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Ein Großhandelskaufmann ist immer wieder auch im Lager unterwegs. Mirco Hildebrandt arbeitet beim Farb- und Lackspezialisten Brillux. Dort hat er schon seine Ausbildung absolviert.  Scholz/DPA-Archiv
Ein Großhandelskaufmann ist immer wieder auch im Lager unterwegs. Mirco Hildebrandt arbeitet beim Farb- und Lackspezialisten Brillux. Dort hat er schon seine Ausbildung absolviert. Scholz/DPA-Archiv
01.12.2015

Azubis werden Mangelware: Unternehmen reißen sich um den knappen Nachwuchs

Gütersloh. Europaweit gilt sie als mustergültiges Mittel gegen Jugendarbeitslosigkeit, hierzulande kämpft sie mit sinkender Nachfrage: die Berufsausbildung. Immer mehr Lehrstellen bleiben unbesetzt, Angebot und Nachfrage schrumpfen, wie eine aktuelle Studie herausarbeitet. Zeit, die Jugendlichen nach ihren Zielen und Wünschen zu fragen.

Wie entwickeln sich Angebot und Nachfrage?

„Schwankungen hat es immer gegeben auf dem Ausbildungsmarkt, seit 2011 aber sinkt die Zahl der abgeschlossenen Verträge“, sagt Elisabeth Krekel, Ausbildungsmarktexpertin des Bundesinstituts für Berufsbildung. Im Osten ist der Schrumpfkurs besonders dramatisch.

Welche Folgen hat das für den Arbeitsmarkt?

Die Ausbildung mache fit für die mittlere Qualifikationsebene, wo es schon jetzt Engpässe gebe, erklärt Krekel. Akademische Bildung benötige einen Unterbau. „Jeder studierte Arzt braucht seine Helferinnen, die Medizinischen Fachangestellten.“ Auch gut ausgebildete Führungskräfte sind gefragt: Laut Zentralverband des Deutschen Handwerks suchen in den nächsten fünf Jahren 180 000 Inhaber einen Nachfolger.

Wieso bleiben trotzdem Lehrstellen unbesetzt?

Allein 2013 blieben 30 000 Plätze frei – darunter laut Bundesinstitut etwa jede dritte Restaurantfach-Lehrstelle. Ähnlich war es im Lebensmittelhandwerk, bei Klempnern und Fleischern. Für die Ausbildungen als Gestalter oder Tierpfleger gab es dagegen fast doppelt so viele Interessenten wie Plätze.

Wo liegen die Gründe für die Rückgänge auf dem Ausbildungsmarkt?

Es gibt immer weniger junge Menschen, vor allem im Osten. Laut Bertelsmann-Stiftung sind es zudem besonders kleine Betriebe, die nicht mehr ausbilden. Außerdem wollen immer mehr junge Männer und Frauen studieren – auch weil sie sich mit 17, 18 oder 19 Jahren noch nicht auf eine berufliche Laufbahn festlegen wollen, wie der Sozialwissenschaftler Klaus Hurrelmann beobachtet hat. Deshalb werde ein Studium vorgeschaltet.

Wie sind ihre Chancen?

Bestens. Die Machtverhältnisse auf dem Arbeits- und Ausbildungsmarkt haben sich in wenigen Jahren gedreht, wie Hurrelmann beschreibt. Die Machtposition hat jetzt die sinkende Zahl der Bewerber – um die sich die Unternehmen bemühen müssen.

Wie lassen sich die Probleme der Betriebe lösen?

Die Bildungsexperten treten für eine bessere Verzahnung und mehr Durchlässigkeit zwischen Hochschulen und Betrieben ein. Schon jetzt buhlen Unternehmen um Studienabbrecher. Gymnasiasten und ihre Lehrer müssten mehr Betriebspraktika machen, fordert Hurrelmann.