzheim und der Enzkreis blieben im Januar vom Zuwachs der Arbeitslosenzahlen nicht verschont. Überall in Baden-Württemberg meldeten die Arbeitsagenturen steigende Quoten für diesen Monat.

„Ich breche nicht in Panik aus“, sagte Arbeitsagentur-Chef Walter Reiber am Donnerstag trotz der Verschlechterung am Jobmarkt. Zwar erwarte er für den Monat Februar noch einmal eine Zunahme der Arbeitslosenzahlen. Allerdings lehnt er sich in seinen Vorhersagen an die Prognosen einiger Konjunkturauguren an, auch aus der Automobilbranche. Und die besagen, so Reiber, dass die Situation im zweiten Halbjahr wieder besser werde: „Ich sehe Licht am Ende des Tunnels.“ Gestützt wird Reibers Optimismus auch von entsprechenden Bewegungen am Arbeitsmarkt. Demnach hätten die Zeitarbeitsfirmen im Januar wieder mehr Personal angefordert, woraus zu schließen sei, dass mit einem Anziehen der Konjunktur gerechnet werde. Reiber: „Es besteht die begründete Aussicht, dass sich die negative Entwicklung nicht lange verstetigen wird.“

Kurzarbeit statt Entlassungen

Im Januar stieg die Arbeitslosenquote um 0,7 auf 5,5 Prozent an. Die Stadt Pforzheim hatte mit 5207 Betroffenen eine Quote von 8,8 (Vormonat: 7,9) Prozent, im Enzkreis waren 3757 Menschen arbeitslos, was einer Quote von 3,7 (Vormonat: 3,1) Prozent entspricht. Unterdessen appellierte der Agenturchef erneut an die Unternehmen, sie sollten das Fachpersonal auch in Krisenzeiten halten: „Wer jetzt qualifizierte Arbeitskräfte entlässt, wird sie nicht mehr zurück bekommen.“ Ein gutes Instrument, dies zu verhindern, sei die Kurzarbeit. Sie wird nach Agenturbeobachtungen immer mehr zum Thema: „Die Pforzheimer Statistik weist 51 Betriebe in Kurzarbeit aus. Betroffen davon sind 1205 Arbeitnehmer.“ Reiber rechnet in den nächsten Wochen mit einer Verdoppelung der Kurzarbeiterbetriebe und der Beschäftigtenzahl in Pforzheim und im Enzkreis. Seit kurzem hat der Gesetzgeber die Möglichkeit des Kurzarbeitergeld-Bezugs von zwölf auf 18 Monate erhöht. „Und das ist gut so“, sagte Reiber, denn „damit werden in spürbaren Größenordnungen weitere Entlassungen vermieden.“ Und gleichzeitig seien die Betriebe damit „in den Startlöchern, wenn‘s wieder aufwärts geht.“
Reiber warnte davor, dass nach der Finanzkrise eine Fachkräftekrise kommen könne, sofern das Thema Ausbildung und Weiterqualifizierung nicht ausreichend angegangen werde. Schon jetzt sei klar: „Wir haben durch die Bank zu wenig Fachkräfte.“ In diesem Bereich glaubt Reiber seine Hausaufgaben erledigt zu haben. Immerhin hätten unter der Regie der Agentur 351 Menschen eine Ausbildung begonnen oder an einer Qualifizierungsmaßnahme teilgenommen. Dies entspreche einer Steigerung von 172, was annähernd einer Verdoppelung der Vorjahreswerte entspreche: „Wir müssen zum Neustart der Konjunktur gut gerüstet sein und so einem Fachkräftemangel frühzeitig entgegentreten.“
Derweil stieg die Arbeitslosenquote im Januar zu Lasten der Männer. Hier standen 51,3 Prozent einem Frauenanteil von 48,7 Prozent gegenüber. Unter den arbeitslosen Männern kam der größte Teil aus dem produzierenden Gewerbe und hier oftmals aus Zulieferbetrieben für die Automobilindustrie. Bei allen Personengruppen stellt die Agentur eine negative Entwicklung fest. Am stärksten war der Anstieg demnach bei den über 50-Jährigen. Ihr Anteil an der Gesamtarbeitslosigkeit liegt der Statistik zufolge bei 26,6 Prozent. Bei den Langzeitarbeitslosen konnte indes eine leichte Besserung erzielt werden. Der Anteil reduziert sich demzufolge von 23,6 auf 21,7 Prozent. Reiber: „Der kontinuierliche Einsatz arbeitspolitischer Maßnahmen zeigt hier seine Wirkung.“ Der Anteil der arbeitslosen Ausländern hingegen beträgt 27,4 Prozent.