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Anja Karliczek (CDU), Bundesministerin für Bildung und Forschung, präsentiert den Berufsbildungsbericht 2019. Foto: Jutrczenka
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Nicht nur das Handwerk bietet gute Perspektiven. Viele Schulabgänger interessieren sich auch für eine kaufmännische Ausbildung oder ein Studium. Foto: Weber/Deutsche Vermögensberatung AG

Azubis haben gute Karten: Mehr Lehrstellen als Bewerber

Berlin. Wer eine Lehrstelle sucht, kann sich freuen: Auch im Ausbildungsjahr 2017/18 überstieg die Zahl der Angebote wieder die der Bewerber. Allerdings bleiben auch immer mehr Lehrstellen unbesetzt. Das geht aus dem aktuellen Berufsbildungsbericht der Bundesregierung hervor.

Wie ist die allgemeine Situation am Lehrstellenmarkt?

Die Lage sei „weiter gut“, kommentierte Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) den Bericht. Demnach wurden 2018 rund 8100 Ausbildungsverträge mehr abgeschlossen als 2017. Auch die Zahl der betrieblichen Lehrstellenangebote nahm zu. Insgesamt waren es 589 100 – knapp drei Prozent mehr als im Jahr davor. Rein rechnerisch standen 100 Ausbildungssuchenden 106 Ausbildungsangebote gegenüber. Allerdings ist die Zahl der unbesetzt gebliebenen Stellen auf 57 700 gestiegen – fast 18 Prozent mehr als 2017.

Wo herrscht akuter Lehrlingsmangel?

Vor allem Fachverkäufer für Lebensmittel werden händeringend gesucht. Hier blieb 2018 nahezu jeder zweite Ausbildungsplatz (40,8 Prozent) unbesetzt. Ähnlich akut ist die Lage im Fleischer- und Klempnerhandwerk. Umgekehrt hat schlechte Karten, wer sich um eine Lehrstelle als Tierpfleger oder Mediengestalter bewirbt. 46 beziehungsweise 44 Prozent der Interessenten gingen hier leer aus. Rund 24 500 Menschen konnten keinen Ausbildungsplatz finden.

Wie steht es um die schulische Vorbildung?

Viele Arbeitgeber klagen immer wieder über mangelnde Schulkenntnisse von Auszubildenden. Entsprechend gering sind offenbar auch ihre Erwartungen. So wurden bei mehr als der Hälfte der unbesetzten Lehrstellen lediglich ein Hauptschulabschluss vorausgesetzt und nur in zehn Prozent der Fälle ein Abitur. Tatsächlich hatten aber fast 28 Prozent der noch unversorgten Bewerber eine Studienberechtigung. Mehr als jeder Dritte verfügte über einen mittleren Schulabschluss. Und nur knapp 29 Prozent hatten lediglich einen Hauptschulabschluss in der Tasche.

Was sagt der Bericht über die Lage junger Flüchtlinge?

Insgesamt hat die Zahl der Menschen zwischen 20 und 34 Jahren ohne Berufsabschluss ein Rekordniveau erreicht. Ihre Zahl ist seit 2014 um 240 000 auf 2,12 Millionen gestiegen. Ein „Großteil“ dieser Steigerung gehe auf junge Migranten zurück, erklärte Karliczek. Positiv wird vermerkt, dass ausländische Azubis, die in Deutschland um Asyl baten, überproportional häufig (50 Prozent) eine Lehre im Handwerk aufgenommen haben.

Was plant die Bildungsministerin?

Gewerkschaften und Arbeitgeber hatten eine Mindestvergütung für Azubis vorgeschlagen: Im ersten Lehrjahr 515 Euro pro Monat, im zweiten 615 Euro und im dritten Lehrjahr 715 Euro. Karliczek will dieses Konzept übernehmen.