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Skeptische Blicke: Mitarbeiter des Fahrzeugherstellers Volkswagen während der gestrigen Betriebsversammlung im Wolfsburger VW-Werk. Foto: Nobs/VW-Betriebsrat

Autobosse einigen sich über E-Mobilität

Wolfsburg. Die VW-Forderung nach einem radikalen Wechsel zur batteriebetriebenen Elektromobilität hat die deutsche Autoindustrie gespalten. Im Kern geht es darum, ob sich die Förderung – wie es VW-Chef Herbert Diess vorschwebt – künftig ausschließlich auf Batteriefahrzeuge konzentrieren soll.

Gestern Abend einigten sich Diess sowie BMW-Chef Harald Krüger und Daimler-Boss Dieter Zetsche im Gespräch mit dem Präsidenten des Verbands der Automobilindustrie (VDA), Bernhard Mattes, auf batterieelektrische Autos und Hybride als „Gebot der Stunde“, wie die Deutsche Presse-Agentur aus VW-Kreisen erfuhr. Darüber hinaus müsse die Ladeinfrastruktur für E-Autos ausgebaut werden, hieß es. BMW-Chef Harald Krüger hatte der Forderung von Diess zuvor entschieden widersprochen. Auch an anderer Stelle spürte der VW-Chef Gegenwind: VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh forderte Beschäftigungssicherung bis Ende 2028 und machte klar, Gespräche über „Effizienzsteigerungen“ werde es nur unter Bedingungen geben. Nach Einschätzung aus VW-Kreisen darf dies als gelbe Karte für Diess gelten.

Krüger betonte: „Wo ich ganz klar anderer Meinung bin, ist Technologieoffenheit.“ Diess dagegen will Subventionen vor allem auf kleine vollelektrische Autos konzentrieren und sagte: „Technologieoffenheit ist jetzt die falsche Parole.“ Was bedeutet das? Neben batterieelektrischen Autos gibt es weitere denkbare Antriebsvarianten – etwa die wasserstoffbetriebene Brennstoffzelle, Hybride oder synthetische Kraftstoffe. Diess dagegen will alles auf eine Karte, nämlich Batterien, setzen. Aber: Die Entwicklung in verschiedenen Teilen der Welt sei unterschiedlich, und wie schnell die Infrastruktur für reine vollelektrische Fahrzeuge entstehen werde, „das sehe ich anders“, erklärte Krüger. In einigen Ländern sei Wasserstoff eine Alternative zum Batterieauto. Daraus ergebe sich Diskussionsbedarf, sagte er.

Krüger schloss nicht aus, dass die Politik in einem wichtigen Land die Hersteller dazu verpflichten könnte, Brennstoffzellen-Autos anzubieten und sie andernfalls überhaupt keine Autos mehr dort verkaufen dürften. Deshalb sei Technologieoffenheit wichtig.

Der am Abend erzielten Einigung zufolge gehen die Autobosse nun davon aus, dass mit Wasserstoff betriebene Brennstoffzellenautos in den nächsten etwa zehn Jahren nicht marktreif sein würden. Ein VDA-Sprecher sagte, es habe „ein kurzes, sehr konstruktives und gutes Gespräch“ gegeben. Die Details würden zeitnah bekanntgegeben. Zur Debatte über den VDA und Spekulationen über einen Austritt von VW aus dem Verband sagte Krüger zuvor: „Wir stehen zum VDA.“

Diess hatte den Konflikt mit einem Strategiepapier ausgelöst, das in der Branche und auch in der Politik heftig umstritten ist. Kritiker monieren, die Vorschläge seien zu sehr auf Volkswagen gemünzt. In dem Papier heißt es, die bisherigen Pläne zur Verkaufsförderung sowie zum Ausbau der Ladeinfrastruktur für E-Autos reichten nicht aus. Das Bundeskanzleramt hat dem Vernehmen nach eine Prüfung der Vorschläge zugesagt und will sich im April äußern.

Im Auftrag der Regierung beraten derzeit Experten über die Zukunft der Mobilität. Am 29. März soll ein Zwischenbericht vorliegen.

Auch vor rund 20 000 Beschäftigten auf der Betriebsversammlung in Wolfsburg betonte Diess: „Die Elektromobilität ist der richtige Weg.“ Aber: ein E-Auto erfordere etwa 30 Prozent weniger Arbeit als ein Verbrenner. „Es wird schwer, das nur mit Fluktuation und Altersteilzeit zu bewältigen“, warnte er. Die Digitalisierung werde Arbeitsplätze kosten, moderne IT erlaube es, viele Routinearbeiten und Prozesse etwa in der Verwaltung zu automatisieren.